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Atlantikwellen, bebende Erden und regenerativer Kakaoanbau – Eine Forschungsreise zum Kakao-Ursprung in Ecuador

nationalflagge-ecuadorTeil 1. Die Suche nach globaler Gerechtigkeit

Habt ihr bei eurem letzten Einkauf bewusst nach einer Bio-zertifizierten Schokolade gegriffen? Und vielleicht darüber nachgedacht, woher diese Schokolade eigentlich kommt, wen oder was ihr damit unterstützt oder was biologischer Anbau überhaupt bedeutet? Wie kommt der Preis zustande und welcher Anteil davon kommt letztlich bei den KakaoproduzentInnen an?

Diese und noch mehr Fragen haben sich zwei Studierende des Masters „Global Change Management“ der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde gestellt und daraufhin in Kooperation mit VIVANI und der Weinrich Schokoladenfabrik ihr Forschungsjahr ausgerichtet. Das Ziel: Kakao-Handelssysteme mit ihren beteiligten Instanzen vom Ursprung der Bohne bis zur Produktion und Konsum der beliebten Schokolade zu untersuchen, um Antworten auf Fragen nach globaler Gerechtigkeit und gesunden Ökosystemen zu finden. Zentrale Forschungsfrage hierbei: Wie können Kakaohandelssysteme geschaffen werden, welche die Wohlstandsmöglichkeiten der zentralen Beteiligten fördern, ohne dabei die regenerative Kapazität des produzierenden Ökosystems zu unterminieren?

Für ihre Masterarbeit verbringen Jelena Radeljić (26) und Eduard Fischer (29) ein Jahr lang Zeit mit KakaoproduzentInnen in Ecuador, in der Schokoladenfabrik Weinrich, bei VIVANI und weiteren ExpertInnen in Deutschland und den USA. Im Rahmen eines ganz besonderen Specials im VIVANI-Blog teilen sie euch ihre Erfahrungen mit und nehmen euch mit auf die Reise in die spannende Welt des Kakaoanbaus. Wir übergeben das Wort an Jelena.Radeljic_Fischer_Profil_web

Vielleicht ist meine Leidenschaft für Schokolade meiner frühen Kindheit zuzuschreiben, in der ich einen Kindergarten besuchte, der direkt neben einer Schokoladenfabrik stand wo es ständig nach Schokolade roch. Diese Schokoladenfabrik hieß „Weinrich“ und produziert unter anderem die Bioschokoladen von VIVANI. Nach Auslandsaufenthalten und dem Studium „Internationale Entwicklung“ in Wien traf ich in meinem Masterstudium auf Eduard. Eduard studierte vorher bereits in Eberswalde Landschaftsnutzung und Naturschutz. Das Naturschutz-Studium hat ihm deutlich gezeigt, dass es stetig um die „Mensch – Natur“-Beziehung geht. Hierbei reicht seiner Meinung nach kleinteiliger Flächen- und Artenschutz oder sogar Prozessschutz nicht aus, wenn es größere globale Kräfte gibt die darauf einwirken.

Globale Kräfte sind beim Thema Schokolade nicht wegzudenken. Die steigende Nachfrage nach Schokolade weltweit übt Druck auf die Kakao produzierenden Länder aus, die sich rund um den Äquator befinden. Denn nur hier, wo es ständig warm und feucht ist, wächst der Kakaobaum. Klimawandel und der ständig schwankende Kakaopreis, der an der New Yorker Börse entsteht (ja, wer weiß eigentlich wie?), machen es den Kakaobauern und -bäuerinnen schwer, ein verlässliches Einkommen zu generieren. Meldungen wie die, dass der Welt die KakaoproduzentInnen ausgehen und gleichzeitig der Bedarf an Kakaoprodukten steigt, geben vielen Schokoladen-Fans hinreichend Grund zur Sorge.

Man könnte meinen, dass eine Fairtrade-zertifizierte Schokolade aus Kakao von höchst zufriedenen Kakaobauern und -bäuerinnen sowie super gesunden Ökosystemen besteht und wir damit schon eine Lösung für die angesprochenen Probleme gefunden haben. Wenn das nur so einfach wäre… würden Eduard und ich nicht „Global Change Management“ studieren. Nichtregierungsorganisationen weisen stetig, wie zuletzt im Kakaobarometer 2015 und in der Kampagne des INKOTA-Netzwerks „Make Chocolate Fair!“ auf Missstände im Kakaosektor und die unzureichende Wirkung von Zertifizierungen hin.

Und jetzt? Was für eine Schokolade kann man denn dann noch kaufen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?

Dies ist komplex. Zertifizierungen sind im aktuellen System häufig schon mal ein erster Schritt. Aber eben nur ein erster, auf den ein zweiter und dritter folgen kann. Welcher denn? Mögen sich einige LeserInnen nun fragen. Diese Frage beschäftigt auch Eduard und mich, sowie den Schokoladenproduzenten Weinrich und den Bio-Hersteller VIVANI. Wie gesagt, es ist komplex. Im Masterstudium „Global Change Management“ haben Eduard Radeljic_Ecuador_webund ich gelernt, komplexe globale Prozesse und Dynamiken zu analysieren und zu verstehen, um mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Im besten Fall gemeinsam mit den beteiligten Akteuren. Hier haben wir das große Glück, dies mit Unterstützung von Weinrich und VIVANI tun zu können. Die Perspektive der ProduzentInnen, der Industrie und weiterer ExpertInnen sind zentraler Bestandteil der Forschungsarbeit und sollen dabei helfen, den Kakaosektor in eine Richtung zu lenken, die es den Schokoladenliebhabern möglich macht, nach bestem Gewissen qualitative Schokolade zu vernaschen – authentisch hergestellt, in deren Wertschöpfungskette alle Beteiligten tatsächlich zufrieden sind.

Im März und April waren Eduard und ich zwei Monate lang in Ecuador im Ursprung des Kakaos unterwegs, wo wir nicht nur Kakaoanbausysteme besuchten und Interviews und Workshops mit den KakaoproduzentInnen machten, sondern auch bei den Familien gelebt haben und so einen tiefen Einblick in den Alltag derjenigen bekamen, die tagtäglich dafür sorgen, dass das Bedürfnis der Welt nach gutem aromatischen Kakao befriedigt wird.

Insgesamt haben wir während der zwei Monate 11 Kakaokooperativen und -Projekte besucht und noch weitere Experten von der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), der FAO (Food and Agriculture Organization der UNO), dem ecuadorianischen Agrarministerium (Nationales Kaffee- und Kakaoprogramm) sowie Zertifizierungsorganisationen getroffen.

Während ich vor meinem Ecuador-Aufenthalt den Februar bei Weinrich in der Schokoladenfabrik verbrachte – nein, ich aß nicht nur den ganzen Tag Schokolade, sondern lernte die hohe Kunst der Schokoladenproduktion von der Bohne zur Tafel genau kennen und auch die täglichen Herausforderungen eines Schokoladenunternehmens – war Eduard schon seit Wochen auf dem Weg von Berlin nach Ecuador. Und dies so CO2 arm wie möglich per Anhalter. Wo es keine Straßen und Autos mehr gab, da suchte er nach Segelbooten, die ihn bis in die Karibik brachten.

Aber hiervon berichten wir euch in Teil 2 dieser Serie…Radeljic_Fischer_Kokosnuss_web

Bildrechte:
Bild 1 und 3 © Radeljić, Fischer
Bild 2 © Radeljić

Kakao aus Ecuador scheinbar gesünder als Kakao aus Ghana

Manche Kakaosorten können gesünder sein als andere. Wenn man bedenkt, dass es viele verschiedene Kakaosorten gibt, Herstellungsbedingungen variieren und die Böden unterschiedliche Nährstoffe enthalten, scheint dieser Fakt sehr logisch. Nun fand ein Forscherteam aus Spanien heraus, dass Schokoladen aus ecuadorianischem Kakao in der Zusammensetzung der Fettsäuren deutlich gesundheitsförderlicher sind als solche aus Ghana.

Kakao aus Ecuador hat bessere Fettprofile

Schokolade enthält sowohl ungesättigte als auch gesättigte Fettsäuren. Die ungesättigten Fettsäuren sind für den menschlichen Körper besonders gesundheitsförderlich, da sie offensichtlich den Cholesterinspiegel senken. Die gesättigten Fettsäuren stehen hingegen im Ecuador - Aprocafa - CCN-51 Abundance 2Verdacht, die Cholesterinwerte zu erhöhen. Kürzlich fand nun eine spanische Forschergruppe um den Wissenschaftler Torres-Moreno heraus, dass sich die Fettprofile südamerikanischer und afrikanischer Schokoladen stark unterscheiden. Exemplarisch wurden jeweils sechs Schokoladensorten aus Ecuador und Ghana untersucht. Das Ergebnis: Schokoladen aus Ghana enthielten 66,04 % mehr gesättigte Fettsäuren! Im Bereich der positiven Fette, der ungesättigten Fettsäuren, lag Ecuador mit 2,36 % vor Ghana, die nur 1,78 % beinhalteten.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Sorten der Kakaos eine entscheidende Rolle bei den Untersuchungsergebnissen gespielt haben. Ghana, zweitgrößter Kakaoproduzent mit 30 % Weltmarktanteil, exportiert fast ausschließlich einfache Konsumkakaos wie den „Forastero“. Ecuador, siebtgrößter Kakaoproduzent, produziert vor allem Edelkakaos, wie z. B. den berühmten „Nacional“ / „Arriba Cacao“.

VIVANI produziert seine Schokoladen ausschließlich mit hochwertigen Kakaos aus Südamerika. Die Edelkakaosorte „Arriba“ aus Ecuador findet in den vier VIVANI-Schokoladen der Ecuador-Serie Verwendung: Edel Vollmilch, Edel Bitter, Edel Bitter Chili und Edel Bitter Cranberry.Kakao-Ecuador-EdelVollmilch

Wer sich für Kakao aus Ecuador interessiert, kann in einem vor Kurzem im VIVANI Schoko-Blog veröffentlichten Ecuador-Special mehr zu Anbau, Verarbeitung und Produktionsbedingungen in dem Äquatorland erfahren.

Und hier noch eine interessante Facebook-Seite zum Thema „Ecuador-Kakao“.

Quelle: www.theobroma-cacao.de

Kakaoanbau in Ecuador – Interview mit einer Expertin

Ecuador ist für die Kakaoproduktion und Schokoladenherstellung ein wichtiges Land. Zwar werden hier nicht die großen Massen des gängigen Konsumkakaos (Sorte Forastero) hergestellt, aber das kleine Land in Südamerika ist mit 36% Marktanteil international größter Hersteller von Edelkakao. Insbesondere die Sorte „Cacao Nacional de Arriba“ ist eine von Kakaofans weltweit geschätzte Spezialität, die fast nur in Ecuador produziert wird. Die Produktion geht hier oft andere Wege: Kleinbauern schließen sich in Kooperativen zusammen, die Zwischenhandel ausschließen und eigene Endprodukte hervorbringen. Eine große, besonders bekannte Kooperative ist Kallari.

VIVANI konnte der 23-jährigen Bochumerin Dorothea Brockhoff erfolgreich einen Praktikumsplatz bei der Kakaobauernkooperative vermitteln. Die Studentin des European Business Programme in Münster arbeitet derzeit für insgesamt fünf Monate bei Kallari und bekommt umfassende Einblicke in diese Sonderform des Kakaoanbaus. Sie berichtet uns im VIVANI Schoko-Blog exklusiv von ihren Erlebnissen in einem sehr informativen Interview!

Dorothea, einleitend ein paar Worte zu dir: Warum machst du ein Praktikum in Ecuador und warum hat es dich zu der Kallari-Kooperative verschlagen? Warum gerade Ecuador? Was fasziniert dich an diesem Land?

Dorothea: Ich wollte schon lange Zeit nach Südamerika. Da ich im Studium meine Spanischkenntnisse vertiefen konnte, wollte ich die Praktikumsphase gerne auch zum Kennenlernen einer neuen Kultur nutzen. Dass es dann ausgerechnet Kallari geworden ist, habe ich VIVANI zu verdanken: Sie haben mich auf die Kakaobauernkooperative aufmerksam gemacht. Die nachhaltigen Werte dieser Kichwa-Organisation haben mich schließlich überzeugt.

Ich bin sehr glücklich, dass ich durch Kallari geradeCIMG6696_1 in Ecuador gelandet bin: In den 3 verschiedenen Klimazonen der Küste, der Anden und des Regenwaldes herrscht eine enorme Artenvielfalt. Besonders viele Verwandte des Theobroma, des Kakaobaumes, kommen in der Region östlich der Anden vor. Dadurch ist sie als Ursprungsort des Kakaos anerkannt. Landschaftlich ist diese Gegend mit ihren vielen Wasserfällen und dem ursprünglichen Wald atemberaubend. Ecuadors Bevölkerung ist besonders gastfreundlich, fröhlich und offen.

Von der Kakaofrucht bis hin zur fertigen Schokolade – Kakao-Kooperativen arbeiten anders als die herkömmlichen Kakaohersteller. Wie funktioniert das Prinzip von Kallari?

Dorothea: Die Kakaobauern von Kallari verkaufen nicht, wie sonst üblich, die getrockneten Kakaobohnen an Zwischenhändler, die ihre Preise an dem Weltmarktpreis ausrichten. Stattdessen werden die frischen Bohnen von der Organisation selbst gekauft. Gesammelt wird die gesamte Ernte dann auf die Weiterverarbeitung vorbereitet. Aus etwa 40% des Kakaos lässt Kallari dann in Ecuador seine hochwertigen Schokoladentafeln herstellen. Diese werden hauptsächlich direkt an die Konsumenten oder Einzelhändler verkauft, so dass Zwischenhändler fast komplett ausgeschlossen werden und der Großteil des Gewinnes in der Kooperative verbleibt. Die restlichen 60% verkauft Kallari als Kakaobohnen oder Kouvertüre direkt an Chocolatiers.

Für die Kakaobauern bietet Kallari nicht nur einen höheren Preis, sondern regelmäßigere Einkünfte und weitergehende Unterstützung. So organisiert die Kooperative die Bio-Zertifizierung und Kurse zur Weiterbildung. Außerdem werden alle Arbeitsplätze an Mitglieder vergeben und Reisemöglichkeiten für sie gesucht. Es wird ständig nach neuen Möglichkeiten gesucht, das Einkommen der Mitglieder zu stabilisieren.

In welche Arbeitsbereiche der Kallari-Kooperative hast du bisher Einblicke bekommen? Warst du bei den Kakaobauern vor Ort und hast sie bei ihrer täglichen Arbeit begleitet? Hast du selbst auch zur Machete gegriffen?

Dorothea: In den 3 Monaten, in denen ich schon hier bin, habe ich viele Bereiche kennen lernen können. So habe ich schon mehrfach den Kakaoeinkauf und die Schokoladenproduktion begleitet. In der Tourismussparte und in einem GIZ-Projekt zum Vanilleanbau bin ich unterstützend tätig. Meine Hauptaufgabe liegt im Bereich des strategischen Marketings.

Insgesamt zwei Wochen habe ich bei Kakaobauern verbracht. Ich habe einen riesigen Respekt vor der Ausdauer, mit der sie jeden Tag harte körperliche Arbeit verrichten. Mit der Machete wollte ich schon mal beim Unkrautjäten helfen, meine Hand war jedoch nach wenigen Minuten wund.

Beschreibe einmal kurz die Abläufe bei der Kakaoernte, wie wird die Kakaofrucht zur Kakaobohne?

Dorothea: Alle zwei Wochen kauft Kallari Kakao ein. Am Tag zuvor geht dieCIMG6920_1 Familie also in ihren Kakaogarten und pflückt die reifen Früchte. An einem Sammelplatz werden sie geöffnet und die einwandfreien Bohnen in Gewebesäcke gefüllt, aus denen die Feuchtigkeit aus dem Fruchtfleisch abtropfen kann. Kallari fährt die 21 zugehörigen Dörfer an, um am Straßenrand oder auf dem Dorfplatz die Kakaosäcke zu wiegen und entsprechend zu bezahlen. Am selben Tag wird der Kakao in Kallaris Sammelzentrum in Holzkisten gefüllt, um zu fermentieren. Fünf Tage lang wird das Aroma auf diese Weise verbessert. Dann wird er zum Trocknen ausgebreitet. Je nach Wetterlage nimmt es zwei bis drei Wochen in Anspruch, bis die Bohnen verpackt und zur Weiterverarbeitung abtransportiert werden können.

Du hast eine Woche bei einer sogenannten Kichwa-Familie (ecuadorianische Muttersprachler) gelebt. Wurdest du freundlich aufgenommen und wie erlebtest du den Alltag dieser Kakaobauern?

Dorothea: Die Kichwa sind generell sehr gastfreundlich und kümmern sich sehr um ihre Besucher. Auch, wenn die Verhältnisse einfach waren, haben sie sich sehr darum bemüht, dass es mir an nichts fehlte. Besonders der Alltag der Frauen, die sich meist um Haushalt und Farm kümmern, ist von vielen Verpflichtungen und körperlicher Arbeit geprägt. Trotzdem findet sich immer wieder Zeit für Gespräche mit Verwandten und Nachbarn. Die Kinder gewöhnen sich schon früh daran, nach Schulschluss mitzuhelfen.

Für uns als Schokoladenproduzent steht Ecuador sehr stark im Zusammenhang mit Edelkakaosorten wie dem sogenannten „Cacao Nacional“, auch als Arriba-Kakao bekannt. Hast du den Anbau dieser Sorte beobachten können?

Dorothea: Der Großteil des Kakaos von Kallari ist dieser „Cacao Nacional de Arriba“ mit seiner strahlend gelben, reifen Frucht. Komplementiert wird diese Sorte mit Edelkakaos wie dem Criollo, Porcelano und Trinitario.

Wie sieht es im Bereich Nachhaltigkeit aus, was tut die Kallari-Kooperative, um ihren Kakao biologisch zu erzeugen?

Dorothea: Alle Kakaobauern Kallaris sinDSCN0997_1d EU-Öko-zertifiziert oder in der 3-jährigen Übergangszeit bis zur Erstellung des Zertifikats. Jedes Jahr werden die Kakaogärten dreimal unangemeldet auf ihre biologische Handhabung hin kontrolliert. Traditionell bauen die Kichwa-Familien ihre Erzeugnisse biologisch in einem gemischten Garten an. Die so genannte Chakra kann sich aus über 50 Arten von Nutzpflanzen zusammensetzen. Kallari kauft nur Kakao aus dieser Anbauform, die den Erhalt der Biodiversität fördert. Zwischen den Pflanzen bestehen symbiotische Beziehungen, die die Ernte verbessern und die mikrobiologische Qualität des Bodens erhöhen. Auch durch die relativ großen Abstände zwischen den einzelnen Bäumen werden die Nährstoffe schonend genutzt. Kallari unterstützt die ökologische Nachhaltigkeit des Weiteren, indem über traditionelle Heilpflanzen unterrichtet und ihr Anbau empfohlen wird. Daneben ist soziale Nachhaltigkeit ein Ziel Kallaris.

Soziale Nachhaltigkeit ist ein gutes Sichwort. Fördert Kallari auch die Bildung der Kleinbauernkinder? Du hast beobachtet, dass sie schon früh beim Kakaoanbau mithelfen, gehen sie aber auch regelmäßig zur Schule?

Dorothea: DSCN1108_1In Ecuador besteht für Kinder die Schulpflicht, und alle Kinder der Kichwa gehen jeden Wochentag in die Dorfschule. Nach Schulschluss wird zuerst gegessen und danach eventuell in der Chakra mitgeholfen. Jedes Mal, wenn wir auf Entdeckungstour gegangen sind, hat der jüngere Sohn sich gefreut, dass er mit durfte und mir viele Pflanzen erklärt.
Kallari unterstützt die Schulkinder, indem Besuchern empfohlen wird, Schreibmaterialien als Gastgeschenk mitzubringen. Außerdem wird jüngeren wie älteren Erwachsenen ermöglicht, während des Arbeitens in der Organisation zu studieren.

Wie wird dein Aufenthalt in Ecuador weiter gehen, bleibst du noch längere Zeit bei Kallari oder wirst du noch andere Regionen Ecuadors bereisen?

Dorothea: Ich bleibe noch zwei weitere Monate bei Kallari. Da mein Visum auf 180 Tage beschränkt ist, bleiben mir danach noch etwa zweieinhalb Wochen, um andere Regionen etwas besser kennen zu lernen.

Abschließende Frage: Bist du selbst ein echter Schokoladen-Fan und hast vor Ort auch einige in Ecuador produzierte Schokoladen probieren können?

Dorothea: Ja, besonders auf dunkle Schokolade kann ich für längere Zeit kaum verzichten. Bis jetzt habe ich nur Kallaris hier produzierte Schokolade probiert. Ich hoffe, auf einer Kakaomesse nächste Woche noch andere Marken Ecuadors kennen zu lernen. Davon gibt es aber gar nicht so viele – 98% des in Ecuador produzierten Kakaos werden zur Weiterverarbeitung exportiert.

Liebe Dorothea, vielen Dank für diese spannenden Einblicke in den Kakaoanbau in Ecuador! Wir wünschen dir weiterhin noch eine tolle Zeit!

Dorothea: Gerne, Katharina! Ich freue mich darüber, meine einzigartigen Erlebnisse hier teilen zu können. Ich empfehle jedem Interessierten, selbst her zu kommen und alles anzuschauen, Kallari steht jedem offen.