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Eine Forschungsreise zum Ursprung des Kakaos in Ecuador – Teil III: Das Leben der Kakaobauern

Teil 3. Die Frage nach dem perfekten Kakaoanbau

[Wer die bisherigen Teile der Ecuador-Expedition verpasst hat: Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2.]

Eduards Segeltrip (siehe Teil 2) endete schließlich mit der Überquerung des Atlantiks auf Antigua. Von dort gab es einfach kein rechtzeitiges Wegkommen per Segelboot, sodass der letzte Teil mit dem Flieger bewältigt werden musste. Von Antigua nach Kolumbien und danach mit dem Bus nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors. Ich hingegen wählte den einfacheren Weg nach Ecuador: Mit dem Flugzeug. Aber weil das nicht gerade eine sehr umweltfreundliche Art zu Reisen ist, habe ich meinen durch den Flug verursachten CO2-Ausstoß bei Atmosfair (www.atmosfair.de) „kompensiert“. In Quito wartete Eduard bereits am Flughafen auf mich und eine Minute später saßen wir schon im lauten, knatternden Bus, der mit einer schwarzen UOPROCAE_Fischer_2_600x800_webQualmwolke davon düste. Hallo Ecuador!

Während unseres Aufenthalts in Ecuador besuchten wir elf Kakao-Kooperativen, wohnten dabei meist bei Familien der Kakaobauern- und bäuerinnen und über die reine Forschung hinaus bauten wir zwischenmenschliche Beziehungen auf, die mit keinem Siegel dieser Welt messbar sind. Wir wollten wirklich verstehen, was die KakaoproduzentInnen sich für ihre Arbeit mit dem Kakao wünschen. Und wir wollten wissen, wie ökologisch Bio-Kakao eigentlich ist, ohne schon vorher mit einer Checkliste daherzukommen, um zu prüfen, ob sie unseren Wertevorstellungen und Standards „gerecht werden“.

Nachdem wir uns ein paar Tage in Quito organisiert haben, ging es los zur ersten Kakao-Kooperative an die Küste nach Esmeraldas, genauer gesagt nach Atacames. „Oh… Esmeraldas? Es un poco peligroso. ¡Cuídate!“, wurde uns mehrmals gesagt. Was bedeutet, dass wir dort besondere Vorsicht walten lassen sollten, denn wir fuhren in eine der ärmsten Provinzen Ecuadors. Dort angekommen, spürten wir gleich, dass wir nicht mehr im andinen Quito waren. Wir waren nun an der Küste, wo uns das schwüle Klima fast erschlug, als wir aus dem klimatisierten Bus stiegen. Hier also sollte irgendwo der besagte Kakao wachsen.

In Atacames ist die Kakao-Kooperative „APROCA“ und die dazugehörige Dachorganisation „UOPROCAE“ beheimatet. Die Namen klingen meistens so merkwürdig, da es Abkürzungen sind: UOPROCAE bedeutet „Unión de Organizaciones de Cacao Arriba Esmeraldas“. „APROCA“ hingegen „Asociación de Productores de Cacao Atacames“. Der letzte Buchstabe steht hier also immer für den Ort wo sich die Kooperative befindet.
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Francisco, der Geschäftsführer von UOPROCAE, erwartete uns schon. Ich glaube die wirklich erste Frage nach dem üblichen „que tal?“ („wie geht’s“) war: „Habt ihr ökologischen Mückenschutz?“ Wir wunderten uns, dass er sich so um unsere Gesundheit sorgt, da er unsere Fläschchen penibel auf deren Inhalt prüfte. Doch dann stellte sich schnell heraus: Es geht um die Gefahr von Kontamination des Bio-Kakaos durch chemischen Mückenschutz. Wow, wir waren beeindruckt von so viel Vorsicht. Er drückte gleich jedem von uns ökologischen Mückenschutz in die Hand und dann konnten wir in Ruhe ankommen.

UOPROCAE dient als Dachorganisation für sechs Basis-Kooperativen, die in der Region von Esmeraldas verteilt sind. Innerhalb dieser Kooperativen sind die KakaoproduzentInnen organisiert. Diese sind quasi selbstständige Kleinbauern und -bäuerinnen (das heißt, sie haben ca. 1-10 ha Land) und verkaufen ihren Kakao an die Basiskooperative, zu welcher sie gehören. Über die Dachkooperative wird dann der Handel abgewickelt, Zertifizierungen auf dem neuesten Stand gehalten, Schulungen organisiert und so weiter. UOPROCAE ist zu 100% Fairtrade- und Bio-zertifiziert und einige ProduzentInnen haben auch Demeter-zertifizierten Kakao. Was wir jedoch an UOPROCAE besonders spannend fanden: Regenerativer Kakaoanbau. Denn dieser Ansatz geht sogar noch einen Schritt weiter als Fairtrade-und Bio-Anbau. Warum weiter? Ist Bio und Fairtrade nicht genug?

Vielleicht vorab: Wir möchten hier niemandem den Genuss an Schokolade verderben! Im Gegenteil. Und Fairtrade und Bio sind im aktuellen System häufig die besten Alternativen auf dem Markt, wenn es um ethischen Konsum geht. Aber es sollte eben noch einen Schritt weiter gehen. Wir kommen dann auch zu hoffnungsvollen Lösungsansätzen, versprochen!

Der Anteil an Fairtrade und Bio-Schokolade wächst und bis zum Jahr 2020 haben sich viele große Schokoladenhersteller zum Ziel gesetzt, nur noch zertifizierten Kakao zu kaufen. Und doch weist das Kakaobarometer 2015 darauf hin, dass der Großteil der KakaoproduzentInnen immer noch unterhalb der von der UNO definierten Armutsgrenze lebt. Ist es also egal, ob ich zertifizierte Schokolade kaufe oder nicht?

Diese Frage stellten wir auch George, der Kakaoproduzent bei UOPROCAE und Vertreter der Basiskooperative ‚Eco-Cacao‘ ist. Natürlich sei das nicht egal und im aktuellen System besser als konventioneller, unzertifizierter Kakao. Denn durch die Zertifizierungen habe sich die Organisationsstruktur der Kooperative wesentlich verbessert und durch den Anbau von Bio-Kakao werde die Umwelt weniger belastet und zerstört, die Bauern und Bäuerinnen kommen nicht mit Giftstoffen wie dem Totalherbizid Glyphosat in Kontakt und die Böden und Gewässer, von denen sie leben, werden geschont. Die Zertifizierungen stellen jedoch auch einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Kooperative dar, der durch die Siegel-Prämien nicht ausreichend kompensiert werde. Außerdem seien ein wesentliches Problem die Zertifizierungskosten, die jährlich pauschal anfallen, unabhängig von der tatsächlichen Verkaufsmenge des zertifizierten Kakaos. Denn manche Kunden zahlen zwar den Aufpreis für das Bio-Zertifikat, haben aber kein Interesse an dem Fairtrade-Zertifikat. Eine Verbesserung wäre laut George, wenn beispielsweise die jährlichen Zertifizierungskosten abhängig von der tatsächlich verkauften Menge zertifizierten Kakaos berechnet werden würden.

Während unserer Reise stellten wir immer wieder fest, dass viele Kooperativen durch unbezahltes Engagement ihrer Mitglieder am Leben gehalten wurden, denn es mangelt an Geldern, um grundlegende Arbeiten zu entlohnen. Angel und Felipe zum Beispiel leben unter der Woche im Bürohaus der Kooperative, um Kakao der Mitglieder entgegenzunehmen und die Kooperative vor Einbrüchen zu bewachen.
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Ihre Familien leben einfach aber idyllisch auf dem Land, sodass sie ihre Kinder und Ehefrauen nur am Wochenende sehen. Angel ist bereits über 70, aber dennoch leidenschaftlich und sehr agil in seiner Arbeit. Er lacht viel und auf den ersten Blick scheint es ihm nicht viel auszumachen. Aber abends, wenn wir zusammen in der provisorischen Küche kochten, erzählte er uns, wie prekär die Lage für ihn und die Kooperative sei, da es keine Finanzen in der Kooperative gibt, um jemanden für diese Stelle zu bezahlen.

Aus diesem Grund sind es häufig lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen, die den Kooperativen helfen, Zertifizierungskosten zu bezahlen, oder Schulungen anzubieten. Da solche Projekte aber meist auf einige wenige Jahre begrenzt sind, verhilft das den Kooperativen nicht gerade zur Eigenständigkeit. Langfristige direkte UOPROCAE_bei Ademir_Fischer_600x450_webHandelsbeziehungen mit Schokoladenunternehmen hingegen können es Kooperativen ermöglichen, auf eigenen Beinen zu stehen, wie es uns einige Beispiele später auf der Reise zeigen sollten.

Ein Tag bei der Kakaoernte mit dem Vater von Luis (Luis arbeitet in der Kooperative) hat mir gezeigt: Auweia, ist das anstrengend! Die Kakaobäume sind häufig in hügeliger Landschaft, sodass man mit seinen Gummistiefeln manchmal einige Meter im Matsch rutscht und aufpassen muss, nicht auf dem Hintern zu landen. Gut, mit „einigen Metern“ übertreibe ich hier natürlich etwas. Aber für Laien wie mich war allein das Herumlaufen auf der Plantage schon eine Herausforderung. Die Kakaofrüchte wurden mit der Machete vom Baum geschnitten, geöffnet und die vom weißen, schleimigen Fruchtfleisch (der pulpa) umgebenen Kakaobohnen in einen Eimer geleert. Umzingelt von Mücken, lutscht man während der Arbeit auch mal auf Kakaobohnen herum, die ganz und gar nicht an den Geschmack von Kakao oder Schokolade erinnern. Es ist ein fruchtiges, sauer-süßes Geschmackserlebnis, mich erinnert es ein kleines bisschen an Litschis. Verschwitzt und ein wenig zerstochen ging ein Erntetag zu ende. „Respekt vor den Kakaobauern, die das ständig machen“ war mein letzter Gedanke, bevor ich in einen tiefen erholsamen Schlaf fiel.
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Einen Tag half ich dabei, Setzlinge für neue Kakaobäume zu pflanzen. Dies war eine Gemeinschaftsaktion der Jugendorganisation von UOPROCAE. Die Jugendorganisation besteht aus 15-25-jährigen Jugendlichen und soll der Kooperative helfen, auch in Zukunft KakaoproduzentInnen zu haben. Denn auch hier in Ecuador zeigt sich der globale Trend, dass die große Mehrheit der heutigen KakaoproduzentInnen um die 50 Jahre alt ist und die nächste Generation lieber in Städte abwandert um dort Geld zu verdienen – denn in Ecuador z.B. gibt es bei einem Anstellungsverhältnis immerhin einen gesetzlichen Mindestlohn, der einem selbstständigen Kleinbauern nicht garantiert ist.

Um den Kakaoanbau für Mensch und Natur fairer zu gestalten, arbeitet die Kooperative UOPROCAE am sogenannten ‘regenerativen Kakaoanbau‘. Mit dem Projekt ‚Cacao regenerativo‘ (www.regenerativecacao.com) haben sich einige Mitglieder der Kooperative zur Grundlage gemacht, Kakaoanbau ganzheitlich zu betrachten und der Essenz von Kakao näher zu kommen: Eine aus dem Amazonas Ecuadors stammende Pflanze, die ursprünglich in einem diversen und intakten Ökosystem wuchs und in vielen alten Kulturen Lateinamerikas von höchst kultureller Bedeutung war.UOPROCAE_regenerativo_Fischer_1200x900_web

Inspiriert von Permakultur-Prinzipien stehen ökologische und soziale Gesundheit hier an oberster Stelle. Das heißt unter anderem, dass beim Anbau nicht nur auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, wie es im Bio-Anbau der Standard ist, sondern der Kakao in einem artenreichen Ökosystem angebaut wird und früher abgeholzte Flächen wieder aufgeforstet werden. Im Vordergrund stehen Humusaufbau und die Stärkung und Wiederbelebung von Artenvielfalt, um intakte und widerstandsfähige Waldökosysteme zu schaffen. Das macht die empfindlichen Kakaobäume im Vergleich zu Monokulturen resistenter gegen Schädlinge, lässt den Boden ordentlich CO2 speichern und wirkt sich auch sozial-ökonomisch positiv auf die ProduzentInnen aus: denn durch den Anbau von Nahrungsmitteln wie Papaya, Bananen, Avocados, diversen Zitrusfrüchten und anderen Pflanzen sind die ProduzentInnen resilienter gegenüber Marktschwankungen des Kakaopreises und schlechten Ernten. In Kürze: Regeneration bedeutet Heilung und Erneuerung von geschädigten oder ungesunden Ökosystemen.

Zentrum dieses progressiven Projekts ist der Ort Caimito, ein wunderschönes kleines Kakaoparadies an der Küste von Esmeraldas. Hier lebt Fabiola, die mit Herzblut an einem besseren Leben für die Gemeinde arbeitet – und das durch regenerativen Kakaoanbau und Ökotourismus . Denn dieser Ort lockt Interessierte aus aller Welt an, die erfahren wollen, was „regenerativer Kakaoanbau“ bedeutet und was vielleicht nächste Schritte nach dem aktuellen Standards von Bio und Fairtrade sein könnten. Die Kakaoplantagen hier erinnerten auf den ersten Blick ganz und gar nicht an Plantagen, sondern eher an eine typischen Tropenwald. Hier mussten wir unseren Weg durch verschiedenstes Gestrüpp suchen, wobei einem Fabiola laufend die Pflanzen erklärte – von medizinischen Heilkräutern bis zu Kochbananen. Während ich versuchte ihr zuzuhören und dabei nicht auszurutschen oder von Ästen erschlagen zu werden, befand sich Eduard in weiter Ferne hinten dran und machte GPS-Aufnahmen und Fotos für unsere Ökosystemanalyse, die wir in den meisten Fincas machten.

Ja, die Datenerhebung war nicht immer einfach, da wir nach solchen Wanderungen entweder bei Familien, wie der von Ademir wohnten, wo wir umzingelt von Kindern versuchten, das Gelernte vom Tag irgendwie niederzuschreiben… und ab und an auch mal aufgaben und lieber Ukulele mit den Kindern spielten oder Salsa tanzten. Ja, die Kids zeigten uns, wie das geht. Oder aber wir befanden uns gerade auf dem Weg von einem Ort zum nächsten und arbeiteten auch mal auf der Ladefläche eines LKWs.
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Duschen gab’s dann auch nicht immer, oft war es eine Regentonne, aus der man sich zum Beispiel mit einem Bauarbeiterhelm Wasser über den Kopf schüttete, während Ameisen am Fuß hoch krochen und ich die Worte meines Tropenarztes verbannen musste, nicht in stehenden Gewässern zu baden, da dort Mücken ihre Larven legen. Eine Regentonne würde ich als stehendes Gewässer bezeichnen, aber naja, ich hatte keine Wahl. Ich fühlte mich zumindest frischer danach! Und Eduard erinnerte mich immer wieder auf dieser Reise an unseren außergewöhnlichen Daseinsgrund: Fast als ob er es sich selbst in Erinnerung rufen müsste, wiederholte er immer wieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht „Wir sind Forscher in Ecuador“!

Die Reise war hier noch lange nicht zu Ende. Wir besuchten noch weitere Kooperativen und Projekte in entlegenen Teilen des ecuadorianischen Regenwaldes, wo eine Kakao-Kooperative unter anderem daran arbeitet, die vom Aussterben bedrohten Klammeraffen (engl. „spider monkeys“) zu schützen. Und wir fuhren nach Tena im Amazonasbecken, wo eine von Frauen dominierte Kooperative den Erhalt der nativen Kichwa-Kultur durch Kakaoanbau zu schützen versucht. Und dann besuchten wir noch Carlos, den Präsidenten einer Kooperative, die nicht Bio und nicht Fairtrade zertifiziert ist. Nicht, weil er es so will, sondern weil die Kooperative skrupellosen Zwischenhändlern ausgeliefert ist. Was das bedeutet, berichten wir im nächsten und wohl letzten Blogeintrag unserer Ecuador-Reise. Mit Carlos und seinem 16-jährigen Sohn Gabriel erlebten wir auch das 7,8 starke Erdbeben, das Ecuador am Abend des 16. April schwer erschüttern ließ, mehr als 750 Menschen das Leben nahm und vielen weiteren Menschen ihr Zuhause zerstörte.

Davon, und auch von dem was wir daraus gelernt haben, berichten wir im nächsten Blogeintrag.

Bildrechte:
Alle Bilder © Fischer, außer Bild 3 & 5 © Radeljić

From-tree-to-bar Teil 1: Der Kakaobaum

Wir lieben Schokolade! Aber wo kommt sie genau her, was steckt dahinter und wie werden aus der Kakaofrucht am Ende Schokolade und Kakao? Diesen und vielen weiteren Fragen geht das neue, umfangreiche Blog-Special „From Tree To Bar“ in vierteiliger Serie nach. Der Kakaobaum macht den Anfang – wo wächst er, was sind seine Besonderheiten? Im nächsten Teil wird die Kakaofrucht genauer unter die Lupe genommen – wie sieht sie aus, was kann man aus ihr machen? Teil drei widmet sich der Kakaobohne und ihrer Weiterverarbeitung auf dem Weg zur Schokolade. Der vierte Teil beschäftigt sich schließlich mit der Frage, was mit den Kakaobohnen passiert, wenn sich die Türen der Schokoladenfabrik hinter ihr schließen… Eine Reihe mit vielen Informationen und neuen Einblicken in die Welt der Schokolade.Kakaobaum_2

Der Kakaobaum – eine tropische Schönheit

Schokolade wächst zwar nicht auf Bäumen, aber die Hauptzutat für Schokolade, der Lieblingssüßigkeit Nummer 1 vieler Menschen, wächst ursprünglich tatsächlich auf Bäumen. Die Kakaobohnen kommen also, wie soll es anders sein, vom Kakaobaum. Dieser tropische Baum aus der Familie der Malvengewächse trägt den wissenschaftlichen Namen „Theobroma cacao L.“. Das „L.“ steht für den großen schwedischen Botaniker und Naturwissenschaftler Carl von Linné, der sich eingehend mit dem Kakaobaum beschäftigte und ihm den Namen Theobroma cacao verlieh. Dieser aus dem Griechischen entlehnte Name lässt sich in etwa mit „Götterspeise Kakao“ übersetzen und geht zurück auf die geschichtlichen Ursprünge des Baumes, der bei den Azteken, Mayas und anderen Völkern Mittel- und Südamerikas verehrt und früh kultiviert wurde. Wir haben bereits im VIVANI Schoko-Blog über einige Legenden aus dieser Zeit berichtet.

Das Aussehen des Kakaobaumes ist unverwechselbar und sehr exotisch. Es handelt sich um einen tropischen Unterholzbaum, der nur einen sehr dünnen Stamm von ca. 20 cm Durchmesser hat und etwa 10 bis 15 Meter hoch werden kann. Auf vielen Plantagen wird ihm diese Höhe aufgrund der komfortableren Ernte der Früchte jedoch verwehrt, weshalb er auf 2 bis 4 Meter gestutzt wird. Die Blätter sind groß und lang (bis 35 cm), glatt und erinnern etwas an einen Gummibaum. Aber seine wahre Schönheit offenbart der Kakaobaum, wenn es um seine Blüten und Früchte geht, die beide jeweils direkt am Stamm wachsen und farbenprächtig erstrahlen. Die Stammblütigkeit, Kauliflorie genannt, wirkt faszinierend und lässt die Kakaobäume bei ihrer vollen Reife mit etwa 10 bis 12 Jahren mit bis zu 100.000 (!) Blüten jährlich erstrahlen! Die kleinen Blüten haben eine gelblich-weiße oder rötliche Färbung und bilden sich das ganze Jahr über neu. Das ist auch der Grund, weshalb sich häufig Blüten und Früchte gleichzeitig am Kakaobaum befinden.
Die faszinierenden Blüten erfahren eine Steigerung in den großen, farbenprächtigen Kakaofrüchten, die von gelb über rot bis hin zu violett alle erdenklichen Schattierungen aufweisen können. Um den Umfang nicht zu sprengen, erfahrt ihr alles über die Kakaofrucht, ihre Ernte und Verwendungsmöglichkeiten im baldigen zweiten Teil unseres „From Tree to Bar-Specials“.Kakaobaum_1

Der Kakaobaum – eine tropische Diva

In Fachkreisen hat der Theobroma cacao längst einen Ruf als Diva unter den Gewächsen. Wenn die Anbaubedingungen nicht stimmen, muss entweder ein schlechter Ertrag oder der Griff zur Chemiekeule in Kauf genommen werden (zweiteres kommt für uns natürlich nicht in Frage!). Dafür gibt es eine Vielzahl von Einflussfaktoren. So ist grundsätzlich ein Anbau nur in tropischen Regionen möglich, die idealerweise etwa bis um den jeweils 10º nördlicher und südlicher Breite liegen. Ab 20º nördlicher und südlicher Breite tragen Kakaobäume dann keine Früchte mehr. Auch die Temperaturen müssen stimmen, nicht unter 16 ºC, nicht über 35 ºC, ebenso der Niederschlag, der gleichmäßig sein und mindestens 100 mm pro Monat betragen muss. Bei zu großer Trockenheit verwelken die empfindlichen Kakaofrüchte. Schließlich ist noch zu beachten, dass der Kakaobaum in Äquatornähe nur bis zu einer maximalen Höhe von etwa 1.000 Metern gedeiht.

Da es sich beim Kakaobaum um ein Schattengewächs handelt, ist ein ausreichender Sonnenschutz besonders wichtig. Dieser wird durch den gleichzeitigen Anbau von Schattenpflanzen erreicht. Da in diesem Fall die Kakaobäume nicht so dicht gepflanzt werden können wie in Monokulturen, werden häufig Schattenspender verwendet, die ebenfalls Erträge liefern, wie z. B. Bananen oder Ölpalmen. Durch einen derartigen Anbau, der zumeist von Kleinbauern betrieben wird, sind die Kakaobäume weniger anfällig und bedürfen in der Regel keines Pestizideinsatzes. Somit eignet sich diese Anbauform insbesondere für die ökologische Erzeugung von Kakao, die aufgrund des höheren Kakaopreises die geringeren Erträge der Bauern wieder ausgleicht. Eine Weiterentwicklung dieser Anbauform ist das Agroforstsystem, das neben unterschiedlichen Schattenbäumen auch andere Nutz- und Bodenpflanzen in den Kakaoanbau integriert und dadurch die Gesamterträge für die Bauern noch verbessert.
Problematisch wird es beim Thema Monokulturen. In großem Plantagen, hauptsächlich in Afrika und Asien, stehen die Kakaobäume dicht gedrängt wodurch sich Schädlinge und Krankheiten sehr schnell verbreiten. Chemie und Dünger müssen zum Einsatz kommen, um Schädlinge abzutöten und ausgelaugte Böden aufzubereiten. Dies alles hat einen sehr negativen Einfluss auf die Umwelt, Menschen und Tiere in der Umgebung. Um die Erträge zu steigern, wird in Monokulturen auch auf Schattenbäume verzichtet. Als Ersatz kommen häufig Netzte zum Einsatz, die zusätzlich Tiere fernhalten. Weil in Monokulturen häufig die Mücken wegfallen, die die Blüten bestäuben, wird in der Regel künstlich, von Menschhand bestäubt. Denn: Auf natürlichem Wege entstehen nur aus 5 % der Kakaoblüten reife Früchte, das sind jährlich etwa zwischen 20 und 30 Früchte, maximal jedoch 50 bis 60.

Ein Kakaobaum braucht viele Jahre bis er die ersten Erträge liefert. Zeigen sich erst nach 2 bis 3 Jahren die ersten Blüten, muss ein Kakaobauer insgesamt sogar 5 bis 6 Jahre auf seine erste Ernte warten. Nach 25 Jahren gehen die Erträge des Kakaobaumes zurück, weshalb er auf Plantagen dann durch neue, junge Bäume ersetzt wird.

Der Kakaobaum – ein tropischer Exportschlager

Kakaobäume gibt es in vielen verschiedenen Unterarten, im Laufe der Geschichte entstanden durch Kreuzungen tausende Sorten. Der Ursprung des Kakaobaumes wird in Mittel- oder Südamerika vermutet, wobei sich die Wissenschaftler noch um die genaue Ursprungsregion streiten. Was jedoch klar ist: Der Kakaobaum lässt sich grob in drei Hauptsorten unterteilen, den Criollo, den Forastero und den Trinitario. Der Criollo wächst in Mittel- und Südamerika und ist als sogenannter Edelkakao die Basis für sehr feine, aromatische Schokoladen mit hohem Kakaoanteil. Die Sorte ist sehr empfindlich und liefert nur geringe Erträge. Der Weltmarktanteil liegt um die 10 %. Der Forastero ist als billiger „Konsumkakao“ bekannt und stammt zumeist aus Westafrika. Der Geschmack ist herber und dient eher zur Herstellung von Milchschokoladen und Kakaopulver. Da die Forastero-Bäume nicht so anfällig sind, liefern sie hohe Erträge. Der Weltmarktanteil liegt bei 70 %. Der Trinitario vereint als Kreuzung der beiden anderen Sorten ihre positiven Eigenschaften: Kräftiges aber feines Aroma und geringe Anfälligkeit. Der Trinitario ist mit etwa 20 % auf dem Weltmarkt vertreten.

Hier gehts zu „From-tree-to-bar“ Teil 2: Die Kakaofrucht
Hier gehts zu „From-tree-to-bar“ Teil 3: Die Kakaobohne und ihre Weiterverarbeitung
Hier gehts zu „From-tree-to-bar“ Teil 4: Aus Kakaomasse wird Schokolade

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Die VIVANI Kakao-Königin kommt in den Biohandel

Aufgrund des Erfolgs unserer VIVANI „Feine Bitter 92%“ nun die logische Konsequenz: Mit der neuen Feinschmecker-Sorte „Feine Bitter 99%“ begeben wir uns endgültig auf die dunkle Seite der Schokolade. Mehr Kakao geht nicht, mehr Ursprünglichkeit ebenfalls nicht. Die Sorte ist wirklich nichts für unerfahrene Gaumen, dennoch aber sehr mild und toll schmelzend. Wer dunkle Schokolade liebt, darf sich gerne überraschen lassen. Einfach einmal im nächsten Bio-Laden ausprobieren.
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Hierdurch besticht die „Feine Bitter 99%“:

besonders reich an wertvollen Antioxidantien
extrem geringer Zuckeranteil

feinster Schmelz, trotz hohem Kakaogehalt

Dunkle Schokolade ist Liebhaber-Schokolade

Dem Genuss von extrem kakaohaltigen Schokoladen unterstellt man gemeinhin, eine staubtrockene Angelegenheit zu sein. Für den Hersteller ist es, gerade bei dieser besonderen Form von dunkler Schokolade, eine große Herausforderung, einen optimalen Schmelz zu erzeugen. Oftmals muten pure Kakaoschokoladen grob und bröselig an und erzeugen ein säuerliches Mundgefühl. Letzteres lässt sich über die Auswahl der Kakao-Sorte allerdings maßgeblich beeinflussen. Bei unserem dunklen Neuling „Feine Bitter 99%“ verwenden wir daher einen besonders milden Bio-Kakao aus Panama. Trotz des hohen Gehalts bleibt hierdurch ein ausgewogenes Aroma erhalten, wodurch sich die fruchtigen Kakao-Noten ideal entfalten können. Verfeinert wird die Sorte durch einen Hauch von Kokosblütenzucker.

Hochprozentige Kakao-Schokoladen – mit überschaubarer Zutatenliste – erfreuen sich in Fachkreisen einer ganz besonderen Beliebtheit. Kenner schätzen hierbei vor allem den ursprünglichen Geschmack des Kakaos, der – wie bei anderen Genussmitteln, wie Kaffee, Tabak und Whisky – je nach Herkunftsland und Anbaumethode seine ureigenen Vorzüge mit sich bringt.

Ab sofort bestellbar im VIVANI Onlineshop.

Geheimnisvolles Kakao-Land Panama

Central America 111_webPanama, der schmale Staat mit der charakteristischen Landkarten-Zeichnung, wirkt wie eine zerbrechliche Brücke zwischen Mittel- und Südamerika. Im Vergleich zu seinen großen Brüdern Ecuador und Peru gilt er eher als Kakao-Provinz denn Kakao-Nation. Vielleicht zu unrecht. Die Kleinbauern-Kooperative COCABO im Westen des Landes ist mit rund 1.500 Mitgliedern die erste und größte Kooperative Panamas. Aber auch andernorts hat man sich dem Kakao-Anbau verschrieben, zum Beispiel in der Inselregion Bocas del Toro. Die dort ansässigen, zumeist indigenen Bauern kultivieren in erster Linie hochwertigen Bio-Kakao. Für die rund 700 Bauernfamilien hat der nachhaltige, sorgsame Umgang mit der Natur kulturelle Tradition und spiegelt sich in den Anbau- und Erntemethoden wieder. Das Markenzeichen des Insel-Kakaos ist seine charakteristische Milde, welche den Kakao besonders für die Spezialitätenserie von VIVANI interessant macht. Das Zusammenspiel des fruchtigen Kakaos mit der zarten Süße des Kokosblütennektars macht die Panama-Serie zu echten Liebhaber-Schokoladen mit raffinierter Eigennote.