Kategorie-Archiv: Wissenswertes & Kurioses

Schokoladenbrunnen – Schlaraffenland für Zuhause

Warme Schokolade fließt in sprudelnden Kaskaden und man muss nur die Hand ausstrecken, um einen Keks hineinzutauchen… Diese Szene stammt nicht aus dem Schlaraffenland, sondern ist bereits in vielen Hotels, Restaurants aber auch Privathaushalten schokoladige Realität. Schokoladenbrunnen heißt die Wundermaschine, die seit knapp 30 Jahren die Gourmetwelt fasziniert. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Ausführungen, vom Luxusbrunnen bis hin zur Sparvariante. Was muss man beim Kauf beachten und wie funktioniert das Ganze eigentlich? Wir geben die besten Tipps zum großen Schokovergnügen.

Was ist ein Schokobrunnen und wie funktioniert er?

In Köln wurde 1989 der welterste Schokoladenbrunnen vorgestellt, der bis heute im Schokoladenmuseum der Stadt zu sehen und in Betrieb ist. Zwei Jahre später entwickelte eine kanadische Firma einen Schokobrunnen für den Gastronomiebereich, doch der große Erfolg des Gerätes blieb zunächst aus. Langsam entdeckten aber immer mehr Menschen ihre Faszination für die flüssige Schokolade, die allerlei Arten von Desserts verfeinert. So kann man seit 2004 Schokoladenbrunnen auch endlich für den Heimgebrauch kaufen. Übrigens: Der größte Schokobrunnen der Welt steht – wie sollte es anders sein! – in las Vegas.

Das Funktionsprinzip von Schokoladenbrunnen ist immer gleich und der Aufbau simpel wie genial zugleich. In der Mitte eines Beckens mit flüssiger, warmer Schokolade befindet sich in einem Zylinder eine Transportschnecke, die die Schokolade hochpumpt. An seitlichen Löchern tritt die Schokolade dann oben aus und läuft über mehrere Teller kaskadenartig ins Becken zurück, von wo aus der Kreislauf von neuem beginnt. Durch die Konsistenz der Schokolade ergeben sich regelrechte zylindrische Vorhänge, in die man Obst, Gebäck und Co. einfach eintauchen kann.

Handling und Kauf: Was ist zu beachten?

Schokobrunnen ist nicht gleich Schokobrunnen. Abhängig von den eigenen Bedürfnissen gibt es verschiedene Geräte zur Auswahl. Möchte man das flüssige Schokovergnügen nur einmal ausprobieren oder feiert man in kleiner Runde, kann ein günstiges Kleingerät ausreichend sein. Zu beachten ist, dass das verarbeitete Material hier in der Regel nicht so robust ist. Oft sind einige der Elemente aus Plastik, was die anschließende Reinigung zudem erschwert. Die Funktionen sind in aller Regel eher basal, weshalb auch kaum mit einer Schmelzfunktion zu rechnen ist. Das heißt: Man muss die Schokolade in jedem Fall über einem Wasserbad vorschmelzen und dann flüssig in das Gerät füllen, sonst funktioniert’s nicht. Veranstaltet man regelmäßig große Partys mit Buffets? Dann eignet sich eher ein höherpreisiges Modell aus geschmacksneutralem und rostfreiem Edelstahl. Es gibt verschiedene Größen mit unterschiedlicher Anzahl der Kaskaden. Häufig haben diese Geräte eine praktische Schmelzfunktion. Man gibt die feste Schokolade einfach hinein und schaltet nach dem Schmelzen die separate Motorfunktion hinzu, die den Brunnen in Betrieb setzt. Zur Reinigung können die Edelstahlteile nach dem Auseinanderbauen dann einfach in die Spülmaschine gestellt werden. Einige tolle Modelle für Schokobrunnen dieser Art findet ihr z. B. im Onlineshop von Expondo.

Für welches Modell auch immer man sich entscheidet – die folgenden Fragen sollte man sich stets vorher stellen: Wie häufig möchte ich den Schokobrunnen einsetzen? Wie viele Personen nehmen daran teil? Wie viel Fassungsvermögen muss der Brunnen mindestens haben? Wie groß ist die Lautstärkeentwicklung des Gerätes? Stört sie bei meinem Event oder fällt sie nicht weiter ins Gewicht?
In jedem Fall sollte man sich immer an die Angaben in der Geräteanleitung halten. Wichtig ist z. B. auch, die korrekte Füllmenge an Schokolade einzuhalten. Mit zu viel oder wenig Schokolade funktioniert der Brunnen nämlich nicht wie gewünscht. Schließlich muss die Schokolade auch auf die richtige Temperatur gebracht werden. Zu heiße Schokolade erhöht die Verbrennungsgefahr, vor allem auch für Kinder, und verändert die Schokolade ungewollt, da sich die enthaltene Kakaobutter abzusetzen beginnt. Zu kalte Schokolade stockt im Gerät und behindert den Fluss.

Die Zutaten und das Geschmackserlebnis

Ob Premiummodell oder Günstigvariante – den Geschmack der flüssigen Schokolade beeinflusst die Schokolade allein. Der Brunnen bringt sie nur in die flüssig-fließende Form und bietet sie den Gästen auf einer Temperatur von etwa 28 – 30 °C an. Die unter Körpertemperatur liegende Wärme der Schokolade verwundert im ersten Moment ein wenig, erwartet man doch unter Umständen wärmere bis heiße Schokolade. Aber dies liegt gar nicht im Sinn des Schokobrunnens.

Je nach Geschmack lassen sich etliche Variationen des Schokovergnügens vorstellen. Alles beginnt bei der Wahl der richtigen Schokolade. Ob Bitter, Vollmilch oder Weiß – auf den richtigen Anteil an Kakaobutter kommt es an. Dieser sollte höher sein als bei normalen Schokoladen, damit die warme Masse gut fließt. Optimal geeignet sind daher hochwertige Kuvertüren, da sie von Natur aus einen höheren Kakaobutteranteil haben. Am höchsten ist der Kakaobutterenteil in dunkler Kuvertüre. So enthält unsere VIVANI Feine Bitter Kuvertüre einen Kakaobuttergesamtanteil von etwa 35 – 40 %. Anderen Kuvertüresorten oder Schokoladen muss in der Regel noch zusätzlich pflanzliches Fett zugesetzt werden. Am Besten eignet sich natürlich Kakaobutter. Diese dazu separat erwärmen und einfach in den Schokoladenbrunnen dazugeben.

Wer es abwechslungsreich mag, der kann noch weitere Zutaten, wie zum Beispiel alkoholische Getränke, Säfte, Sahne oder Gewürze, zur Schokolade geben. Beim Eintauchen sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt. Es eignen sich alle möglichen Desserts und Gebäcksorten, etwa Kekse, Waffeln, Kuchen, Eis,… Ein Klassiker sind natürlich auch Obst und Fruchtspieße. Wichtig dabei ist, dass das Obst nach dem Waschen gut trockengetupft wird. Wer mag, kann die eingetauchte Süßspeise anschließend noch mit Streuseln, Raspeln etc. dekorieren. Auch herzhafte Snacks lassen sich hervorragend schokolieren. Toll sind beispielsweise Knabbergebäck wie Salzstangen oder -brezel.

Bild: © istock, MelanieMaya

Verrücktes aus der Schokowelt – Skurrile Schokoberufe

Verrücktes aus der Schokowelt – Teil 5

Heute wird es bei uns besonders seltsam. Wir haben uns gefragt: Wenn man kein Chocolatier, Konditor oder Süßwarentechnologe ist – gibt es eigentlich noch weitere schokoladige Betätigungsfelder, durch die man seiner Wertschätzung für die zartschmelzende Süßigkeit Ausdruck verleihen kann? Wir haben uns umgeschaut und festgestellt: Oh ja, da gibt es allerlei verrückte Schokoladen-Jobs abseits des Standards. Lasst euch inspirieren und werdet zukünftige Schokoladen-Doktoren, Schokokünstler oder vielleicht High-Tech-Chocolatiers….

Doktor der Schokolade in Bristol

Seine Leidenschaft Schokolade zum Beruf machen – Chocolatiers, Süßwarentechnologen und Konditoren können ein Lied davon singen. Doch im englischen Bristol wird derzeit eine ordentliche Schüppe draufgelegt, hier werden Doktoren der Schokolade ausgebildet! „Metagenomic Studies of the Microbiota of Fermented Cacao Beans – Application for the Chocolate Industry“ – so lautet der lange Titel des dreijährigen Studiengangs, der die Teilnehmer mal eben schlappe 14,296 Pfund Studiengebühren im Jahr kostet. Doch hier geht es nicht um den professionellen Genuss von Schokolade, knallharte Mikrobiologie steht auf dem Programm. DNA und Fermentationsprozesse verschiedener Kakaosorten werden erforscht und analysiert, um der Schokoladenindustrie wichtige Erkenntnisse zu liefern. Wer nicht mindestens ein Grundlagenstudium der Mikro- und Molekularbiologie vorweisen kann, ist raus. Ein sicherlich spannender Studiengang und Job – für einen erlauchten Kreis.

Schokoladentester

Wer also nie eine Schoko-Einstein werden wird, der sollte es vielleicht als professioneller Schokoladentester versuchen. Der US-Megakonzern Mondelez, der unter anderem die Marken Milka, Cadbury und Oreo verkauft, sorgte zu Beginn des Jahres mit seiner Stellenausschreibung für „Chocolate and Cocoa Beverage Tasters“ für mediales Aufsehen. Innerhalb der ersten 24 Stunden bewarben sich schon über 1.500 Personen für den Job mit angenehmen 7,5 Stunden Arbeitszeit wöchentlich. Die nötigen Qualifikationen waren recht schwammig formuliert, so sollte man z. B. in der Lage sein, Produkte zu erschmecken und diese ehrlich und objektiv zu bewerten. Das kann ich auch, dachten da wohl noch mehr, weshalb binnen kurzer Zeit schon 4.000 Bewerbungen vorlagen. Daher ging`s ab in ein dreitägiges, schokoladenhartes Assessment-Center mit jeweils zweieinhalbstündiger Gaumenfolter in Form von Schoki. Achtung, akutes Jobrisiko von Karies und Übergewicht drohen!

Schoko-Hotelier

Über Schokoladenhotels hört man immer öfter. Sie bieten ihren Gästen einen durchkonzeptionierten Aufenthalt im Schoko-Look. Von Schokoladen-Menüs, Schoko-Wellness, hoteleigenem Schokoshop bis hin zum schokoladig dekorierten Zimmer werden alle Naschträume wahr. Beispiele: Das Etruscan Chocohotel in Perugia. Hier begegnen einem allenthalben schokoladige Überraschungen, z. B. essbare Teppiche und Bilder in der Choco Sweet Suite. Die englische Schokoladenkette Hotel Chocolat hat ebenfalls ein Hotel. Das gleichnamige Luxus-Etablissement auf der Karibik-Insel Santa Lucia bietet schokoladige Südseeträume und Einblicke in den Ursprung des Kakaos auf der hauseigenen Plantage. Bilder aufhängen kann jeder, dachte sich auch das New Yorker Luxushotel Bryant Park in Manhattan und ließ kurzerhand in Kooperation mit dem belgischen Chocolatier Godiva den Künstler Larry Abel ans Werk. Er erschuf zwei Jahre in Folge eine komplett essbare Suite, vom Sofa bis zum Gemälde an der Wand. Verrückt!

Schokoladen-Aktionär

Als Börsenspekulant mit Schokoladenaktien fette Gewinne einfahren? Die eben genannte englische Kette Hotel Chocolat macht es nach ihrem Börsengang 2016 möglich. Bereits Jahre zuvor machte das Unternehmen Schlagzeilen, als es Schokoladenanleihen in Millionenhöhe herausgab. Die 7 % Zinsen bekamen die Gläubiger in Form von Pralinen und edlen Trüffeln ausbezahlt. Ob auf solche Dividenden auch die Aktionäre hoffen dürfen? Wohl eher nicht.

Schokokünstler

Die Schokolade als Medium der Kunst ist eigentlich der Ursprungsgedanke jedes Chocolatiers. Doch neben exklusiven Pralinenkreationen oder kleinen Schokofiguren tanzen echte Schokokünstler durch ein Mehr an Extravaganz aus der Reihe. Es gibt Schoko-Raumgestalter, wie den oben genannten Larry Abel. Oder Chocolatiers werden zu bildenden Künstlern und erschaffen großformatige Skulpturen und Gebilde, wie etwa der vielleicht beste Chocolatier Frankreichs Patrick Roger. Lebensgroße Skulpturen oder die 15 Meter lange Berliner Mauer aus 900 kg Kakao – alles ist möglich!
Und welcher Schokokunst-Student macht uns den nächsten Dieter Roth? Der Schweizer Künstler ist der Exot der Schokoladenkunst-Szene schlechthin und kann zukünftigen Avantgardisten ein echtes Vorbild sein. Neben vielen weiteren skurrilen Dingen, wie etwa Schimmelskulpturen, erschuf Roth auch mit Schokolade Kunstwerke und ließ Vergänglichkeit und andere Lebewesen mitgestalten. Der 1968er Klassiker „A portrait of the artist as Vogelfutterbüste“ ist eine unter Mitwirkung von Vögeln geschaffene Gartenskulptur. Der Grund: Eingearbeitetes Vogelfutter inspirierte die kleinen Gefiederten zum gestalterischen Picken. Aber auch viele weitere Schokoladeninstallationen und Werke erschuf der Künstler.

Anzeige auf dem Gangsterjobmarkt: Schokomafia

Wenn es mit Zigaretten und Drogen mal nicht klappt, warum nicht einfach mal Schokolade? So dachte sich vermutlich auch ein Mafiaclan aus der Nähe von Rom, der 2015 hochgenommen wurde. Neben Marihuana, Heroin und Pflanzen aus den Niederlanden hatte sich die Bande mit 250 Tonnen geraubter Schokolade der Marke Lindt ein neues Geschäftsfeld erarbeitet. Wert der 2014 in Italien gestohlenen und anschließend dort und in den Nachbarländern veräußerten, süßen Ware: mehr als 7 Millionen Euro. Dieser Berufsweg ist nun jedoch definitiv auf dem absteigenden Ast und kann aufgrund der akuten Gefahr von schwedischen Gardinen nicht empfohlen werden.

Chocolatier 2.0 – Schokoladendrucker und iPhone als Jobrevolution?

Die technische Entwicklung macht natürlich auch vor der Schokoladenbranche nicht halt. Doch welche Zusatzqualifikationen muss ein Chocolatier in Zukunft erwerben, welche Fortbildungen durchlaufen? Wird der Chocolatier 2.0 ein Technikprofi, der mit Palette und Pralinengabel nicht mehr viel anfangen kann? Wir haben euch schon über die seltsamen Schokoladendrucker berichtet. Das Unternehmen Choc Edge entwickelte den ersten seiner Art, mittlerweile gibt es diverse Hersteller. Die Schlaraffenland-Maschinen nehmen dem Chocolatier viel Arbeit ab. Sie kreieren filigrane Muster und Aufleger, erschaffen ganze Skulpturen, bannen Selfies in Schokolade und belohnen seit neustem sogar Sportler nach ihrer Leistung mit individuellen Schoko-Leckerlis. Eigentlich kann sich dann auch der Confiseur entspannt zurücklehnen, denn Lebensmitteldrucker erschaffen mittlerweile ganze Sahnetorten im Alleingang. Auch bei der Herstellung in der Schokoladenfabrik muss strenggenommen niemand mehr anwesend sein. Wie die amerikanische Schokolade TCHO vormacht, reicht dem Süßwarentechniker demnächst wohl das iPhone aus, um alle Produktionsprozesse bequem vom Sofa aus zu steuern und zu kontrollieren.
Wir hoffen, dass uns der „echte“ Chocolatier trotzdem noch lange erhalten und seine Hightech-Weiterentwicklung eine dystopische Zukunftsvison bleibt… 

Weitere lustige Seltsamkeiten aus dem Reich der Schokolade findet ihr hier:

Verrücktes aus der Schokowelt – Teil 4
Verrücktes aus der Schokowelt – Weltraum-Special
Verrücktes aus der Schokowelt – Teil 3
Verrücktes aus der Schokowelt – Teil 2
Verrücktes aus der Schokowelt – Teil 1

Bild 2: © Etruscan Chocotel Perugia

Kaffeehaus-Träume: Die Geschichte der Sacher-Torte

Heute starten wir mit einer völlig neuen Serie, die sich „Die Geschichte der…“ nennt. Hier werden in loser Folge die absoluten Klassiker und Stars der Confiserie vorgestellt, wie beispielsweise die Schwarzwälder Kirschtorte, die Donauwelle, ja, warum nicht auch die Nussecken? Was ist drin, wer hat’s erfunden und wie kam es zum heutigen Bekanntheitsgrad und Kultstatus? Und welche Schokoladentorte könnte da besser den Anfang machen als die österreichische Sacher-Torte, der Inbegriff Wiener Kaffeehaus-Träume? Wir blicken auf die Geschichte der Schokotorten-Königin und haben im begleitenden Gewinnspiel noch ein großes Sacher-Schmankerl für euch!

Die Sacher-Torte: Ein Shootingstar dank Kollege Zufall

Was hätten wir heute im Wiener Hotel Sacher bei einer Bestellung des Haus-Klassikers auf dem Tortenteller, wenn der Chefkoch des österreichischen Staatskanzlers Klemens Fürst Metternich nicht an einem Abend im Jahre 1832 krank gewesen wäre? Vielleicht einen Marillenkuchen mit Schlagobers oder gar einen Gugelhupf? Man weiß es nicht. Da der Koch jedoch erkrankt war und der Kanzler an diesem Abend hohen Besuch erwartete, befahl er gemäß dem Mythos dem gerade einmal 16-jährigen Kochlehrling Franz Sacher (1816 – 1907) ein Dessert zu kreieren, dass dem Kanzler keine Schande machen würde. Franz fertigte die Urform der heutigen Sacher-Torte und ein Star war geboren.

Die Torte muss vorzüglich geschmeckt haben, bereits 1836 fand sie sich in der kaiserlichen Speisekarte. Doch der breite Erfolg blieb zunächst aus. Franz Sacher ging ins Ausland, kehrte 1848 zurück nach Wien und eröffnete dort ein Feinkost- und Weingeschäft. Sein Sohn Eduard (1843–1892) sollte es sein, der sowohl die Sacher-Torte sowie das gleichnamige Hotel weltbekannt machte. Eduard ging in die Ausbildung beim kaiserlichen und königlichen Hofzuckerbäcker Demel. In seiner Lehrzeit verfeinerte er die Tortenrezeptur seines Vaters und schuf die heute gängige und berühmte Form der Sacher-Torte. Als er 1876 das Hotel gründete, wurde die Torte rasch zum gefeierten Topseller und zu einer der international bekanntesten Wiener Spezialitäten.

In den folgenden Jahrzehnten entbrannte immer wieder ein komplizierter Rechtsstreit über die Rechte am Markennamen Sacher-Torte zwischen der Konditorei Demel und den neuen Besitzern des Hotels Sacher, bei dem es um Marmeladenschichten, Butter und Margarine sowie den genauen Tortennamen ging. Die Gerichte verfügten zwei zugelassene Varianten der Kulttorte. Demel darf die Torte als „Demel’s Sacher-Torte“ verkaufen. Die „Original Sacher-Torte“, die vom Hotel Sacher und seiner eigenen Sacher-Torten-Manufaktur hergestellt und vertrieben wird,  verfügt im Gegensatz zur Demelschen Variante über eine weitere Marmeladenschicht im Inneren. Rund 360.000 „Original Sacher-Torten“ werden jährlich, zum Großteil immer noch in Handarbeit, in der Wiener Manufaktur gefertigt und in alle Welt verkauft.

Die Sacher-Torte: Das ist drin

Wie bei vielen genialen Erfindungen kommt es nicht immer auf Extravaganz an. Es gibt deutlich pompösere Torten als die Sacher-Torte, aber durch die verwendeten, qualitativ sehr hochwertigen Zutaten und das ausgeklügelte Herstellungsverfahren ist sie eine wahre Spezialität der Confiserie geworden. Die Zutatenliste ist überschaubar Die Sachermasse besteht aus Zucker, vielen Eiern, Schokolade und hat einen hohen Fettanteil. Bei der „Original Sacher-Torten“ enthält der geteilte Kuchen eine Schicht Marillenmarmelade und wird zusätzlich komplett mit Marillenmarmelade bestrichen. Danach wird er mit einer Schokoladenglasur bestrichen (aus Kuvertüre oder einer kakaohaltigen Zucker-Fettglasur). Darauf findet sich häufig schokoladige Dekoration, z. B. ein siegelartiges Emblem mit der Aufschrift „Hotel Sacher Wien“.
Bei „Demel’s Sacher-Torte“ wird auf die Marmeladenschicht in der Mitte verzichtet und der Aufleger ist dreieckig und trägt die Bezeichnung „Eduard Sacher Torte“. Das Hotel Sacher verwendet für seine Torte eigens produzierte Schokoladensorten und speziell kreierte Marillenmarmelade. Wichtig ist, dass die Schokolade einen Mindestkakaogehalt von 55 % aufweist. Für den authentischen Geschmack wird ausdrücklich Marillenmarmelade aus der niederösterreichischen Region Wachau empfohlen.


>> GEWINNT TOLLE PREISE AUS DER WELT DER SACHER-TORTE <<

In Kooperation mit dem Verlag Gräfe und Unzer sowie dem Filmunternehmen Constantin Film haben wir für euch heute zwei exklusive Gewinnpakete zusammengestellt, die ihr jetzt und hier gewinnen könnt. Sie bestehen jeweils aus einem „Original Sacher Backbuch“ und einer DVD „Das Sacher. In bester Gesellschaft„.


„Das Original Sacher Backbuch“
Sacher-Torte – ein Wiener Traum. Wer nun Lust bekommen hat, sich selbst einmal an der Torte aller Torten zu versuchen, der sollte „Das Original Sacher Backbuch“ zur Hand nehmen. Zwar wird das echte Originalrezept streng geheim gehalten, aber das Rezept in diesem Backbuch kommt dem Original doch sehr nahe. Und damit natürlich nicht genug. Das Buch liefert viele weitere Rezepte von mehr oder weniger bekannten Süßspeisen aus der Confiserie des Hotels Sacher, darunter weitere Torten, aber auch Kuchen, Strudel, Mehlspeisen, Schmalzgebäck, Nockerl, Knödel und vieles mehr. Dazu gibt es viele Informationen rund um die Geschichte des berühmten Hotels und seine legendären Süßspeisenkreationen. Für alle, die sich für das süße Wien und die österreichische Kaffeehauskultur interessieren, ein tolles Backbuch mit Mehrwert.

Gräfe und Unzer Verlag, München
Auflage 2016
ISBN: 978-3-8338-5854-3
24,99€

„Das Sacher. In bester Gesellschaft“
Anfang des Jahres wurde in Deutschland die ZDF Zweiteiler-Produktion „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ (Österreich 2016) zum ersten Mal ausgestrahlt und erreichte mit einem Anteil von 20,9 % sehr gute Einschaltquoten. Nun ist der mit pompösen Kostümen ausgestattete und mit zahlreichen bekannten Schauspielern besetzte Historienfilm auch auf DVD (Constantin Film) erhältlich. In der Verfilmung geht es um fiktive Geschichten rund um das Hotel Sacher in Wien, wobei wir aber in den Figuren Anna Sacher (Ursula Strauss) und dem Portier Mayr (Robert Palfrader) auch realhistorischen Personen begegnen. Aus der Perspektive von Mayr gewinnt der Zuschauer Einblicke in das Hotelleben. Dort bahnt sich eine folgenschwere Vierecksbeziehung zwischen der angehenden Literatin Konstanze von Traunstein (Josefine Preuß) und ihrem Ehemann Georg (Laurence Rupp) sowie der Verlegertochter Martha Aderhold (Julia Koschitz) und ihrem Gatten Max (Florian Stetter) an. Weitere Handlungsstränge: Anna Sachers Kampf als ernstzunehmende Geschäftsfrau in einer Männerdomäne sowie das rätselhafte Verschwinden und Wiederauftauchen des Zimmermädchenkindes Marie.

Österreich 2016
Regie: Robert Dornhelm
DVD
Laufzeit: 2 x 100 Minuten
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Um mitzumachen, füllt einfach bis zum 07. Mai 2017 das folgende Kontaktformular aus. Das Stichwort lautet „Sacher“. Viel Glück!

>> Das Gewinnspiel ist beendet. Die GewinnerInnen wurden per Email über ihren Gewinn informiert. <<

Teilnahmebedingungen:
Alle Teilnehmer erklären sich mit den Bedingungen des Gewinnspiels einverstanden:  Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 16 Jahren. ♦ Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 07. Mai 2017, 23.59 Uhr. ♦ Die persönlichen Daten der Teilnehmer werden nur zum Zwecke der Gewinnermittlung gespeichert und danach gelöscht. ♦ Die Gewinner werden per Email am 08. Mai 2017 über den Gewinn benachrichtigt, die Ermittlung erfolgt per Losverfahren. ♦ Mitarbeiter der EcoFinia GmbH sowie deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. ♦ Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. ♦ Der Gewinn ist nicht übertragbar, eine Barauszahlung ist nicht möglich.

Bildrechte: „Sachertorte“ © Gräfe und Unzer

Schokoauszeit Fastenzeit – warum überhaupt und wie?

Vor gut einer Woche wurde mit dem Aschermittwoch nicht nur die Karnevals-Session beendet, sondern auch für viele katholische Christen die Fastenzeit eingeläutet. Doch was hat es eigentlich mit dem Thema Fasten auf sich? Warum verzichten Menschen freiwillig auf Nahrungsmittel, ohne dass es sich um eine Diät handelt? Die Tradition des Fastens ist Jahrtausende alt und verfolgt verschiedene Ziele zwischen Erleuchtung und Entschlackung. Auch wenn es im ersten Moment sehr widersprüchlich und für uns als Schokoladenhersteller geschäftsschädigend erscheint, befasst sich unser Schoko-Blog heute mit dem Brauch und den Vorteilen des temporären Weglassens – auch von Süßigkeiten.

Fasten – verschiedene Traditionen vereint im Nahrungsmittelverzicht

Eine Definition des Begriffes Fasten ist nicht schwer. Es handelt sich um einen zeitlich begrenzten Verzicht auf bestimmte Speisen, Getränke und Genussmittel. Doch das ist auch die einzige Gemeinsamkeit, die die etlichen verschiedenen Fastenmodellen vereint, denn Fasten ist individuell. Fasten findet aus den unterschiedlichsten Beweggründen statt, alleine oder in verschiedenen Gemeinschaften, wie etwa religiösen Gruppen. Selbst innerhalb der gleichen Religion kann es unterschiedliche Auslegungen und Traditionen geben. Wann, wie lange auf wie viel und was genau verzichtet wird, ist sehr verschieden.

Fastentraditionen waren bereits viele Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung bekannt, etwa im alten Ägypten. Forscher vermuten, dass die christlich-österliche Fastenzeit von 40 Tagen nicht nur auf die Bibelgeschichte von Jesus in der Wüste zurückgehen könnte, sondern auf die ägyptische Fastenkultur, die von den koptischen Nachfahren bewahrt wurde. Auch in anderen antiken Kulturen war Fasten nicht unbekannt. So gab der berühmte griechische Arzt Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370 v. Chr.) wie selbstverständlich Fastenratschläge als Gesundheitstipp. Im europäischen Mittelalter war die Tradition des Fastens aufgrund des starken christlichen Glaubens gelebter Alltag. Neben der noch heute praktizierten Fastenzeit in Vorbereitung auf das Osterfest gab es etliche weitere Feste und Zeiten, zu denen auf unterschiedliche Weise gefastet und verzichtet werden sollte. So durfte nach dem christlichen Kalender noch im 19. Jahrhundert beispielsweise nur an 220 Tagen des Jahres überhaupt Fleisch verzehrt werden.

Gefastet wurde und wird in vielen Religionen. Christentum, Islam, Judentum oder Ostasiatische Religionen wie der Hinduismus – alle kennen eigene Fastengründe, -vorschriften und -auslegungen. Religiöse Gründe können sein: Seelenreinigung, Buße, Trauer, Askese, Abwehr von Bösem, Erlangung von Erlösung und Erleuchtung sowie die Vorbereitung auf besondere religiöse Ereignisse wie z. B. Feste. Daneben kann Fasten auch persönlichen Zielen wie der Steigerung von Wahrnehmung, Willenskraft und Selbstkontrolle dienen oder als Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen hilfreich sein. Gewichtsreduktion und andere gesundheitliche Ziele bilden den dritten Fastenschwerpunkt, dazu später mehr.

Fasten aktuell – warum heute überhaupt noch verzichten?

Fasten erlebt auch in Deutschland in dieser Zeit wieder einen Aufschwung. Fasten Menschen, egal welcher Religion, seit jeher regelmäßig aus Glaubensgründen, interessieren sich aktuell zunehmend auch nicht-religiöse Menschen in unserem Land für das Thema. Gesundheitliche Fastenprogramme wie das Heilfasten gehören bei immer mehr Menschen zum Programm eines trend- und gesundheitsbewussten Lifestyles. Das belegen auch die Zahlen. Nach einer Umfrage von statista.com im Februar zum Thema Fastenzeit vor Ostern gaben 73 % der Befragten an, sie könnten sich vorstellen zu fasten. 60 % hatten sogar den konkreten Vorsatz, das Fasten umzusetzen. Worauf der einzelne Bundesbürger verzichten wollte, stellte sich unterschiedlich dar. Die Spitze mit 68 % bildete der Verzicht auf Alkohol, gefolgt von Süßigkeiten (59 %) und Fleisch (39%). Auf TV und Rauchen wollten jeweils 34 % verzichten, auf Handy und Computer 23 % und auf das Auto immerhin noch 18 %.
In der Umfrage zeigen sich neben dem traditionellen Nahrungsmittelverzicht plötzlich neue Dinge, auf die man zu verzichten versucht. Dinge des normalen, westlichen Alltags, die so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden sind, dass man sich gar nicht im Klaren darüber ist, dass es sich um verzichtbare Luxusgüter handelt. Neben Autos und Elektronikgeräten, die in der statista.com-Erhebung erfasst wurden, sind viele weitere Fastenideen möglich, die den kritischen Blick auf unseren täglichen Konsum schärfen und die Verschwendung von Ressourcen verdeutlichen. Ein tolles Beispiel: Die Initiative Plastikfasten von Anneliese Bunk. Die Gründerin von naturtasche.de und Co-Autorin des Bestsellers „Besser leben ohne Plastik“, das wir euch bereits im Blog vorgestellt haben, hat auf ihrer Internetseite plastikfasten.info umfangreiche Themenwochen für die gesamte Fastenzeit zusammengestellt. Hier gibt es viele, viele Tipps zum Einsparen des Umweltsünders. Wer mag, kann auch einen Vortrag zum Thema besuchen. Eine tolle, nachhaltige Idee!

Doch warum machen wir das alles eigentlich? Warum sich etwas absparen, wenn doch alles in Hülle und Fülle günstig zur Verfügung steht? Eine sprunghafte Christianisierung unseres Landes ist vermutlich nicht der Grund auf die trendigen Verzichtsvorhaben, vielmehr sind die Gründe anderweitig zu sehen. Die christliche Fastenzeit vor Ostern bietet einen guten Aufhänger und ermöglicht das Verzichten in einer Gemeinschaft von Fastenden. Darüber hinaus ist der Frühling aus gesundheitlichen Gründen eine sinnvolle und bewährte Fastenzeit, da der Körper mit dem Erwachen der Natur und dem neuen Frischkostangebot von den im Winter angesammelten Schadstoffen aus üppigen Schlemmereien befreit wird. Aber die Gesundheit ist nur ein Grund, der in unserer heutigen Gesellschaft wieder Menschen vermehrt zum Fasten bringt. Fasten ist Entschleunigung in einer schnelllebigen, stressigen Welt. Es kann den Körper auf vielfältige Weise entgiften und reinigen und dabei helfen, wieder mehr Achtsamkeit für sich selbst zu entwickeln.

Die Gesundheit im Visier: Heilfasten

Seit Langem ist bekannt, dass Fasten neben religiös-spirituellen Gründen auch der Gesundheit dienlich sein kann. Die Anhänger des gesundheitsorientierten Fastens erhoffen sich eine Reinigung und sogenannte Entschlackung des ganzen Körpers, der von Giften befreit wird. Das soll die Immunabwehr stärken und kann Krankheiten lindern und angeblich sogar vorbeugen. Beispiele sind Bluthochdruck und Diabetes. Doch welches der etlichen Wellness-Fastenmodelle kommt für mich in Frage? Vielleicht nur Suppe oder Milch mit Semmeln? Oder gar eine Woche Saftfasten? Die bei weitem bekannteste und beliebteste Fastenmethode ist hierzulande das Heilfasten nach der Methode des Arztes Otto Buchinger (1878 bis 1966). Die Kur dauert etwa eine Woche, kann in speziellen Kliniken jedoch unter Beobachtung bis zu einem Monat fortgesetzt werden. Es gibt nur Flüssiges wie Gemüsebrühen, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte sowie Tees, die eine Versorgung mit lebensnotwendigen Vitaminen und Mineralstoffen gewährleisten sollen. Feste Nahrung sowie jegliche Genussmittel sind tabu. Ein weiterer, wichtiger Baustein des Heilfastens ist darüber hinaus die Darmreinigung. Abführen mit Glaubersalz soll den Darm von schädlichen Stoffen befreien und regenerieren.

Egal für welches Fastenmodell man sich entscheidet, gilt es einige wichtige Dinge zu beachten. Die Versorgung des Körpers mit essentiellen Nährstoffen ist wichtig, eine ausschließliche Wasser-Kur kann gesundheitsschädigende Effekte provozieren. Menschen, die erstmalig fasten, sollten es langsam angehen lassen. Eine ärztliche Beratung und Begleitung ist sinnvoll. Notwendig ist diese, wenn der Fastende bereits an Vorerkrankungen leidet. In manchen Fällen darf eine Fastenkur dann gar nicht oder nur unter bestimmten Auflagen und medizinischen Kontrollen durchgeführt werden. Wenn man aus Gründen der Gewichtsreduktion fastet, sollte man über eine generelle Ernährungsumstellung nach der Kur mit begleitendem Bewegungsprogramm nachdenken. Sonst kann schnell der gefürchtete Jo-Jo-Effekt eintreten.

Quelle: statista.com
Bildnachweise: Bild 1 © istock, Petermeir | Bild 2 © istock, Dominic_Dahncke

Modica – die älteste Schokoladenstadt Europas

Wer nicht schon einmal in Sizilien Urlaub gemacht hat, dem ist sie vielleicht völlig unbekannt. Was ist das, diese Cioccolato Modicano, die Schokolade aus Modica? Man könnte sagen: Eine Urform der heutigen Schokolade, kaum verarbeitet und ursprünglich im Geschmack. Modica ist das weltbekannte Zentrum der krümeligen Spezialität, weshalb sich hier unzählige Chocolaterien finden, die das Produkt nicht-industriell herstellen. Wir haben mit Alberto Vicari, Gründer der Bio-Schokoladenmanufaktur Il Modicano und bekennender VIVANI-Fan, gesprochen, der uns spannende Einblicke in die Schokoladenszene Süditaliens und seine eigene, ganzheitliche Firmenphilosophie gewährte.

Modica – Schokoladen-El-Dorado im Südzipfel Italiens

Modica in der sizilianischen Provinz Ragusa liegt im südöstlichsten Zipfel Italiens und ist eine Stadt mit Geschichte. Neben immer wieder wechselnden Besatzungsmächten kam auch irgendwann die Schokolade, wahrscheinlich aus Spanien, hierher. Das Rezept ist bis heute unverändert und begeistert durch seinen ursprünglichen, aromatischen Kakaogeschmack. Während die Schokolade blieb, ging die Stadt zwischendurch, nämlich anno 1693, als ein verheerendes Erdbeben die gesamte Provinz in Schutt und Asche legte. Der Wiederaufbau wurde rasch bewältigt und eine beeindruckende, wunderschöne Stadt im Stil des sizilianischen Barock entstand. In dieser malerischen Kulisse, die zum UNESCO-Welterbe zählt und heute etwa 55.000 Menschen beheimatet, herrschte mit den vielen Schokoladenmanufakturen eine ganz besondere Stimmung, was die Stadt bis heute zum Touristenmagnet macht.

Nun lassen wir aber Alberto Vicari von der Schokoladenmanufaktur Il Modicano selber zu Wort kommen und spüren dem Geheimnis der fast schwarzen Leckerei nach. Dabei wird uns Alberto auch über die Besonderheiten seiner Marke berichten, die konsequent ökologisch erzeugt und vegan ist. Ein spannender Trip in den heißen Süden Italiens.

Alberto, Du stammst aus einem der wichtigsten Schokoladen-Hotspots Europas. Dennoch wissen heutzutage nur wenige Menschen davon. Denkst Du Modica wird als Schokoladenstandort unterschätzt? Was sollte Deiner Meinung nach passieren, damit sich dies ändert?
Die traditionelle Produktion und Verarbeitung von Schokolade in Modica nahm ihren Anfang bereits im 16. Jahrhundert, aber unsere spezielle Art der Produktion ist in Italien erst in den letzten 20 Jahren so richtig populär geworden, nach einem vielbeachteten Auftritt des berühmtesten Chocolatier von Modica – Franco Ruta (Antica Dolceria Bonajuto) in einer Talkshow im italienischen Fernsehen im Jahre 1999. Wir wünschen uns aber, dass Schokolade im Modica-Stil auch über Italien hinaus bekannter wird. Es gibt mittlerweile einige neue Hersteller, die Bio-, vegane und/oder faire Schokoladen auf den Markt gebracht und Modica damit in zahlreichen Ländern bekannt gemacht haben. Dies sollte uns und unserer Schokolade den erhofften Aufschwung bringen.

Du hast früher als erfolgreicher Manager gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Du Dich neu orientiert und eine Schokoladenfabrik aufgebaut hast?
Meine Vision war es damals, vegane Schokolade zu produzieren. Ich lebe selbst seit über zwanzig Jahren vegan (seit über dreißig vegetarisch), sehnte mich damals nach einer ethischer ausgerichteten Art zu produzieren und zu kaufen. Wie uns allen, sind auch mir täglich viele Negativbeispiele im Handel und im Verhalten der Verbraucher begegnet.
Ich wollte damals eine gute, leckere Schokolade essen können, die ohne Tierleid hergestellt wurde und die es mit den großen milchbasierten Schokoladenmarken aufnehmen könnte. Oder habe an Modegeschäfte gedacht, die nur noch Kleidung aus ethisch korrekten Quellen anbieten würden. Ich habe mir immer eine Welt vorgestellt, in der solche fairen Unternehmen und Händler dem Verbraucher viel bekannter und viel leichter zugänglich sind. Ich habe mich oft gefragt, wo der Verbraucher dann kaufen würde, wenn er oder sie eine klare Wahl hätte. Ich habe viel nachgedacht, wenn immer ich auf Produkte gestoßen bin, für die es keine vegane Alternativen gab und mir Gedanken gemacht, wie man dieses Problem selbst lösen könnte.
Also habe ich mich schließlich dazu entschieden, ein sozialverträgliches Unternehmen zu gründen. Da ich zeitlebens in Modica gewohnt habe, konnte es sich dabei nur um ein Projekt mit Schokolade handeln!

Warum hast Du Dich dazu entschieden, ausschließlich vegane Schokolade zu produzieren?
Ich habe mir gesagt, wenn ein Leben möglich ist, in dem ich leckeres Essen und Trinken genießen kann, das mich gesünder macht, das einen kleineren CO2-Fußabdruck hinterlässt und dass ohne den Tod anderer Lebewesen auskommt – ja warum leben wir es dann nicht?!
Denn ich sehe das so: Der Konsum von Fleisch oder Milch ist heutzutage zu einer Sucht geworden und das obwohl beides nicht lebensnotwendig ist. Es gibt meiner Meinung nach kein Milchprodukt, für dass es keine gesündere und wohlschmeckende vegane Alternative gäbe.

Lass uns gerne mal über euer Produktsortiment sprechen: Welche Sorten bietet ihr an und was sind eure Bestseller?
Wir bieten fünf verschiedene Produktgruppen an:

  1. grob gewalzte Schokolade im Stile traditioneller Modica-Schokolade
  2. hochprozentige Bitterschokoladen mit Kokosblütenzucker gesüßt
  3. Schokoladen auf Sojadrink-Basis als Alternative zu Milchschokoladen mit natürlichen Süßungsmitteln (Agaven- oder Kokosblütensirup)
  4. Streichcrémes auf Sojadrink-Basis in den Sorten Haselnuss, Pistazie und Mandel
  5. Heiße Trinkschokolade

Unsere Topseller sind sicherlich die süßen Streichcrémes, die ebenso cremig und lecker sind, wie herkömmliche Crémes auf Kuhmilchbasis. Alle unsere Produkte sind vegan, laktosefrei, glutenfrei, non-GMO und zu 100% in Bioqualität.

Was für eine Relevanz haben vegane Produkte in Italien denn im Allgemeinen? Gibt es eine größere vegane Szene?
Derzeit leben etwa 2,6 % der italienischen Bevölkerung vegan (etwa 1,6 Mio Menschen) und in 2016 nahm die Menge der verkauften veganen Produkte um 20-30% zu – ein neuer Wachstumsrekord. Dies hat aber auch mit einem bedeutenden Wachstum für laktosefreie Produkte zu tun.

Modica kommt eine besondere Bedeutung in der geschichtlichen Entwicklung von Schokolade in Europa zu. Gibt es immer noch viel „Schokoladen-Tourismus“ in eurer Region?
Modica hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Ziel für Touristen entwickelt. Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: zum Einen wurde Modica wegen seiner barocken Kirchen zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und zum Anderen ist es tatsächlich der gute Ruf der Modica-Schokolade – jeder, der nach Modica kommt, geht nicht wieder heim ohne eine große Tasche voll mit Schokolade!

Wie wichtig ist Sizilien heute für den italienischen Schokoladenmarkt?
Modica ist einer von drei Hotspots für Schokolade in Italien: Turin für den Norden Italiens, Perugia für Mittelitalien und eben Modica für den Süden. Wenn du jemandem erzählst, dass du aus Modica kommst, hörst du immer die gleiche Antwort: „Modica … wo die berühmte Schokolade herkommt!“

Bitte erläutere unseren Lesern noch einmal, was den besonderen Modica-Stil ausmacht. Worin liegt der Unterschied zu herkömmlichen Schokoladen?
Technisch betrachtet handelt es sich bei Modica-Schokolade um Tafeln mit grob gewalzter Schokoladenmasse. In den Anfängen wurde sie lediglich durch einen kleinen Mahlstein gewalzt, den man „metate“ (lateinamerikanisch: kleiner Mahlstein“) nannte.
Im Grunde handelt es sich um Schokolade aus einem antiken Originalrezept mit nur wenigen Verarbeitungsschritten. Seit dem 16. Jahrhundert haben viele Generationen dieselben Verarbeitungstechniken angewandt: die Mischung von kalter Kakaomasse mit Zucker. Diese „kalte Mischung“ verleiht der Schokolade die typisch körnige Textur und bewahrt außerdem ungewöhnliche Aromen, die ebenfalls charakteristisch sind.

Mit Blick auf Il Modicano: Was ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?
Vegane Schokolade zu produzieren ist für mich weniger ein „Business“, sondern bedeutet vielmehr eine tolle Möglichkeit, für den veganen Lebensstil zu werben und die Menschen für Tierrechte zu sensibilisieren.
Mein größter Wunsch ist deshalb eng mit der veganen Idee verknüpft: hier in Süditalien sind streunende Tiere ein großes Problem. Die lokalen Regierungen kümmern sich nicht wirklich darum, deshalb würde ich meine Fabrik gerne auf ein größeres Gelände auf dem Land verlagern. Dort würde eine vegane Farm entstehen, wo wir neben der Produktion von Schokolade vielen „obdachlosen“ Tieren ein sicheres Zuhause geben könnten.

Fotos: Modica Stadt, © iStock, elisalocci | Schokoladenambiente © Il Modicano