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Modica – die älteste Schokoladenstadt Europas

Wer nicht schon einmal in Sizilien Urlaub gemacht hat, dem ist sie vielleicht völlig unbekannt. Was ist das, diese Cioccolato Modicano, die Schokolade aus Modica? Man könnte sagen: Eine Urform der heutigen Schokolade, kaum verarbeitet und ursprünglich im Geschmack. Modica ist das weltbekannte Zentrum der krümeligen Spezialität, weshalb sich hier unzählige Chocolaterien finden, die das Produkt nicht-industriell herstellen. Wir haben mit Alberto Vicari, Gründer der Bio-Schokoladenmanufaktur Il Modicano und bekennender VIVANI-Fan, gesprochen, der uns spannende Einblicke in die Schokoladenszene Süditaliens und seine eigene, ganzheitliche Firmenphilosophie gewährte.

Modica – Schokoladen-El-Dorado im Südzipfel Italiens

Modica in der sizilianischen Provinz Ragusa liegt im südöstlichsten Zipfel Italiens und ist eine Stadt mit Geschichte. Neben immer wieder wechselnden Besatzungsmächten kam auch irgendwann die Schokolade, wahrscheinlich aus Spanien, hierher. Das Rezept ist bis heute unverändert und begeistert durch seinen ursprünglichen, aromatischen Kakaogeschmack. Während die Schokolade blieb, ging die Stadt zwischendurch, nämlich anno 1693, als ein verheerendes Erdbeben die gesamte Provinz in Schutt und Asche legte. Der Wiederaufbau wurde rasch bewältigt und eine beeindruckende, wunderschöne Stadt im Stil des sizilianischen Barock entstand. In dieser malerischen Kulisse, die zum UNESCO-Welterbe zählt und heute etwa 55.000 Menschen beheimatet, herrschte mit den vielen Schokoladenmanufakturen eine ganz besondere Stimmung, was die Stadt bis heute zum Touristenmagnet macht.

Nun lassen wir aber Alberto Vicari von der Schokoladenmanufaktur Il Modicano selber zu Wort kommen und spüren dem Geheimnis der fast schwarzen Leckerei nach. Dabei wird uns Alberto auch über die Besonderheiten seiner Marke berichten, die konsequent ökologisch erzeugt und vegan ist. Ein spannender Trip in den heißen Süden Italiens.

Alberto, Du stammst aus einem der wichtigsten Schokoladen-Hotspots Europas. Dennoch wissen heutzutage nur wenige Menschen davon. Denkst Du Modica wird als Schokoladenstandort unterschätzt? Was sollte Deiner Meinung nach passieren, damit sich dies ändert?
Die traditionelle Produktion und Verarbeitung von Schokolade in Modica nahm ihren Anfang bereits im 16. Jahrhundert, aber unsere spezielle Art der Produktion ist in Italien erst in den letzten 20 Jahren so richtig populär geworden, nach einem vielbeachteten Auftritt des berühmtesten Chocolatier von Modica – Franco Ruta (Antica Dolceria Bonajuto) in einer Talkshow im italienischen Fernsehen im Jahre 1999. Wir wünschen uns aber, dass Schokolade im Modica-Stil auch über Italien hinaus bekannter wird. Es gibt mittlerweile einige neue Hersteller, die Bio-, vegane und/oder faire Schokoladen auf den Markt gebracht und Modica damit in zahlreichen Ländern bekannt gemacht haben. Dies sollte uns und unserer Schokolade den erhofften Aufschwung bringen.

Du hast früher als erfolgreicher Manager gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Du Dich neu orientiert und eine Schokoladenfabrik aufgebaut hast?
Meine Vision war es damals, vegane Schokolade zu produzieren. Ich lebe selbst seit über zwanzig Jahren vegan (seit über dreißig vegetarisch), sehnte mich damals nach einer ethischer ausgerichteten Art zu produzieren und zu kaufen. Wie uns allen, sind auch mir täglich viele Negativbeispiele im Handel und im Verhalten der Verbraucher begegnet.
Ich wollte damals eine gute, leckere Schokolade essen können, die ohne Tierleid hergestellt wurde und die es mit den großen milchbasierten Schokoladenmarken aufnehmen könnte. Oder habe an Modegeschäfte gedacht, die nur noch Kleidung aus ethisch korrekten Quellen anbieten würden. Ich habe mir immer eine Welt vorgestellt, in der solche fairen Unternehmen und Händler dem Verbraucher viel bekannter und viel leichter zugänglich sind. Ich habe mich oft gefragt, wo der Verbraucher dann kaufen würde, wenn er oder sie eine klare Wahl hätte. Ich habe viel nachgedacht, wenn immer ich auf Produkte gestoßen bin, für die es keine vegane Alternativen gab und mir Gedanken gemacht, wie man dieses Problem selbst lösen könnte.
Also habe ich mich schließlich dazu entschieden, ein sozialverträgliches Unternehmen zu gründen. Da ich zeitlebens in Modica gewohnt habe, konnte es sich dabei nur um ein Projekt mit Schokolade handeln!

Warum hast Du Dich dazu entschieden, ausschließlich vegane Schokolade zu produzieren?
Ich habe mir gesagt, wenn ein Leben möglich ist, in dem ich leckeres Essen und Trinken genießen kann, das mich gesünder macht, das einen kleineren CO2-Fußabdruck hinterlässt und dass ohne den Tod anderer Lebewesen auskommt – ja warum leben wir es dann nicht?!
Denn ich sehe das so: Der Konsum von Fleisch oder Milch ist heutzutage zu einer Sucht geworden und das obwohl beides nicht lebensnotwendig ist. Es gibt meiner Meinung nach kein Milchprodukt, für dass es keine gesündere und wohlschmeckende vegane Alternative gäbe.

Lass uns gerne mal über euer Produktsortiment sprechen: Welche Sorten bietet ihr an und was sind eure Bestseller?
Wir bieten fünf verschiedene Produktgruppen an:

  1. grob gewalzte Schokolade im Stile traditioneller Modica-Schokolade
  2. hochprozentige Bitterschokoladen mit Kokosblütenzucker gesüßt
  3. Schokoladen auf Sojadrink-Basis als Alternative zu Milchschokoladen mit natürlichen Süßungsmitteln (Agaven- oder Kokosblütensirup)
  4. Streichcrémes auf Sojadrink-Basis in den Sorten Haselnuss, Pistazie und Mandel
  5. Heiße Trinkschokolade

Unsere Topseller sind sicherlich die süßen Streichcrémes, die ebenso cremig und lecker sind, wie herkömmliche Crémes auf Kuhmilchbasis. Alle unsere Produkte sind vegan, laktosefrei, glutenfrei, non-GMO und zu 100% in Bioqualität.

Was für eine Relevanz haben vegane Produkte in Italien denn im Allgemeinen? Gibt es eine größere vegane Szene?
Derzeit leben etwa 2,6 % der italienischen Bevölkerung vegan (etwa 1,6 Mio Menschen) und in 2016 nahm die Menge der verkauften veganen Produkte um 20-30% zu – ein neuer Wachstumsrekord. Dies hat aber auch mit einem bedeutenden Wachstum für laktosefreie Produkte zu tun.

Modica kommt eine besondere Bedeutung in der geschichtlichen Entwicklung von Schokolade in Europa zu. Gibt es immer noch viel „Schokoladen-Tourismus“ in eurer Region?
Modica hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Ziel für Touristen entwickelt. Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: zum Einen wurde Modica wegen seiner barocken Kirchen zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und zum Anderen ist es tatsächlich der gute Ruf der Modica-Schokolade – jeder, der nach Modica kommt, geht nicht wieder heim ohne eine große Tasche voll mit Schokolade!

Wie wichtig ist Sizilien heute für den italienischen Schokoladenmarkt?
Modica ist einer von drei Hotspots für Schokolade in Italien: Turin für den Norden Italiens, Perugia für Mittelitalien und eben Modica für den Süden. Wenn du jemandem erzählst, dass du aus Modica kommst, hörst du immer die gleiche Antwort: „Modica … wo die berühmte Schokolade herkommt!“

Bitte erläutere unseren Lesern noch einmal, was den besonderen Modica-Stil ausmacht. Worin liegt der Unterschied zu herkömmlichen Schokoladen?
Technisch betrachtet handelt es sich bei Modica-Schokolade um Tafeln mit grob gewalzter Schokoladenmasse. In den Anfängen wurde sie lediglich durch einen kleinen Mahlstein gewalzt, den man „metate“ (lateinamerikanisch: kleiner Mahlstein“) nannte.
Im Grunde handelt es sich um Schokolade aus einem antiken Originalrezept mit nur wenigen Verarbeitungsschritten. Seit dem 16. Jahrhundert haben viele Generationen dieselben Verarbeitungstechniken angewandt: die Mischung von kalter Kakaomasse mit Zucker. Diese „kalte Mischung“ verleiht der Schokolade die typisch körnige Textur und bewahrt außerdem ungewöhnliche Aromen, die ebenfalls charakteristisch sind.

Mit Blick auf Il Modicano: Was ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?
Vegane Schokolade zu produzieren ist für mich weniger ein „Business“, sondern bedeutet vielmehr eine tolle Möglichkeit, für den veganen Lebensstil zu werben und die Menschen für Tierrechte zu sensibilisieren.
Mein größter Wunsch ist deshalb eng mit der veganen Idee verknüpft: hier in Süditalien sind streunende Tiere ein großes Problem. Die lokalen Regierungen kümmern sich nicht wirklich darum, deshalb würde ich meine Fabrik gerne auf ein größeres Gelände auf dem Land verlagern. Dort würde eine vegane Farm entstehen, wo wir neben der Produktion von Schokolade vielen „obdachlosen“ Tieren ein sicheres Zuhause geben könnten.

Fotos: Modica Stadt, © iStock, elisalocci | Schokoladenambiente © Il Modicano

Experteninterview: Wie erkennt man einen guten Kaffee?

Was muss man beachten, wenn man guten Kaffee kaufen möchte, wie wichtig sind zertifizierte Kaffees, was muss man in Punkto Nachhaltigkeit bei dem kleinen Schwarzen bedenken und wie gut passen Kaffee und Schokolade eigentlich zusammen? Nach unserer eigenen Info-Reihe „From Bean to Bean – Kaffee und Schokolade“ freuen wir uns heute ganz besonders, euch diese und weitere Fragen aus Sicht eines wahren Experten beantworten zu können. Thomas Brinkmann, Gründer der Kaffeeschule-Hannover, hat sich unseren Fragen gestellt und bietet spannende Einblicke in die Welt der Profis. Vielen Dank Herr Brinkmann!

Interview mit Thomas Brinkmann, Kaffeeschule Hannover

thomasbrinkmann_portrait_400x600Herr Binkmann, Sie sind Kaffeeliebhaber mit Leib und Seele. Um Sie besser kennenzulernen interessiert uns natürlich: Mögen sie auch Schokolade? Welche Sorten bevorzugen Sie? Und: Wie trinken Sie am liebsten Ihren Kaffee?

Kakao und Schokolade haben viele Gemeinsamkeiten. Daher ist es nicht so abwegig, wenn man als Kaffeeliebhaber auch eine Schwäche für Schokolade hat. Ich bevorzuge dunkle Schokoladen, die – ähnlich wie ein guter Kaffee – von Haus aus fruchtige Noten mitbringt.

In unserem Aktionsmonat dreht sich alles um die Kombination von Schokolade und Kaffee? Wo sehen Sie interessante „Foodpairing“-Ansätze?

Persönlich bin ich eher Purist und genieße lieber getrennt. Wobei nichts dagegen spricht, zum Kaffee ein gutes Stück Schokolade zu reichen.

Haben Sie schon einmal einen „Coffee in a Cone“ getrunken? Was halten Sie von dem derzeitigen Trend, den ein Barista aus Südafrika erfunden hat?

Nein, tut mir leid, habe ich noch nicht getrunken. Ich denke, Kaffee gehört in Porzellan und nicht in Eistüten oder Pappe. Aber dem Barista ist es durchaus gelungen, dadurch Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzielen – für sich und vor allem für unser aller Lieblingsgetränk: Kaffee!

Kaffee und Schokolade sind eine beliebtes Paar. Warum harmonieren ihre Aromen auf unserer Zunge so wunderbar?

Wie vorhin schon erwähnt: Kaffee und Kakao haben sehr viele Gemeinsamkeiten, z. B. die Vielzahl der Aromen und Säuren, die belebende Wirkung durch Koffein (Theobromin), die feine Harmonie zwischen Süße, Säure und Bitterkeit in Verbindung mit dem Körper / Schmelz.

Herr Brinkmann, wenn ich einen guten Kaffee trinken möchte, was muss ich beim Kauf beachten? Ist es wichtig, auf Siegel wie Bio oder Fairtrade zu achten? Welchen Preis muss ich für ein gutes Pfund geröstete Bohnen veranschlagen? Muss gute Qualität immer teuer sein?

Siegel sind nicht wichtig, können allerdings ein wenig Sicherheit vermitteln. Über die Qualität des Produktes sagen sie jedoch nichts aus. Die Frage nach der Qualität ist schwierig zu beantworten. Ein Experte beurteilt die Qualität häufig nach anderen Kriterien als ein Verbraucher. Daher würde ich jedem empfehlen, sich mit anderen Kaffeeinteressierten auszutauschen, vielleicht an Verkostungsveranstaltungen (sogenannte Cuppings) von Kollegen aus der Spezialitätenkaffeebranche teilzunehmen (z. B. in der Kaffeeschule-Hannover) und so einen Eindruck zu erhalten, was eine gute Qualität aus Expertensicht ist. Ansonsten gilt, es entscheidet der persönliche Geschmack!

Die Frage nach dem Preis kann man auch beim Kaffee wie bei jedem anderen Produkt beantworten. Man kann keine gute Qualität zum Discountpreis erzeugen, allerdings ist es durchaus möglich für „Schrott“ sehr viel Geld zu bezahlen.

Was halten Sie vom Konzept des Direct Trade gegenüber Fair Trade? Muss ich denn nicht unbedingt „fair“ kaufen, damit Bauern mehr verdienen?

Das ist eine Frage die ich nicht kurz beantworten kann. Eine Antwort würde hier ein mehrseitiges Dossier ergeben. Kurz: In beiden Fällen handelt es sich um ein Marketingtool. Direct Trade erfordert mehr Kommunikation und Dokumentation an den Kunden, da die Bedingungen nicht klar gefasst sind. Dies lässt sich meiner Meinung nach nur als Kleinröster leisten, bei dem ein direkter Kontakt zum Kunden besteht. Fair Trade hat den Vorteil, dass es klare Bedingungen gibt und somit für den Kunden schneller (im Supermarkt)  zu erfassen ist.

Meine persönliche Meinung geht ganz klar in Richtung Direct Trade, da hier meistens beide Seiten gewinnen: Der Farmer erhält zumeist einen wesentlich höheren Preis als bei Fair Trade und der Verbraucher bekommt einen deutlich besseren Kaffee (Qualität).kaffeesorten_1200x800

Wenn ich nicht grade zum Barista ausgebildet bin – was muss ich beachten, um einen „guten“ Kaffee zuhause aufzubrühen? Brauche ich hierfür unbedingt teures Profi-Equipment?

Kommt darauf an, ob ich Brühkaffee oder Espresso zubereiten möchte. Für Brühkaffee reicht ein geeigneter Filter (Hario, Chemex, French Press,….), eine Waage, Mühle und ein Wasserkocher, d. h., das Equipment liegt unter 200 €. Für Espresso brauche ich halt eine Maschine. Und hier geht die Preisspanne weit auseinander. Wenn man wirklich gut damit arbeiten möchte, ist man im vierstelligen Bereich.

Zum Thema Nachhaltigkeit: Was kann ich als Kaffeetrinker tun, um die Umwelt zu schützen? Reicht der Blick aufs Bio-Siegel? Soll ich auf spezielle Anbauländer achten?

Als Verbraucher habe ich immer eine Verantwortung für das was ich tue. Also auch beim Kaffeeeinkauf. Ich muss mich, soweit es meine Möglichkeiten zulassen, erkundigen. Ein Biosiegel hilft, schließt aber die Bauern aus, die sich ein Siegel nicht leisten können, trotzdem aber ökologisch produzieren. Für den Verbraucher heißt das: Produkte kaufen, die nachverfolgbar sind. Das können Siegel sein, es kann aber auch die Kommunikation durch den Röster/Händler sein. Vielleicht eine genaue Farmangabe oder das Beneficio.

Auch wenn es schwer fällt – wäre es sinnvoll, den enormen Kaffeekonsum, den wir hierzulande betreiben, zu reduzieren? Das Kaffeetrinken wieder zu einem exklusiveren Moment machen, wie es noch bei Großmutter war? Weg vom „Coffee to go“ auf Tastendruck, um Ressourcen zu schonen? Oder wäre das eine Existenzbedrohung tausender Kleinbauern? Ein Teufelskreis?

Der Markt reguliert sich von selbst. Wir sind derzeit auf dem Weg, dass Kaffee wieder ein Luxusprodukt wird. Zumindest Kaffee, wie wir ihn heute als hochwertigen Kaffee bezeichnen würden. Die Erntemengen stagnieren, bedingt durch den Klimawandel. Anbauflächen für Arabica gehen zurück. Die Verbrauchernachfrage steigt derzeit noch. Nicht zuletzt durch neue Märkte (China, Indien), die verstärkt Kaffee nachfragen. Wir werden sicherlich in Zukunft noch stärker mit zwei Segmenten im Kaffeebereich konfrontiert werden: 1. Der Mainstreamkaffee, der nach wie vor billigst im Supermarkt angeboten wird. Hier werden die industriellen Fertigungen weiter optimiert, so dass wir vielleicht, wie auch heute schon zum Teil, nicht mehr reinen Kaffee im Paket haben, sondern Beimischungen von z. B. Maltodextrin oder vaporisierter Billigrobusta. 2. Den Bereich des Spezialitätenkaffees, der sicherlich auch in Deutschland noch ein wenig wachsen wird. Hier werden dann aber Kilopreise von 30 bis 50 € sicherlich die Regel werden.

Ich würde mich freuen, wenn meine Prognose nicht oder nicht allzu bald eintrifft!

Abschließend: Wo sehen Sie die aktuellen Trends im Kaffee-Segment?

Derzeit sind die Trends ganz klar noch (oder wieder) das Handbrühen. Zusätzlich sehen wir vermehrt die Coldbrews auf den Markt kommen (kalt gebrühte Kaffees), die es mittlerweile auch schon in Flaschenabfüllungen gibt.

Ferner finden wir immer mehr Produkte aus Kaffeenebenprodukten, wie z. B. Tee, der sowohl aus dem getrockneten Fruchtfleisch, als auch aus den Kaffeeblättern und Blüten hergestellt wird. Daraus wiederum stellt man Limonaden her, die es ebenfalls mittlerweile als Flaschenabfüllung gibt.


Thomas Brinkmann und die Kaffeeschule-Hannover

thomasbrinkmann_portrait_1Der passionierte Kaffeeliebhaber Thomas Brinkmann (47) ist bereits seit 2002 auf dem Kaffeesektor tätig. 2005 machte er als gelernter Betriebswirt sein Hobby endgültig zum Beruf und gründete seine eigene Rösterei. Bereits ein Jahr später rief er die Kaffeeschule-Hannover ins Leben, die zum einen von der IHK und SCAE (Verband Speciality Coffee Association of Europe) zertifizierte Ausbildungskurse für Profis anbietet, zum anderen aber auch Veranstaltungen für interessierte Laien im Programm hat. Hiermit ist sie eine wichtige Weiterbildungsstätte für zukünftige Röster, Kaffeesommeliers und Barristas.

Thomas Brinkmann ist neben seiner eigenen Expertise im Kaffeesektor qualifizierter Ausbilder für diverse Angebote an der Kaffeeschule-Hannover sowie als Juror beim internationalen Wettbewerb „Cup of Excellence“ tätig. Bereits 2008 und 2009 wurde er als Deutscher Röstmeister ausgezeichnet.

www.kaffeeschule.com | www.facebook.com/KaffeeschuleHannover


Bildnachweise:
Portraits © Thomas Brinkmann
Kakaosorten © istock, baranozdemir

 

chocolART 2016 – schokoladige Opulenz in Wuppertal

Schon seit Jahren wollen wir die chocolArt in Tübingen besuchen, aber leider wurde unser Naschtripp ins Schokomekka am Neckar bisher stets vereitelt. Als wir erfuhren, dass das Event „on tour“ im nahe gelegenen Wuppertal gastieren sollte, waren mein Mann Alex und ich total begeistert. Da wir es kaum erwarten konnten, scharrten wir als einige der ersten Besucher am Donnerstag Morgen bereits mit den Hufen in der Barmer City und konnten viele der Aussteller noch ihre Stände aufbauen sehen. Und dann begann sie, die schokoladige Reizüberflutung mit tausenden Kalorien zu viel für diesen Tag. Zusammengefasst: Super, bitte im nächsten Jahr wieder! Und wir haben euch sogar etwas mitgebracht: Wenn ihr schnell mitmacht, könnt ihr bei unserem Gewinnspiel exklusiv tolle handgeschöpfte Schokoladen der Wuppertaler Manufaktur Das Bernsteinzimmer gewinnen (Gewinnspiel am Ende des Beitrags)!

Chocolatierskunst wohin das Wuppertaler Auge schaut

Als wir so durch die noch spärlich besuchte, morgendliche Einkaufsstraße Werth von Wuppertal-Barmen schlenderten, kam das Schokoladenfestival chocolART gerade erst in Gang. Vielen Chocolatiers merkte man die Freude an, dass es nun endlich losging. Es war viel Zeit für schokoladige Fachgespräche und die Händler erläuterten motiviert ihre Sortimente und Konzepte. Viele waren gespannt und vielleicht auch eine Prise skeptisch, ob sich das Event in Wuppertal etablieren werde, ob der Ort der richtige sei für erlesene, hochpreisige Produkte. Daher gingen viele direkt in die Vollen. Wir hatten noch keine drei Stände hinter uns, da war uns schon ein wenig schlecht. So ging es weiter, überall durfte probiert werden. Es erstaunte uns schon sehr, wie viel man an jedem Stand verkosten konnte, ja sogar zum Probieren genötigt wurde. Das hätten wir aufgrund der teuren Produkte gar nicht erwartet.chocolart_bernsteinzimmer

Auch der Besucherandrang stieg stetig Stunde um Stunde. Gegen Mittag waren alle Gassen gut gefüllt, an den meisten Ständen war reger Betrieb. Was besonders interessant war: Die Besucher waren zum Großteil „echte“ Wuppertaler Laufkundschaft, nicht nur eigens angereiste chocolART-Besucher. Wenn man bedenkt, dass Wuppertal nicht unbedingt für seine Kaufkraft bekannt ist, war es doch sehr schön zu sehen, wie sich das ortsansässige Publikum, hauptsächlich vom mittleren Alter aufwärts, fröhlich mit Edelschokolade eindeckte. Die Hoffnung auf eine erneute chocolART in Wuppertal für 2017 stieg.

Von Praline bis Eierlikör, von Italien bis zum Fürstenhof, von Leberwurst bis vegan

Jemand, der Schokolade mag und auf der chocolART nichts nach seinem Geschmack gefunden hat, war definitiv nicht vom 13. bis 16.Oktober 2016 in Wuppertal. Auch für uns, die wir uns ständig mit Schokolade privat wie beruflich beschäftigen, gab es beim Wuppertaler Festival noch einiges an Neuheiten und spannenden, kreativen Ideen zu entdecken. Dazu musste das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden. Ein gutes Beispiel: Brownies. Die Brownie-Bäckerei Big-B Brownies backt die amerikanische Spezialität nach original amerikanischem Rezept. Firmenchef Moritz Külgen lässt sein Wissen aus jahrelangen Aufenthalten in den USA und Co. in seine 101 %-igen Brownie-Meisterstücke einfließen, was man wirklich schmeckt. Sie werden nur aus natürlichen Zutaten hergestellt, verzichten auf künstlichen Schnickschnack und sind super saftig. Nicht neu, aber super, super gut.chocolart_brownies-leberwurst

Die ganz große Patisserie konnte man auf der Wuppertaler chocolART verschwenderisch an jeder Ecke bestaunen. Edle Confiserien reihten sich aneinander, sogar sprichwörtlich geadelte Confisseure waren am Werk, so etwa die offiziellen Hoflieferanten Huthmacher des Hohenzollern-Schlosses in Sigmaringen. Hier besonders berühmt: Die 13 verschiedenen Sorten Dominosteine und typische, baden-württembergische Naschereien.
Auch der Bereich „Schokolade zum Trinken“ war reich vertreten. Trinkschokolade – klar, bekannt, an fast jeder Ecke. Schoko-Eierlikör in verschiedenen Sorten (Altenweddinger Geflügelhof) – schon etwas ungewöhnlicher. Interessant – gleich drei unterschiedliche Schokoladenbiere. Die zwei Franzosen („Bière Saveur Chocolat“ und „Bourganel Bière au Nougat“) und das Hausbier des Kölner Schokoladenmuseums („Schokobräu“) stehen noch unverkostet bei uns zu Hause, kamen aber bei den Besuchern sehr gut an und chocolart_kakaomalereiwurden hoch gelobt. Die spektakuläre Geschmacks-Entdeckung des Tages – Yabago Chocolate Liqueur. Zehn unterschiedliche Geschmacksrichtungen gibt es, hergestellt in der deutschen Wein & Spirituosen Manufaktur Frick. Das Unglaubliche: Nur natürliche Zutaten kommen zum Einsatz, keinerlei Schoko-Aromen werden zugesetzt. Das Produkt wird aus der puren Kakaobohne destilliert. Vor allem die White-Variante überzeugte im Geschmack. So übrigens auch schon die DLG, es gab natürlich Gold.

Weitere neue und „verrückte“ Produkte waren etwa die schokoladigen Wurstwaren vom fränkischen Experimental-Metztger Claus Böbel. Schoko-Leberwurst oder -Bratwurst? Kein Problem. Wir haben uns dann doch nicht getraut, vielleicht beim nächsten Mal…?!

Was auffiel und sehr empfehlenswert war: Die vielen italienischen Stände mit den weltberühmten Spezialitäten rund um Nougat und weitere Klassiker aus der Region Umbrien. Natürlich auch mit von der Partie: italienisches Mandelgebäck. Es gab so viel Süßes aus dem sonnigen Schokoladenland auf der chocolART, dass man in Punkto ausländische Anbieter schon von einem deutlichen Schwerpunkt auf Italien sprechen kann.

Und sonst? Weitere tolle Aussteller in Wuppertal

Im krassen Gegensatz zur Schokowurst stand die Wuppertaler Schokoladenmanufaktur Das Bernsteinzimmer. Die veganen Pralinen, die von Inhaberin Solvejg Klein und ihrem Team in liebevoller Handarbeit hergestellt werden, überzeugen durch die sorgsam ausgewählten Rohstoffe. Die spannenden Kombinationen der Zutaten werden mit viel Detailverspieltheit ausgetüftelt. Jeder, der Gewürze und feine Nuancen mag, ist hier gut beraten. Denn: Dass die feinen Pralinen und Tafeln vegan sind, ist eine Zusatzqualifikation des Bernsteinzimmers und kein Ausschlusskriterium. Ganz nebenbei: Alle verwendeten Zutaten sind natürlich von bester Bio-Qualität. Wer nun neugierig geworden ist, sollte bei unserem heutigen Gewinnspiel mitmachen – köstliche Bernsteinschätzchen warten auf euch!chocolart_ateliercacao

Sehr begeistert hat uns auch die Berliner Schoko-Manufaktur Atelier Cacao. Die große Produktpalette bedient die verschiedensten Geschmäcker – wie wäre es mal mit einer Lakritz-Schokolade? Gibt es in weiß, Vollmilch oder Bitter. Doch es soll auch nicht zu abstrus werden, denn „wir verkaufen nur das, was uns auch selber schmeckt“, so der nette Verkäufer am Stand. Weiterer Pluspunkt ist, dass alle Rohstoffe in Bio-Qualität daherkommen und auf Konservierungsstoffe usw. konsequent verzichtet wird. Unseren Kindern haben die Berliner Bärenlollys auf jeden Fall sehr gut geschmeckt. Insider-Tipp, wenn ihr mal im Sommer zufällig über das Atelier Cacao stolpern solltet: das hausgemachte Eis. Besonders gut soll die Erdnuss-Variante schmecken.

Und zum Schluss trafen wir noch alte Bekannte, die sogenannte Bruchbude aus Herford. Die Bruchbude ist der Werksverkauf der Schokoladenfabrik Weinrich, in der auch unsere VIVANI-Schokoladen gefertigt werden. Neben dem beliebten Schokoladenbruch (bei der Produktion versehentlich zerbrochene Tafeln) aus der Fabrik zum kleinen Preis gibt es hier auch das gesamte Produktportfolio der Weinrich-Fabrik nebst ausgewählten Geschenkartikeln, Pralinen und Gebäck zu kaufen. Der Bruchbuden-Stand auf der chocolART war vor allem auch wegen des Schokoladenbruchs ein beliebter Anlaufpunkt für die Besucher.
chocolart_baumkuchen

Fazit: Liebe chocolART, bitte komm wieder nach Wuppertal, es war so schön mit dir! Die Presse berichtet bereits sehr positiv über das Event. Die Wuppertaler Rundschau konstatierte 150.000 Besucher – das hätten die Veranstalter kaum zu hoffen gewagt. Für 2017 wurde bereits ein voraussichtlicher Termin vom 12. bis zum 15. Oktober ins Gespräch gebracht. Wir werden wieder hingehen.


+++ GEWINNT EINE SÜSSE ÜBERRASCHUNGSTÜTE VON „DAS BERNSTEINZIMMER“ +++

Natürlich haben wir euch etwas von der ChocolART mitgebracht. Mit den besten Grüßen der Wuppertaler Schokoladen- und Pralinenmanufaktur Das Bernsteinzimmer verlosen wir eine süße Überraschungstüte mit neun unterschiedlichen Bernsteinzimmer-Schokoladen im Gesamtwert von 53 Euro.
Um mitzumachen, füllt einfach das folgende Kontaktfeld aus (Betreff: ChocolART). Teilnahmeschluss ist der 23. Oktober 2016. Wir drücken die Daumen!

>> Das Gewinnspiel ist abgelaufen. Die Gewinnerin wurde per Email informiert. <<

chocolart_bernsteinzimmer2Teilnahmebedingungen:
Alle Teilnehmer erklären sich mit den Bedingungen des Gewinnspiels einverstanden:  Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 16 Jahren.  Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 23. Oktober 2016, 23.59 Uhr.  Die persönlichen Daten der Teilnehmer werden nur zum Zwecke der Gewinnermittlung gespeichert und danach gelöscht. Der/die Gewinner/in wird per Email am 24. Oktober 2016 über den Gewinn benachrichtigt, die Ermittlung erfolgt per Losverfahren. Mitarbeiter der EcoFinia GmbH sowie deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.  Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.  Der Gewinn ist nicht übertragbar, eine Barauszahlung ist nicht möglich.

Fotos © EcoFinia GmbH / VIVANI

Premiere: chocolART Wuppertal

Ein Off-Topic in einem Monat voller Kaffee und Schokolade muss dann doch sein… Denn: Vom 13. bis 16. Oktober 2016 wird in Wuppertal-Barmen schokoladiger Ausnahmezustand herrschen! Die vorweihnachtliche chocolART ist als eines der Top-Events der Schokoladen-Szene Deutschlands mittlerweile weithin bekannt – wir haben bereits drei Mal über sie berichtet. Jetzt verlässt das Schokoladenfestival unter dem Motto „on Tour“ ihre Heimatstadt Tübingen und findet auch in anderen Städten als Ableger des großen Leit-Events wuppertal-logo_statt. Nach dem Erfolg in Wernigerode geht dieses Jahr auch zum ersten Mal das nordrhein-westfälische Wuppertal als Schokomekka an den Start. Wir sind gespannt und werden uns selber vom süßen Bann der schokoladigen Sause überzeugen – und euch natürlich in Bälde berichten.

Internationale Chocolatierskunst in Wuppertal

Der Veranstaltungsort der Wuppertaler chocolART ist, wie bei der chocolART üblich, Open Air und zentral in der City gelegen. Der Eintritt zum sogenannten chocoMARKT ist frei und lockt daher neben eigens angereisten Besuchern auch die reguläre Laufkundschaft an. Was gibt es da zu sehen auf den zentralen Plätzen Johannes-Rau und Geschwister-Scholl sowie der verbindenden Einkaufsmeile Werth? Jede Menge, typisch chocolART eben! Das Event im Herbst ist mit rund 50 Ausstellern zwar etwa nur halb so groß wie seine Tübinger Mutter, aber für eine Erstlingsveranstaltung ist diese Zahl dennoch enorm. Wie in Tübingen kann man hier Spitzenchocolatiers aus aller Welt bei der Arbeit bestaunen und ihre exklusiven Kreationen jenseits des Mainstreams verkosten. Aber auch kleinen und regionalen Anbietern ist die chocolART Wuppertal ein Forum, wie z. B. der in Wuppertal ansässigen, veganen Pralinenmanufaktur Das Bernsteinzimmer.

Neben Tafeln, Pralinen und Co. finden sich darüber hinaus auch viele Schokoladenprodukte in erweitertem Sinne, wie etwa schokoladige Eierliköre, Schokoladen-Bier oder Schoko-Bratwurst. Und natürlich sind dem Bereich der Süßspeisen keine Grenzen gesetzt: schokolierte Früchte, Cupcakes, Donuts, Baumkuchen und vieles mehr. Auch landestypische Spezialitäten aus dem europäischen Ausland kann man hier probieren.

Schokoladiges Begleitprogramm

Neben den vielen Ausstellern gibt es rund um die Barmer City für die Chocoholiker-Seele noch einiges mehr zu entdecken. Diverse Kurse und Workshops, wie etwa zu den Themen Pralinen selber machen oder Kakaomalerei, werden angeboten und Degustationsveranstaltung locken mit spannenden Themen. Schokokultur pur finden sich hier ebenfalls: chocoTHEATER, chocoLESUNGEN, chocoKONZERT. Außerdem: eine schokoladige Stadtführung, ein chocoPFAD und die Schoko-Einkaufsnacht bis 22 Uhr am Samstag, den 15. Oktober 2016. Sehr exklusiver Programmpunkt: chocoKAISERWAGENFAHRTEN mit der berühmten Wuppertaler Schwebebahn. Bei den beiden Sonderfahrten am Freitag um 15 und 17 Uhr im historischen Wagen erzählen Stadtführer in zeitgenössischer Kostümierung über die Schokoladengeschichte Wuppertals. Dazu gibt’s Kaffee und natürlich Schokokuchen.

Wer nicht weiß, an welchem Tag er die chocolART Wuppertal besuchen soll, dem sei Freitag, der 14. Oktober empfohlen. Neben der tollen Kaiserwagenfahrt ist an diesem Tag nämlich der Tag der Schokolade des Vereins „Club der Confiserien“. Unter dem diesjährigen Motto „Schokolade verbindet“ gibt es viele Sonderangebote und -aktionen etlicher Aussteller auf dem chocoMARKT.

chocolART Wuppertal
13. – 16. Oktober 2016
Wuppertal – Barmen
Johannes-Rau-Platz, Geschwister-Scholl-Platz und Einkaufsstraße Werth

Öffnungszeiten chocoMarkt auf der chocolART Wuppertal:

DO und FR:  10 Uhr bis 20 Uhr
SA: 10 Uhr bis 22 Uhr
SO: 11 Uhr bis 18 Uhr

chocoMARKT – Eintritt frei!

Homepage zur Veranstaltung: www.chocolart.de/wuppertal

Bildnachweise:
Bild 1 : Bernsteinzimmer, © Celia Wagner | Bild 2: © Alexander Gonschior, agowebworks

Gegen den Wegwerfwahn – Schnippeldisko Oldenburg

Zukünftig möchten wir im VIVANI Blog öfters auch mal generelle ökologische Themen anreißen und euch Vorzeigeprojekte nachhaltigen Handelns vorstellen. Initiativen, wie die Oldenburger Schnippeldisko, die Ende Juni bereits zum zweiten Mal an den Start geht. Unter dem Motto „Krummes Gemüse, heiße Beats“ setzen die, von der Slow Food Youth Deutschland unterstützten Veranstalter ein Zeichen gegen die heutige Wegwerfkultur. Im Rhythmus tanzbarer Klänge wird all das geschnippelt, geschruppt und gekocht, was eigentlich in den Abfalltonnen deutscher Supermärkte landen würde. Ein kollektives Erlebnis ohne gehobenen Zeigefinger, das den Spaß am Lebensmittel feiert und das Bewusstsein für vermeidbare Verschwendung schärft. Wir haben eine der Initiatorinnen gesprochen…Schnippeldisko-88
Hannah, erzähl doch mal, wie seid ihr auf die Idee einer Schnippeldisko gekommen?

Hannah Jansen: Die Idee der Schnippeldisko hatte ursprünglich das Slow Food Youth Network, die Jugendbewegung von Slow Food. Sie ist als eine kulinarische Protestaktion zu verstehen, mit der auf die enorme Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht werden soll, die in unserer Gesellschaft leider an der Tagesordnung ist.
11 Millionen Tonnen Lebensmittel wandern pro Jahr in Deutschland in den Müll – diese unglaubliche Zahl ermittelte beispielsweise eine Studie der Universität Stuttgart 2012 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Angesichts dieser Dimensionen wollen wir ein Zeichen setzen, und zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Ganz im Gegenteil: Mit Spaß und Genuss wollen wir unter dem Motto „Krummes Gemüse, heiße Beats“ zeigen, dass krummes Gemüse keinesfalls in die Tonne gehört, sondern wunderbar gut schmeckt!

Die Schnippeldisko findet in diesem Jahr bereits zum 2. Mal statt. Was können die Besucher erwarten?

Dieses Jahr wird die Oldenburger Schnippeldisko noch ein wenig bunter und abwechslungsreicher. Neben der eigentlichen Schnippelei, an der natürlich alle herzlich eingeladen sind, teilzunehmen, wird es dieses Jahr ein buntes Rahmenprogramm geben, mit Aktionen, Spielen und Ausstellungen zum Thema Lebensmittelverschwendung und ‑wertschätzung. Diese wurden im Rahmen eines Praxisprojekts an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg entwickelt, an dem ca. 20 Studierende der Masterstudiengänge Landschaftsökologie und Sustainability, Economics and Management teilnehmen. Während das krumme Gemüse verarbeitet und anschließend verköstigt wird, sorgen ein DJ und zu späterer Stunde gleich zwei Bands für die „heißen Beats“.

Ihr engagiert euch mit diesem Event gegen die deutsche Wegwerfkultur und wollt die Menschen wachrütteln, weniger Lebensmittel wegzuschmeißen. Worüber kannst Du nur den Kopf schütteln, wenn Du Dir manchen deutschen Verbraucher anschaust?

Besonders traurig macht mich die Achtlosigkeit, mit der manch eine*r durch das Leben geht. Lebensmittel ernähren uns, sie führen uns Nährstoffe und Energie zu. Gerade deswegen ist es doch wichtig darüber nachzudenken, was man zu sich nimmt und einkauft. Mir missfällt die Billig-Kultur, die sich in Deutschland eingeschlichen hat. Hauptsache Sonderangebot, was genau da drin ist, scheint vielen egal. Viele sollten öfter mal hinterfragen, wie z.B. die Marken, die wir uns ins Haus holen, ihre Produkte herstellen. Und mal darüber nachdenken, was für eine Vielfalt in unserer Region angebaut und produziert wird. Auch, dass ein täglicher Fleischkonsum für viele nach wie vor zu der guten Küche gehört, finde ich traurig. Denn man kann sich wundervoll vegetarisch oder gar vegan ernähren – man braucht vielleicht (anfangs) nur etwas mehr Phantasie. So lernt man Lebensmittel kennen, die man vorher vielleicht noch nie in der Hand hatte und unzählige neue Möglichkeiten tun sich auf.

Wie ist Deine Meinung zum Thema „Mindesthaltbarkeit“?

Generell ist es nicht verkehrt dem Verbraucher anzuzeigen, wie lange ein Produkt genießbar ist. Man kann ja nicht alles wissen. Aber so, wie das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ heute von vielen verstanden wird, ist es einfach ein falsches Signal. Viele meinen ja, dass ein noch geschlossener Joghurt umgehend in die Tonne gehört, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum den gestrigen Tag anzeigt. Es braucht meiner Meinung nach eine neue Art der Kommunikation, damit jeder weiß, was es mit diesem Datum auf sich hat.Schnippeldisko-128-1

Generell scheint es aktuell einen Ruck unter Jugendlichen zu geben, sich gesünder zu ernähren. Auch diverse soziale und politische Themen spielen hier rein. Woher meinst Du kommt der neue Trend und wie wird sich das Ganze entwickeln?

Gesunde Ernährung wird tatsächlich immer mehr ein Thema. Gerade in Oldenburg ist zu spüren, dass sich viele Menschen damit auseinandersetzen und sich gesunde Lebensmittel wünschen. Es gibt Initiativen wie Food-Coops oder eine SoLaWi, die sich gerade gründet. Ich weiß nicht, ob ich dies als einen Trend beschreiben würde, eher als eine Bewegung. Die Menschen besinnen sich wieder auf das Wesentliche. In der schnelllebigen Zeit, in der wir leben, haben viele Lust, etwas so elementares wie die Ernährung zu genießen und bewusst zu erleben. Vielen wird klar, dass es doch eigentlich Quatsch ist, Äpfel in rauen Mengen aus z.B. Neuseeland nach Deutschland zu karren, obwohl diese Frucht doch heimisch bei uns ist. Und vielen werden endlich die ökologischen Grenzen unseres Planeten bewusst. Wenn wir unsere Gewohnheiten nicht schleunigst flächendeckend ändern, werden uns bald die Böden, die Frischwasserquellen und vielleicht auch die Luft ausgehen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Bewegung immer größere Kreise zieht!

Welchen Stellenwert haben Lebensmittel und Ernährung für Dich?

Ernährung hat einen großen Stellenwert für mich. Ich koche gerne, lerne gerne neue Gerichte und Zutaten kennen und probiere immer neue Dinge aus. Seit einigen Jahren ernähre ich mich weitgehend vegetarisch, oft auch vegan. Ich möchte wissen, wo mein Essen herkommt und was ich meinem Körper zuführe.
Auf der Terrasse in meiner WG pflanzen wir inzwischen unser eigenes Gemüse an. Wenn ich einkaufe, achte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten auf eine nachvollziehbare und vertretbare Herkunft der Produkte. Ich gehe z.B. gerne auf einen der vielen Märkte in Bremen, um Gemüse und Obst zu kaufen.

Welchen persönlichen Beitrag leistest Du in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit neben der Schnippeldisko?

Ich studiere gerade an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg im Master Sustainability Economics and Management. Dieser Studiengang ist im Kern wirtschaftswissenschaftlich ausgerichtet, aber versucht eben Ökologie und Soziales genauso mitzudenken und ist darauf angelegt, dass Absolventen nach ihrem Abschluss auch in ihrem Beruf nach diesem Dreiklang handeln. Während des Studiums habe ich mit einer Gruppe von Kommiliton*innen eine Workshop-Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit organisiert und veranstaltet (http://www.nachdenkstatt.de/).
Ich bin Mitglied beim BUND und unterstütze Sea Shepherd, die z.B. regelmäßige „Beach CleanUps“ organisieren, bei denen man Gebiete in seiner Umgebung durchstreift und den herumliegenden Müll aufsammelt. Im Alltag achte ich darauf, so wenig unnötige Dinge wie möglich zu konsumieren, indem ich beispielsweise ab und zu bei Kleidertauschpartys nach neuen Klamotten stöbere, statt mir ständig was Neues zu kaufen. Und das mit dem Fliegen versuche ich mir auch zu verkneifen.

Was denkst Du müsste sich in diesem Land dringend ändern?

Ich denke, dass die Menschheit im Ganzen wieder lernen oder wahrnehmen sollte, dass wir nicht über diesen Planeten herrschen, sondern Teil unserer Umwelt sind. Mir missfällt die Einstellung vieler, dass der Mensch über allem steht und alle anderen Geschöpfe oder auch Ressourcen nur zu unserem Diensten/Nutzen da sind. Das gilt auch für den Preis von Lebensmitteln. Viele Ernteabfälle entstehen nur dadurch, dass die Arbeitskraft meist schlicht zu teuer ist, um die gesamte Ernte einzuholen. Die heutigen Dumping-Preise der Endprodukte tragen dazu ihr Übriges bei.

Wenn alle nur etwas mehr Bewusstsein dafür entwickelten und achtsamer mit sich und ihrer Umwelt umgingen, dann liefe schon einiges besser.


Schnippeldisko Oldenburg

Datum: Samstag, 25.06.2015
Uhrzeit: 14:00h
Ort: Kulturetage, Bahnhofstraße 11, 26123 Oldenburg
Facebooklink: facebook.com/SchnippeldiskoOL
Schnippeldisko_Oldenburg

Bilder: © michel bundel