Kategorie-Archiv: Ökologisches & Soziales

Green Heroes: Yakari – Naturschutz durch Kinderaugen

„Green Heroes“ – das ist der Titel einer neuen Serie hier im VIVANI Schoko-Blog, die heute ihren Auftakt nimmt. Wir stellen euch reale oder fiktive Persönlichkeiten vor, die ihre Bekanntheit in den Medien dazu nutzen, nachhaltige Ideen bekannt zu machen. Umwelt-, Natur- und Tierschutz ist diesen Figuren und prominenten Persönlichkeiten ein großes Anliegen, das nicht nur am Rande der Gesellschaft ein Thema sein darf, sondern über die eigene Popularität in die große Mitte geholt werden soll. Als ersten „Grünen Helden“ stellen wir euch nun Yakari aus der gleichnamigen Zeichentrickserie vor, der als kleiner Indianer eine besondere Verbindung zur Natur hat. Aufgepasst: Pünktlich zur Veröffentlichung von YAKARI Folge 28 als DVD und Hörspiel-CD mit neuen Episoden aus der aktuellen vierten Staffel gibt es bei uns exklusive Gewinnpakete zu gewinnen!

Vom Comichelden zur Zeichentrickfigur

Wie bei vielen Zeichentrickserien geht auch das Vorbild für die Abenteuer des Sioux-Jungen Yakari auf eine Comicserie zurück. Zwischen 1973 und heute kamen 39 Ausgaben heraus, weshalb man bei dem Werk der Franzosen André Jobin (Autor) und Claude de Ribaupierre (Zeichner) ohne Frage von einem Klassiker sprechen kann. Der bei Kindern beliebte, aber auch von erwachsenen Fans gelesene Comic wurde bereits in den Jahren 1983 bis 1984 für das französische TV produziert. Die Zeichentrickserie umfasste 52 Folgen mit einer Laufzeit von jeweils rund fünf Minuten. 2005 wurde dann eine weitere Fernsehserie aufgelegt, zu der bis heute neue Folgen produziert werden. Die französisch-belgische Produktion hat 130 Folgen, verteilt auf vier Staffeln. Jede Folge hat eine Spielzeit von etwa 13 Minuten.

Yakari entdeckt die Natur mit Kinderaugen

Wenn man bedenkt, dass Yakari ein Indianerjunge ist, dann ist es schon sehr naheliegend, dass er sich viel in der Natur bewegt und gut mit Tieren auskennt. Doch die beliebte Figur hat noch eine weitere Eigenschaft, von der Kinder schon seit jeher träumen: Sie kann mit Tieren sprechen. Diese Eigenschaft erhielt der kleine Sioux-Indianer von seinem Totemtier und Beschützer Großer Adler, einem weisen Weißkopfseeadler, der Yakari stets mit gutem Rat zur Seite steht. Ausgestattet mit dieser geheimen Gabe kann Yakari fortan nicht nur mit seinem besten tierischen Freund und treuem Begleiter, dem Pony Kleiner Donner, sprechen. Er ist in der Lage, auch anderen Tieren zu helfen und sie zu unterstützen, wenn sie in Not sind oder Konflikte untereinander haben. Immer neugierig, entdeckt er mit Kleiner Donner und seinen Freunden Kleiner Dachs, einem tollpatschigen Indianerjungen, und Regenbogen, einem mutigen Indianermädchen, die Welt im Umkreis des Indianerdorfes. Gefährliche Tiere, Heilkräuter, Naturgewalten aber auch „böse“ Menschen in Form von Trophäensammlern begegnen dem kleinen Indianer, der dadurch spannende Abenteuer überstehen muss, aber auch immer viel lernt.

Besonders kleine Kinder zwischen 3 und 5 Jahren identifizieren sich sehr stark mit ihrem Indianerhelden, der ihre natürliche, kindliche Entdeckerlust anspricht und ihnen einen sorgsamen Umgang mit der Natur und ihren Geschöpfen vermittelt. Aber auch bei älteren Kindern ist Yakari noch ein beliebter TV-Held. Die Popularität der Geschichten reicht soweit, dass neben der Veröffentlichung auf DVD und als Hörspiel viele weitere Spielartikel, wie z. B. Figuren, erhältlich sind und sogar ein Kindermusical entwickelt wurde. Nachdem die letzten Folgen der vierten Staffel der TV-Serie Anfang 2017 bei KiKA ausgestrahlt worden sind, erscheint nun am 12. Mai 2017 Folge 28 der Indianer-Reihe, die neue Episoden aus Staffel Vier beinhaltet. Im folgenden Gewinnspiel könnt ihr eine DVD und das Original-Hörspiel zur neuesten YAKARI-Folge gewinnen.


>>> YAKARI DVDs und Hörspiele zu gewinnen <<<

Nach dem sensationellen Erfolg der neuen Staffel im TV, gehen die aufregenden Episoden von YAKARI nun auch auf DVD und Hörspiel-CD weiter! Ab dem 12. Mai 2017 sind die neuesten Abenteuer des kleinen Indianerjungens YAKARI als DVD und Original-Hörspiel zur TV-Serie überall im Handel erhältlich.

Jetzt mitmachen und Folge 28 des Serien-Hits YAKARI für Zuhause sichern! Wir verlosen 3 indianerstarke Pakete, jeweils bestehend aus 1 x DVD und 1 x Hörspiel zu Folge 28 „Yakari und Großer Grauer“. Um mitzumachen, füllt einfach bis zum 21. Mai 2017 das folgende Kontaktfeld aus (Stichwort YAKARI).

>> Das Gewinnspiel ist beendet. Die GewinnerInnen wurden per Email über ihren Gewinn informiert. <<

Inhalt Folge 28: Yakari und Großer Grauer
Das Fest der Sommersonnenwende steht bevor. Bei den Feierlichkeiten wird ein Pferderennen ausgetragen, an dem auch Regenbogen teilnehmen will. Doch ihre Angst vor allzu hohen Hindernissen, die es zu überspringen gilt, überträgt sich auf ihr Pferd Großer Grauer, das bei einem Probelauf zu scheuen beginnt. Am nächsten Morgen ist Großer Grauer verschwunden. Kleiner Donner glaubt, dass er zu seinem Vater Silberpfeil unterwegs ist, um herauszufinden, wie er neuen Mut erlangen kann. Als ein schweres Gewitter naht, folgen Regenbogen und Yakari dem Pferd.

Teilnahmebedingungen:
Alle Teilnehmer erklären sich mit den Bedingungen des Gewinnspiels einverstanden:  Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 16 Jahren. ♦ Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 21. Mai 2017, 23.59 Uhr. ♦ Die persönlichen Daten der Teilnehmer werden nur zum Zwecke der Gewinnermittlung gespeichert und danach gelöscht. ♦ Die Gewinner werden per Email am 22. Mai 2017 über den Gewinn benachrichtigt, die Ermittlung erfolgt per Losverfahren. ♦ Mitarbeiter der EcoFinia GmbH sowie deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. ♦ Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. ♦ Der Gewinn ist nicht übertragbar, eine Barauszahlung ist nicht möglich.

© Derib + Job – Le Lombard (Dargaud-Lombard S.A.).
© 2016 – Ellipsanime Productions/Belvision/ARD & WDR/Les Cartooneurs Associés/2 Minutes.

Grüne Hauptstadt Europas 2017: Essen im Ruhrgebiet

Der eine oder andere hat es vielleicht schon mitbekommen. Wenn er, wie ich, in der Metropolregion Ruhr lebt, jedoch mit Sicherheit: Die Stadt Essen ist für das Jahr 2017 offiziell zur Grünen Hauptstadt Europas erklärt worden! Da wir uns in Zukunft im VIVANI Schoko-Blog neben den Themen Genuss und Schokolade vermehrt auch mit nachhaltigen Themen beschäftigen möchten, werfen wir heute einen Blick auf die European Green Capital Essen. Was verbirgt sich hinter diesem Ehrentitel und warum hat ihn ausgerechnet Essen erhalten, eine Stadt inmitten des ehemals schwerindustriellen Kohlenpotts?

Grüne Hauptstadt Europas – was ist das?

Vorbildliche Städte, die ihr wirtschaftliches Wachstum bewusst mit nachhaltigen Konzepten und grünen Ideen verbinden – so in etwa sah die Vision von Jüri Ratas, dem ehemaligen Bürgermeister der estländischen Hauptstadt Tallin, aus. Auch 15 andere europäische Städte hatten Visionen von einem grüneren Europa. Heraus kam 2006 eine Initiative für grünere, nachhaltigere Städte in Europa, mit mehr Lebensqualität und besseren Vorraussetzungen für die Gesundheit ihrer Einwohner. Bis heute traten mehr als 40 Städte der Initiative bei und die Idee der Vergabe eines Ehrentitels für besonders vorbildliche Städte war geboren. Dazu müssen die Städte mit einer Mindesteinwohnerzahl von 100.000 Bürgern viele Kriterien erfüllen und nachhaltige Konzepte vorweisen, z. B. für Natur- und Artenschutz, Luft- und Wasserqualität, Verkehr, den Umgang mit Müll und dem Kampf gegen den Klimawandel. Wichtig für die Titelvergabe ist darüber hinaus, dass die Städte auf der einen Seite bereits viel für den Umweltschutz tun und sich auf der anderen Seite aber auch weitere, ehrgeizige Ziele für kontinuierliche Verbesserungen in der Zukunft gesteckt haben.

Im Jahr 2010 war es dann soweit und die erste Titelvergabe durch die Jury aus Vertretern der EU-Kommission, des EU-Parlamentes, der Europäischen Umweltagentur und führenden Umweltverbänden ging an sie Stadt Stockholm. Mit Hamburg folgte 2011 die neben Essen bis dato einzige deutsche Stadt unter den bisherigen 8 europäischen Preisträgerinnen. Für das kommende Jahr 2018 ist der Titel bereits an das niederländische Nijmegen vergeben.

Nach dem Pulsschlag aus Stahl kommt das grüne Herz

Herbert Grönemeyer besang in den 1980er Jahren Essens Nachbarstadt Bochum im gleichnamigen Kulthit mit dem sprichwörtlichen Pulsschlag aus Stahl. Da die Ruhrgebietsstädte eine Metropolregion sind und hier alles so eng miteinander verwoben ist, wie in kaum einer anderen Ecke Deutschlands, lässt sich das Industrie-Image auf die ganze Region übertragen. Ruhrgebiet gleich Kohlenpott. Ruhrgebiet gleich schwarz-grau statt grün. Ruhrgebiet gleich Industrie und Smog in der Luft. Geht man einige Jahrzehnte zurück, treffen dieses Klischees tatsächlich zu. Aber in den letzten Jahren, seit dem Aus der Zechen und dem Niedergang der Stahlindustrie, weht ein frischer Wind durchs Revier, der Strukturwandel heißt und den Kohlenstaub von den frischen Blättchen der neu erblühenden Region pustet. Dass dies nicht immer so einfach ist, zeigen Krisen und Arbeitsplatzverluste, wie zuletzt am Beispiel des Bochumer Opel-Werks. Es gibt Revier-Städte, die bewältigen die Veränderungen leichter, andere, vor allem die des nördlichen Ruhrgebietes, leiden noch immer an den immensen Folgen des Paradigmenwechsels. Doch die bisweilen schmerzliche Umorientierung einer ganzen Metropolregion schreitet unaufhaltsam voran und zeigt erste wunderbare, zukunftsweisende Perspektiven. Ein gutes Beispiel ist Essen, das mit seiner Hinwendung zur nachhaltigen und grünen Stadtentwicklung eine Vorbildrolle für die ganze Region auf sich nimmt.

Essen als Grüne Hauptstadt Europas 2017

Diese Vorbildfunktion für eine ganze Region war einer der Ausschlaggeber, warum sich die Jury für Essen entschied. Die Stadt beeindruckte das Komitee mit seiner ganzheitlichen Bewerbung, die beschreibt, wie Essen in Zukunft zu einer dauerhaft lebenswerten Kommune für seine Bürger werden soll. Mit der Titelvergabe 2017 wurde zum ersten Mal überhaupt eine Stadt der ehemaligen Montanindustrie als European Green Capital ausgezeichnet.

Essen hatte sich viel vorgenommen, um den Titel zu erlangen und nimmt sich ebenso viel für die Zukunft vor, um die Stadt beständig grüner und nachhaltiger zu gestalten. Zwölf Themenfelder gilt es von Seiten der EU abzudecken. Daneben hat Essen seine wichtigsten Anliegen in fünf eigene Komplexe gebündelt: Wege (nachhaltige Mobilität), Flüsse (Emscher und Ruhr), Grün (Parkanlagen und Grünflächen), Einkauf (nachhaltiger Konsum) und Zukunft (nachhaltige Jobs und grüne Bildung). Viele Bedingungen in der Stadt sind schon jetzt ausgezeichnet grün. Beispielsweise liegt Essen mit seinen 53 % Grün- und Freiflächen (auf das gesamte Stadtgebiet verteilt) auf Platz drei der grünsten Städte Deutschlands. Essen bietet 718 Grünanlagen, 436 Spielplätze, 376 km Radwege und 1750 ha Wald. Für die Zukunft verpflichtet sich die Stadt zu vielen, noch höher gesteckten Qualitätsmerkmalen. Einige Beispiele: Bis 2020 soll jeder Bürger nur noch maximal 500 Meter bis zum nächsten Grün zurücklegen müssen, bis 2025 sollen insgesamt 20.000 Menschen in Umweltjobs arbeiten und bis 2035 soll 25 % des Verkehrs aus Radfahrern bestehen.

Das Jahr der Umwelthauptstadt Europas wird in Essen mit einem großen Begleitprogramm aus Aktionen und Projekten gestaltet. Ob Ausstellungen, Workshops, Mitmachaktionen, Vorträge, Feste und vieles mehr – es lohnt sich, auch als Nicht-Essener, immer mal wieder in den Veranstaltungskalender auf essengreen.capital zu schauen.

Fotocredits: Stadtgarten & Krupp Park © Johannes Kassenberg | Fahrrad © Jochen Tack

Schokoauszeit Fastenzeit – warum überhaupt und wie?

Vor gut einer Woche wurde mit dem Aschermittwoch nicht nur die Karnevals-Session beendet, sondern auch für viele katholische Christen die Fastenzeit eingeläutet. Doch was hat es eigentlich mit dem Thema Fasten auf sich? Warum verzichten Menschen freiwillig auf Nahrungsmittel, ohne dass es sich um eine Diät handelt? Die Tradition des Fastens ist Jahrtausende alt und verfolgt verschiedene Ziele zwischen Erleuchtung und Entschlackung. Auch wenn es im ersten Moment sehr widersprüchlich und für uns als Schokoladenhersteller geschäftsschädigend erscheint, befasst sich unser Schoko-Blog heute mit dem Brauch und den Vorteilen des temporären Weglassens – auch von Süßigkeiten.

Fasten – verschiedene Traditionen vereint im Nahrungsmittelverzicht

Eine Definition des Begriffes Fasten ist nicht schwer. Es handelt sich um einen zeitlich begrenzten Verzicht auf bestimmte Speisen, Getränke und Genussmittel. Doch das ist auch die einzige Gemeinsamkeit, die die etlichen verschiedenen Fastenmodellen vereint, denn Fasten ist individuell. Fasten findet aus den unterschiedlichsten Beweggründen statt, alleine oder in verschiedenen Gemeinschaften, wie etwa religiösen Gruppen. Selbst innerhalb der gleichen Religion kann es unterschiedliche Auslegungen und Traditionen geben. Wann, wie lange auf wie viel und was genau verzichtet wird, ist sehr verschieden.

Fastentraditionen waren bereits viele Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung bekannt, etwa im alten Ägypten. Forscher vermuten, dass die christlich-österliche Fastenzeit von 40 Tagen nicht nur auf die Bibelgeschichte von Jesus in der Wüste zurückgehen könnte, sondern auf die ägyptische Fastenkultur, die von den koptischen Nachfahren bewahrt wurde. Auch in anderen antiken Kulturen war Fasten nicht unbekannt. So gab der berühmte griechische Arzt Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370 v. Chr.) wie selbstverständlich Fastenratschläge als Gesundheitstipp. Im europäischen Mittelalter war die Tradition des Fastens aufgrund des starken christlichen Glaubens gelebter Alltag. Neben der noch heute praktizierten Fastenzeit in Vorbereitung auf das Osterfest gab es etliche weitere Feste und Zeiten, zu denen auf unterschiedliche Weise gefastet und verzichtet werden sollte. So durfte nach dem christlichen Kalender noch im 19. Jahrhundert beispielsweise nur an 220 Tagen des Jahres überhaupt Fleisch verzehrt werden.

Gefastet wurde und wird in vielen Religionen. Christentum, Islam, Judentum oder Ostasiatische Religionen wie der Hinduismus – alle kennen eigene Fastengründe, -vorschriften und -auslegungen. Religiöse Gründe können sein: Seelenreinigung, Buße, Trauer, Askese, Abwehr von Bösem, Erlangung von Erlösung und Erleuchtung sowie die Vorbereitung auf besondere religiöse Ereignisse wie z. B. Feste. Daneben kann Fasten auch persönlichen Zielen wie der Steigerung von Wahrnehmung, Willenskraft und Selbstkontrolle dienen oder als Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen hilfreich sein. Gewichtsreduktion und andere gesundheitliche Ziele bilden den dritten Fastenschwerpunkt, dazu später mehr.

Fasten aktuell – warum heute überhaupt noch verzichten?

Fasten erlebt auch in Deutschland in dieser Zeit wieder einen Aufschwung. Fasten Menschen, egal welcher Religion, seit jeher regelmäßig aus Glaubensgründen, interessieren sich aktuell zunehmend auch nicht-religiöse Menschen in unserem Land für das Thema. Gesundheitliche Fastenprogramme wie das Heilfasten gehören bei immer mehr Menschen zum Programm eines trend- und gesundheitsbewussten Lifestyles. Das belegen auch die Zahlen. Nach einer Umfrage von statista.com im Februar zum Thema Fastenzeit vor Ostern gaben 73 % der Befragten an, sie könnten sich vorstellen zu fasten. 60 % hatten sogar den konkreten Vorsatz, das Fasten umzusetzen. Worauf der einzelne Bundesbürger verzichten wollte, stellte sich unterschiedlich dar. Die Spitze mit 68 % bildete der Verzicht auf Alkohol, gefolgt von Süßigkeiten (59 %) und Fleisch (39%). Auf TV und Rauchen wollten jeweils 34 % verzichten, auf Handy und Computer 23 % und auf das Auto immerhin noch 18 %.
In der Umfrage zeigen sich neben dem traditionellen Nahrungsmittelverzicht plötzlich neue Dinge, auf die man zu verzichten versucht. Dinge des normalen, westlichen Alltags, die so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden sind, dass man sich gar nicht im Klaren darüber ist, dass es sich um verzichtbare Luxusgüter handelt. Neben Autos und Elektronikgeräten, die in der statista.com-Erhebung erfasst wurden, sind viele weitere Fastenideen möglich, die den kritischen Blick auf unseren täglichen Konsum schärfen und die Verschwendung von Ressourcen verdeutlichen. Ein tolles Beispiel: Die Initiative Plastikfasten von Anneliese Bunk. Die Gründerin von naturtasche.de und Co-Autorin des Bestsellers „Besser leben ohne Plastik“, das wir euch bereits im Blog vorgestellt haben, hat auf ihrer Internetseite plastikfasten.info umfangreiche Themenwochen für die gesamte Fastenzeit zusammengestellt. Hier gibt es viele, viele Tipps zum Einsparen des Umweltsünders. Wer mag, kann auch einen Vortrag zum Thema besuchen. Eine tolle, nachhaltige Idee!

Doch warum machen wir das alles eigentlich? Warum sich etwas absparen, wenn doch alles in Hülle und Fülle günstig zur Verfügung steht? Eine sprunghafte Christianisierung unseres Landes ist vermutlich nicht der Grund auf die trendigen Verzichtsvorhaben, vielmehr sind die Gründe anderweitig zu sehen. Die christliche Fastenzeit vor Ostern bietet einen guten Aufhänger und ermöglicht das Verzichten in einer Gemeinschaft von Fastenden. Darüber hinaus ist der Frühling aus gesundheitlichen Gründen eine sinnvolle und bewährte Fastenzeit, da der Körper mit dem Erwachen der Natur und dem neuen Frischkostangebot von den im Winter angesammelten Schadstoffen aus üppigen Schlemmereien befreit wird. Aber die Gesundheit ist nur ein Grund, der in unserer heutigen Gesellschaft wieder Menschen vermehrt zum Fasten bringt. Fasten ist Entschleunigung in einer schnelllebigen, stressigen Welt. Es kann den Körper auf vielfältige Weise entgiften und reinigen und dabei helfen, wieder mehr Achtsamkeit für sich selbst zu entwickeln.

Die Gesundheit im Visier: Heilfasten

Seit Langem ist bekannt, dass Fasten neben religiös-spirituellen Gründen auch der Gesundheit dienlich sein kann. Die Anhänger des gesundheitsorientierten Fastens erhoffen sich eine Reinigung und sogenannte Entschlackung des ganzen Körpers, der von Giften befreit wird. Das soll die Immunabwehr stärken und kann Krankheiten lindern und angeblich sogar vorbeugen. Beispiele sind Bluthochdruck und Diabetes. Doch welches der etlichen Wellness-Fastenmodelle kommt für mich in Frage? Vielleicht nur Suppe oder Milch mit Semmeln? Oder gar eine Woche Saftfasten? Die bei weitem bekannteste und beliebteste Fastenmethode ist hierzulande das Heilfasten nach der Methode des Arztes Otto Buchinger (1878 bis 1966). Die Kur dauert etwa eine Woche, kann in speziellen Kliniken jedoch unter Beobachtung bis zu einem Monat fortgesetzt werden. Es gibt nur Flüssiges wie Gemüsebrühen, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte sowie Tees, die eine Versorgung mit lebensnotwendigen Vitaminen und Mineralstoffen gewährleisten sollen. Feste Nahrung sowie jegliche Genussmittel sind tabu. Ein weiterer, wichtiger Baustein des Heilfastens ist darüber hinaus die Darmreinigung. Abführen mit Glaubersalz soll den Darm von schädlichen Stoffen befreien und regenerieren.

Egal für welches Fastenmodell man sich entscheidet, gilt es einige wichtige Dinge zu beachten. Die Versorgung des Körpers mit essentiellen Nährstoffen ist wichtig, eine ausschließliche Wasser-Kur kann gesundheitsschädigende Effekte provozieren. Menschen, die erstmalig fasten, sollten es langsam angehen lassen. Eine ärztliche Beratung und Begleitung ist sinnvoll. Notwendig ist diese, wenn der Fastende bereits an Vorerkrankungen leidet. In manchen Fällen darf eine Fastenkur dann gar nicht oder nur unter bestimmten Auflagen und medizinischen Kontrollen durchgeführt werden. Wenn man aus Gründen der Gewichtsreduktion fastet, sollte man über eine generelle Ernährungsumstellung nach der Kur mit begleitendem Bewegungsprogramm nachdenken. Sonst kann schnell der gefürchtete Jo-Jo-Effekt eintreten.

Quelle: statista.com
Bildnachweise: Bild 1 © istock, Petermeir | Bild 2 © istock, Dominic_Dahncke

Modica – die älteste Schokoladenstadt Europas

Wer nicht schon einmal in Sizilien Urlaub gemacht hat, dem ist sie vielleicht völlig unbekannt. Was ist das, diese Cioccolato Modicano, die Schokolade aus Modica? Man könnte sagen: Eine Urform der heutigen Schokolade, kaum verarbeitet und ursprünglich im Geschmack. Modica ist das weltbekannte Zentrum der krümeligen Spezialität, weshalb sich hier unzählige Chocolaterien finden, die das Produkt nicht-industriell herstellen. Wir haben mit Alberto Vicari, Gründer der Bio-Schokoladenmanufaktur Il Modicano und bekennender VIVANI-Fan, gesprochen, der uns spannende Einblicke in die Schokoladenszene Süditaliens und seine eigene, ganzheitliche Firmenphilosophie gewährte.

Modica – Schokoladen-El-Dorado im Südzipfel Italiens

Modica in der sizilianischen Provinz Ragusa liegt im südöstlichsten Zipfel Italiens und ist eine Stadt mit Geschichte. Neben immer wieder wechselnden Besatzungsmächten kam auch irgendwann die Schokolade, wahrscheinlich aus Spanien, hierher. Das Rezept ist bis heute unverändert und begeistert durch seinen ursprünglichen, aromatischen Kakaogeschmack. Während die Schokolade blieb, ging die Stadt zwischendurch, nämlich anno 1693, als ein verheerendes Erdbeben die gesamte Provinz in Schutt und Asche legte. Der Wiederaufbau wurde rasch bewältigt und eine beeindruckende, wunderschöne Stadt im Stil des sizilianischen Barock entstand. In dieser malerischen Kulisse, die zum UNESCO-Welterbe zählt und heute etwa 55.000 Menschen beheimatet, herrschte mit den vielen Schokoladenmanufakturen eine ganz besondere Stimmung, was die Stadt bis heute zum Touristenmagnet macht.

Nun lassen wir aber Alberto Vicari von der Schokoladenmanufaktur Il Modicano selber zu Wort kommen und spüren dem Geheimnis der fast schwarzen Leckerei nach. Dabei wird uns Alberto auch über die Besonderheiten seiner Marke berichten, die konsequent ökologisch erzeugt und vegan ist. Ein spannender Trip in den heißen Süden Italiens.

Alberto, Du stammst aus einem der wichtigsten Schokoladen-Hotspots Europas. Dennoch wissen heutzutage nur wenige Menschen davon. Denkst Du Modica wird als Schokoladenstandort unterschätzt? Was sollte Deiner Meinung nach passieren, damit sich dies ändert?
Die traditionelle Produktion und Verarbeitung von Schokolade in Modica nahm ihren Anfang bereits im 16. Jahrhundert, aber unsere spezielle Art der Produktion ist in Italien erst in den letzten 20 Jahren so richtig populär geworden, nach einem vielbeachteten Auftritt des berühmtesten Chocolatier von Modica – Franco Ruta (Antica Dolceria Bonajuto) in einer Talkshow im italienischen Fernsehen im Jahre 1999. Wir wünschen uns aber, dass Schokolade im Modica-Stil auch über Italien hinaus bekannter wird. Es gibt mittlerweile einige neue Hersteller, die Bio-, vegane und/oder faire Schokoladen auf den Markt gebracht und Modica damit in zahlreichen Ländern bekannt gemacht haben. Dies sollte uns und unserer Schokolade den erhofften Aufschwung bringen.

Du hast früher als erfolgreicher Manager gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Du Dich neu orientiert und eine Schokoladenfabrik aufgebaut hast?
Meine Vision war es damals, vegane Schokolade zu produzieren. Ich lebe selbst seit über zwanzig Jahren vegan (seit über dreißig vegetarisch), sehnte mich damals nach einer ethischer ausgerichteten Art zu produzieren und zu kaufen. Wie uns allen, sind auch mir täglich viele Negativbeispiele im Handel und im Verhalten der Verbraucher begegnet.
Ich wollte damals eine gute, leckere Schokolade essen können, die ohne Tierleid hergestellt wurde und die es mit den großen milchbasierten Schokoladenmarken aufnehmen könnte. Oder habe an Modegeschäfte gedacht, die nur noch Kleidung aus ethisch korrekten Quellen anbieten würden. Ich habe mir immer eine Welt vorgestellt, in der solche fairen Unternehmen und Händler dem Verbraucher viel bekannter und viel leichter zugänglich sind. Ich habe mich oft gefragt, wo der Verbraucher dann kaufen würde, wenn er oder sie eine klare Wahl hätte. Ich habe viel nachgedacht, wenn immer ich auf Produkte gestoßen bin, für die es keine vegane Alternativen gab und mir Gedanken gemacht, wie man dieses Problem selbst lösen könnte.
Also habe ich mich schließlich dazu entschieden, ein sozialverträgliches Unternehmen zu gründen. Da ich zeitlebens in Modica gewohnt habe, konnte es sich dabei nur um ein Projekt mit Schokolade handeln!

Warum hast Du Dich dazu entschieden, ausschließlich vegane Schokolade zu produzieren?
Ich habe mir gesagt, wenn ein Leben möglich ist, in dem ich leckeres Essen und Trinken genießen kann, das mich gesünder macht, das einen kleineren CO2-Fußabdruck hinterlässt und dass ohne den Tod anderer Lebewesen auskommt – ja warum leben wir es dann nicht?!
Denn ich sehe das so: Der Konsum von Fleisch oder Milch ist heutzutage zu einer Sucht geworden und das obwohl beides nicht lebensnotwendig ist. Es gibt meiner Meinung nach kein Milchprodukt, für dass es keine gesündere und wohlschmeckende vegane Alternative gäbe.

Lass uns gerne mal über euer Produktsortiment sprechen: Welche Sorten bietet ihr an und was sind eure Bestseller?
Wir bieten fünf verschiedene Produktgruppen an:

  1. grob gewalzte Schokolade im Stile traditioneller Modica-Schokolade
  2. hochprozentige Bitterschokoladen mit Kokosblütenzucker gesüßt
  3. Schokoladen auf Sojadrink-Basis als Alternative zu Milchschokoladen mit natürlichen Süßungsmitteln (Agaven- oder Kokosblütensirup)
  4. Streichcrémes auf Sojadrink-Basis in den Sorten Haselnuss, Pistazie und Mandel
  5. Heiße Trinkschokolade

Unsere Topseller sind sicherlich die süßen Streichcrémes, die ebenso cremig und lecker sind, wie herkömmliche Crémes auf Kuhmilchbasis. Alle unsere Produkte sind vegan, laktosefrei, glutenfrei, non-GMO und zu 100% in Bioqualität.

Was für eine Relevanz haben vegane Produkte in Italien denn im Allgemeinen? Gibt es eine größere vegane Szene?
Derzeit leben etwa 2,6 % der italienischen Bevölkerung vegan (etwa 1,6 Mio Menschen) und in 2016 nahm die Menge der verkauften veganen Produkte um 20-30% zu – ein neuer Wachstumsrekord. Dies hat aber auch mit einem bedeutenden Wachstum für laktosefreie Produkte zu tun.

Modica kommt eine besondere Bedeutung in der geschichtlichen Entwicklung von Schokolade in Europa zu. Gibt es immer noch viel „Schokoladen-Tourismus“ in eurer Region?
Modica hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Ziel für Touristen entwickelt. Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: zum Einen wurde Modica wegen seiner barocken Kirchen zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und zum Anderen ist es tatsächlich der gute Ruf der Modica-Schokolade – jeder, der nach Modica kommt, geht nicht wieder heim ohne eine große Tasche voll mit Schokolade!

Wie wichtig ist Sizilien heute für den italienischen Schokoladenmarkt?
Modica ist einer von drei Hotspots für Schokolade in Italien: Turin für den Norden Italiens, Perugia für Mittelitalien und eben Modica für den Süden. Wenn du jemandem erzählst, dass du aus Modica kommst, hörst du immer die gleiche Antwort: „Modica … wo die berühmte Schokolade herkommt!“

Bitte erläutere unseren Lesern noch einmal, was den besonderen Modica-Stil ausmacht. Worin liegt der Unterschied zu herkömmlichen Schokoladen?
Technisch betrachtet handelt es sich bei Modica-Schokolade um Tafeln mit grob gewalzter Schokoladenmasse. In den Anfängen wurde sie lediglich durch einen kleinen Mahlstein gewalzt, den man „metate“ (lateinamerikanisch: kleiner Mahlstein“) nannte.
Im Grunde handelt es sich um Schokolade aus einem antiken Originalrezept mit nur wenigen Verarbeitungsschritten. Seit dem 16. Jahrhundert haben viele Generationen dieselben Verarbeitungstechniken angewandt: die Mischung von kalter Kakaomasse mit Zucker. Diese „kalte Mischung“ verleiht der Schokolade die typisch körnige Textur und bewahrt außerdem ungewöhnliche Aromen, die ebenfalls charakteristisch sind.

Mit Blick auf Il Modicano: Was ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?
Vegane Schokolade zu produzieren ist für mich weniger ein „Business“, sondern bedeutet vielmehr eine tolle Möglichkeit, für den veganen Lebensstil zu werben und die Menschen für Tierrechte zu sensibilisieren.
Mein größter Wunsch ist deshalb eng mit der veganen Idee verknüpft: hier in Süditalien sind streunende Tiere ein großes Problem. Die lokalen Regierungen kümmern sich nicht wirklich darum, deshalb würde ich meine Fabrik gerne auf ein größeres Gelände auf dem Land verlagern. Dort würde eine vegane Farm entstehen, wo wir neben der Produktion von Schokolade vielen „obdachlosen“ Tieren ein sicheres Zuhause geben könnten.

Fotos: Modica Stadt, © iStock, elisalocci | Schokoladenambiente © Il Modicano

Das Reformhaus – Geschichte und Perspektiven

Reformwarenhaus, Biosupermarkt, Naturkostladen – alles das Gleiche? Das stimmt so nicht. Doch was unterscheidet eigentlich ein Reformhaus von anderen Läden mit ökologisch erzeugten Waren jenseits des Massenkonsums? Der VIVANI Schoko-Blog wirft heute einen Blick auf den Vorreiter und das Urgestein der Biobewegung und blickt auf aktuelle Tendenzen und Perspektiven für die gesundheitsorientierten Einzelhandelsgeschäfte.Reformhaus_1200x800

Berlin 1887 – Startschuss der Reformhausbewegung

Das Reformhaus, wie man es klischeehaft mit jeder Menge Körner, Getreidemühlen und Haarfärbungen auf Henna-Basis in kleinen Ladenlokalen verbindet, gehört heute zumeist tatsächlich dem verstaubten Schnee von gestern an. Doch eines ist nicht wegzudiskutieren, wichtig und wegweisend für die heute voll im Trend liegende, neue Öko-Bewegung: Das Reformhaus ist alt, ja ein Urgestein, ein Dinosaurier.
Was aber heute veraltet wirkt, war im späten 19. Jahrhundert radikal modern. Aus der immer erdrückender wirkenden Enge der Stadt mit ihren rauchenden Schloten und der schweren Industriearbeit im Takt der Uhr entstand ein zunehmendes Sehnen der Menschen nach mehr Menschlichkeit, nach mehr Natur und weniger Materialismus. Die Geburtsstunde verschiedener Lebensreformbewegungen war gekommen, so z. B. die der Kleiderreform, der Naturheilkunde, der Reformpädagogik und eben auch die der Ernährungsreform. Im Ernährungsbereich kamen die Ideen des Vegetarismus und der gesundheitsorientierten und vollwertigen Nahrung auf. So wurde das erste Reformhaus 1887 in Berlin durch den Kaufmann Carl Braun eröffnet. Es trug damals noch den Geschäftsnamen „Gesundheitszentale“. Das erste als Reformhaus betitelte Geschäft eröffnete Karl August Heynen in Wuppertal-Barmen im Jahr 1900. Das Produktangebot umfasste nicht nur vollwertige Lebensmittel, auch natürliche Kleidung, Naturkosmetik und -heilmittel sowie Stärkungsmittel und Kräuter waren erhältlich.

Rasch schlossen sich die Besitzer der frühen Reformhäuser zu Verbänden zusammen, die „neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser e.G.“ von 1930 blieb schlussendlich als Reformhausgenossenschaft bis heute bestehen. Jeder Inhaber eines Reformhauses muss demnach Mitglied der Vereinigung sein und sich an deren allgemeine Grundsätze halten. Daneben bleibt er aber stets ein eigenständiger Unternehmer, der seinem Reformhaus ein eigenes Profil verleihen kann.

Bio-Konkurrenz und Umstrukturierungen ab den 1990ern

Die anfangs noch unangefochtene Institution im Bereich der alternativen Ernährung bekam ab Ende der 1970er Jahre erstmals Konkurrenz durch die aufkommenden Bioläden. Die neuen Bio- und Naturkostläden unterlagen keine strengen Auflagen wie die Reformhäuser. Reformhäuser garantieren durch das eigene neuform QualitÑt_Logo„neuform“-Siegel Produkte aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft, die gesund und wertvoll sowie natürlichen Ursprungs sein sollen. Bio-Läden verpflichten sich zwar der ökologischen Erzeugung ihrer Produkte, doch der ganzheitliche Gesundheitsgedanke steht nicht im Vordergrund. Sie haben mehr Freiheiten und müssen keinem gesetzlich geschützten Namen gerecht werden.

Das Problem, dass sich durch die Konkurrenz der Bio- und Naturkostläden für die Reformhäuser ergab, spiegelte sich rasch in Umsatzeinbrüchen und Geschäftsschließungen wieder. Die Eröffnung von Biomarkt-Ketten wie Alnatura (1987) und Basic (1998) setzten die Reformhausbesitzer zusätzlich massiv unter Druck. Die Reaktionen der Händler fielen jedoch nicht schnell und flexibel aus, weswegen von 2.500 Reformhäusern Mitte der 90er Jahre heute keine 1.200 mehr existieren.

Perspektiven und neue Zielgruppen

Ist der Reformhaus-Dino also heute tatsächlich vom Aussterben bedroht? Rainer Plum, Vorstand der Reformhausgenossenschaft, äußerte sich im vergangenen Sommer gegenüber der Frankfurter Rundschau und deReformhaus_800x1200r Berliner Zeitung zur Existenzkrise der Reformhäuser und berichtete von überraschenden Reformen der durch Modernisierungsmaßnahmen sowohl in der Genossenschaft als auch in den einzelnen Reformhausläden. Ein modularisiertes Ladenprinzip aus drei Bereichen (hochwertige Lebensmittel, Naturkosmetik sowie Naturheilmittel / Nahrungsergänzung) ermöglicht den einzelnen Besitzern die Entscheidung für ein individualisiertes Ladenkonzept. Optisch modernisiert sollten die Läden wenn möglich auch vergrößert werden. Das Prinzip scheint zu fruchten, die Reformhäuser melden Umsatzwachstum. Bereits 130 Läden waren zum Zeitpunkt des Interviews modularisiert oder anderweitig umkonzeptioniert. Des Weiteren wird nach wie vor auf die beiden unschlagbaren Qualitätskriterien der Gesundheitsförderlichkeit der Reformhausprodukte sowie der fachkundige Beratung gesetzt. Zu diesem Zweck gibt es sogar gesetzlich anerkannte Aus- und Fortbildungsangebote, die Reformhausmitarbeiter zu Fachberatern qualifizieren. Jedes Reformhaus muss diese Fachberatung gewährleisten.

Die Zukunftsperspektiven des Reformhauses schätzt Plum sehr gut ein. Neue Kundengruppen, generiert aus den aktuellen Gesundheits- und Ernährungstrends, orientierten sich zunehmend auch in Richtung Reformhaus. Darunter zählen schon längst nicht mehr nur Allergiker und „free from“-Interessierte. Plum: „Die Vegetarier- und Veganer-Welle bringt neue Kundschaft. Schließlich gilt für Reformhäuser der Grundsatz: Nichts vom toten Tier. Tatsächlich sind zwei Drittel aller Lebensmittel im Reformhaus auch vegan.“ Eine Gefahr, dass der Trend abebben könnte, sieht Plum nicht. Durch die im Vergleich zu früher durchaus wohlschmeckenderen Produkte und den emanzipierten Verbraucher, der sich die Massenware der Industrie nicht länger für gut verkaufen lässt, sieht er das Reformhaus dauerhaft als gesichert an. Das tun und hoffen wir natürlich auch.

Alle Fotos: © Reformhaus
Quelle und zum gesamten Interview mit Rainer Plum: www.berliner-zeitung.de