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Newsticker: Neues aus der Ecole Amitié Cap Haitien

Wie ihr vielleicht wisst, setzen wir uns im Rahmen unserer „KIDS for KIDS“-Kampagne für den Erhalt der Ecole Amitié („Schule der Freundschaft“) in der haitianischen Küstenstadt Cap Haitien ein. Eine Oase der Menschlichkeit, die Armustkindern und Restaveks mit leidenschaftlichem Einsatz die Chance auf eine bessere Zukunft ermöglicht und sie so vor der Bedrohung von Kinderarbeit und -versklavung schützt. In diesem Blog-Ticker halten wir euch immer auf dem Laufenden, was es Neues im Leben der Schüler, ihrer Lehrer und der ehrenamtlichen Helfer gibt. Freude und Leid liegen manchmal so nah beieinander…

+++ 11. Juli 2017 | LEHRERSEMINAR +++
Die Schule der Freundschaft Ecole Amitié in Cap Haitien freute sich über ein 3-tägiges Seminar für Lehrer (vom 3. bis 6. Juli 2017), gesponsert und durchgeführt von der „University of Florida”. Mehr als 400 Lehrkräfte aus verschiedenen Schulen der Umgebung nahmen teil – darunter auch ALLE Lehrer der Ecole Amitié. Das Seminar wurde in Kreole mit Hilfe von Übersetzern gegeben. Thema: Die wichtige Rolle von Lehrern bei der sozialen Entwicklung der Gemeinschaft.


+++ 26. Mai 2017 | ZUM THEMA NATIONAL-FAHNE (DRAPO) +++

In fast allen haitienischen Schulen findet jeden Morgen um 8 Uhr vor Beginn des Unterrichtes die „Ceremonie du drapo“ statt.  Am Nachmittag zum Schulschluss dann das Herablassen der Fahne Haitis. Am 18. Mai eines jeden Jahres wird dann traditionsgemäß das „fèt drapo” (Fest der Fahne von Haiti) mit grosser Begeisterung gefeiert, wobei die Straßenumzüge der Blechkapellen der verschiedenen Schulen zur großen Show auf dem Fußballplatz der Stadt den Höhepunkt darstellen. Es hat den Charakter und die Stimmung von einem Karveval, mit vielen Phantasieuniformen und eingeübten Choreographien. Die Straßen sind gesäumt von mittanzenden Zuschauern.


+++ 24. Januar 2017 | FESTE GEHÄLTER FÜR ALLE LEHRER +++
Dank der Spenden von VIVANI konnten die Lehrer der Ecole Amitié nicht nur ohne Verzögerung merci_300x500ihr Dezember 2016 Gehalt erhalten, sie bekamen sogar zum ersten Mal seit Beginn der Schule ein zusätzliches 13. Monatsgehalt als Bonus zum Jahresende (in Haiti üblich bei fest angestellten Personen). Diese „Neuerung“ wurde mit Freude und grosser Dankbarkeit in Empfang genommen – zumal im Lande, trotz der Bestätigung von Jovenel Moise als neuem Präsidenten, doch weiter ein starkes Gefühl von Ungewissheit über die Zukunft herrscht. An der Schule hat der Unterricht nach den Winterferien am 9. Januar 2017 wieder begonnen und läuft planmässig auf die nächsten Klassenarbeiten zu, die im März anstehen. Es ist noch viel aufzuholen nach dem Zeitverlust durch die November-Flut. Wenigstens hier etwas Stabilität und Zuversicht.

+++ 30. NOVEMBER 2016 | ALLE PACKEN AN +++
Nachdem die sintflutartigen Regenfälle endlich geendet haben, geht es gemeinsam an die Aufräumarbeiten. Lehrer, Helfer und Schüler, alle packen an, damit der Schulbetrieb bald wieder starten kann. Auch politisch gibt’s etwas mehr Sonnenschein: Nach den von Wahlbetrug und Korruption gezeichneten regierungslosen Übergangsmonaten hat Haiti mit Jovenel Moise Sieger endlich einen neuen Präsidenten!
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+++ 21. NOVEMBER 2016 | SCHULE ERNEUT GEFLUTET +++
Der Starkregen in Haiti hält an. Nachdem die Schäden der letzten Überschwemmung einigermaßen beseitigt werden konnten, wurden die Schüler und Lehrer von neuen Wassermassen überrascht. Diesmal kam das Wasser nicht vom Berg herunter, sondern vom Fluss und vom Meer, was zur Folge hat, dass der Schulhof nicht nur knietief geflutet, sondern auch noch vollends vermüllt ist. Es bleibt zur hoffen, dass hierdurch keine Krankheiten und Seuchen begünstigt werden…

+++ 10. NOVEMBER 2016 | STARKE ÜBERSCHWEMMUNG IN DER ECOLE AMITIÉ +++
Hatte der Hurrican Matthew, der vor allem im Süden des Landes wütete, die „Schule der Freundschaft“ noch verschont, hat nun ein erneutes Unwetter zugeschlagen und seine zerstörerischen Spuren hinterlassen. Die Schule wurde von starken Regenfällen, die aktuell immer noch andauern, vollständig überschwemmt. Zum Glück konnten die gerade erst angeschafften Nähmaschinen gerettet werden, aber die neuen Judo-Matten des „Club Cobra“ werden wohl nicht mehr zu gebrauchen sein. Ein herber Rückschlag – vor allem für die Kinder.block-ticker_1200x800

KIDS for KIDS Vorzeigeprojekt – Die Ecole Amitié in Haiti

– Ein Interview mit Laetitia Schütt – Mitbegründerin der Ecole Amitié  –

4:45 Uhr am Morgen. Einige haitianische Kinder machen sich laetitiaschuettauf den Weg durch die Dämmerung. Sie gehen barfuß, ihre Schuhe haben sie im Gepäck. Sie sollen sich nicht abnutzen, denn in ihrer Uniform wollen die Kinder später adrett aussehen. Sie sind auf dem Weg in die nächste Grundschule, die Ecole Amitié. Sie sind heilfroh, dass es diese Schule gibt, denn sie ermöglicht ihnen Bildung und eine Zukunftsperspektive, die ihnen unter anderen Umständen verwehrt geblieben wäre. Die Ecole Amitié ist keine staatliche Schule, von denen gibt es nur wenige in Haiti. Sie ist ein privates Projekt, welches vor über 20 Jahren gegründet wurde, um Kindern aus armen Verhältnissen und Restavek-Kindern* den Zugang zu Bildung zu verschaffen. Doch die Grundschule ist noch vieles mehr. Es gibt Freizeitaktivitäten, das Selbstbewusstsein der Kinder wird gestärkt und ein besonders wichtiger Baustein ist die warme Mahlzeit bestehend aus Reis und Bohnen, die mit zum Schultag gehört. Das heißt, wenn sie irgendwie ermöglicht werden kann, denn die Schule ist in einem Staat voller Probleme auf Fördergelder, Hilfsprogramme und Spenden angewiesen. Deshalb ist jedes neue Jahr eine Herausforderung, der sich die Schulverantwortlichen gemeinschaftlich und mit großem Engagement immer wieder aufs Neue stellen.hof-pause_web

So auch Laetitia Schütt, Mitbegründerin der Ecole Amitié. Die Tochter einer deutschen Kaufmannsfamilie in Haiti wuchs in Cap Haitien auf, wo sie sich jetzt für eine bessere Bildung der Jugend einsetzt. Im Interview hat sie uns einen Einblick in das beschwerliche, aber hoffnungsvolle Leben in Haiti und der Ecole Amitié gegeben.

* Restavek sind Kinder, die unter sklavenähnlichen Bedingungen bei fremden Familien leben und arbeiten müssen. Viele kommen vom Land und werden von ihren Eltern weggegeben, weil diese sie nicht ernähren können.


SCHULALLTAG


Laetitia, mit der Ecole Amitié leistest Du seit vielen Jahren großartige Arbeit für Restavek, arme Kinder und deren Familien. Umso mehr freuen wir uns bei VIVANI, dass wir das Projekt mithilfe unserer Kunden unterstützen können. Zunächst ein paar allgemeine Fragen. Die Schule liegt in einem Armenviertel der Küstenstadt Cap Haitien. Wie heißt das Viertel und welche Geschichte steckt dahinter?

Die Schule steht im Viertel „La Fosette“, das gleich außerhalb des Stadttores am Fluss liegt. Es ist das älteste Armenviertel von Cap Haitien und zu Zeiten der Kolonie wurden dort die neu eingeführten Sklaven aus Afrika eingepfercht. In den 1980er Jahren hatte die deutsche KfW Organisation [KfW-Bank] dort ein großes Slum-Sanierungs-Projekt durchgeführt und seitdem wird das Viertel auch „Quartier EPPLS“ genannt, nach dem Projektnamen.

Im Jahr 1996 hat der haitianische Lehrer Pierre Wallace die Schule gemeinsam mit dir gegründet. Sowohl du und deine Schwester Cornelia, als auch die „Spendenbeauftragte“ Regina Matt sind deutsch-stämmig und setzen sich mit großem Engagement für das Projekt ein. Woher kommt diese Motivation?

Da Cornelia (als haitianische Sängerin bekannt unter ihrem Künstlernamen TiCorn) und ich in Cap Haitien aufgewachsen sind und uns so stark mit dem Land verbunden fühlen, ist es ist es fast selbstverständlich, dass einem die Probleme von Haiti am Herzen liegen. Und meiner Überzeugung nach liegt die größte Hoffnung für das Land in einer besseren Ausbildung der haitianischen Jugend.
Das Engagement von Regina Matt verdanken wir ihrer Schwester Hedwig, die an der Deutschen Botschaft in Port au Prince arbeitete und sich damals persönlich sehr für die Schule eingesetzt hat.

Wie können wir in Deutschland uns das Leben an der Ecole Amitié vorstellen?

Der Schultag fängt morgens um 7:45 Uhr an, mit dem Hissen der Nationalfahne auf dem Schulhof und dem Singen der Nationalhymne, wie in den meisten haitianischen Schulen.
Um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Um 10 Uhr ist große Pause mit warmer Mahlzeit, falls Schulspeisung möglich ist, und danach weiter Unterricht bis 12 Uhr. Das ist die erste „Schicht“.
Um 13 Uhr beginnt die zweite Schicht, mit warmem Essen um 15 Uhr, falls vorhanden. Schulschluss ist um 16:45 Uhr mit Herablassen der Fahne, diesmal ohne Gesang.

Hier sind deutliche Unterschiede zum Ablauf in deutschen Grundschulen erkennbar. Welche weiteren Abweichungen gibt es? Hat die Schule bspw. Zugang zu Stromversorgung und Computern?

Obwohl sich das Leben an der Ecole Amitié stark von deutschen Grundschulen unterscheidet, gibt es auch einige Gemeinsamkeiten. Sowohl Haiti als auch Deutschland haben eine offizielle Schulpflicht, die mit sechs Jahren beginnt. Viele haitianische Kinder aus armem Milieu können ihren Schulbesuchschuelerinnen_ecoleamitie_web aus verschiedenen Gründen allerdings erst mit starker Verspätung begingen, sodass es große Altersunterschiede innerhalb der Klassen gibt. Als erstes sollen die Kinder auch in Haiti richtig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.
Die Grundschule geht in Haiti jedoch bis zum staatlichen „Certificat Examen“ am Ende der 6. Klasse. Für die meisten Kinder machen diese sechs Jahre die gesamte Schulbildung aus. Neue Richtlinien des Erziehungsministeriums möchten den Grundschulbesuch für alle um drei Schuljahre verlängern, was in der Praxis jedoch nur schwer umzusetzen ist.
Ein weiterer Unterschied ist, dass die meisten Schulen in Haiti Geld kosten. Der Andrang in die viel zu wenigen erschwinglichen Schulen ist so groß, dass möglichst viele Schüler in jeder Klasse untergebracht werden. Erst seit zwei Jahren wurde die Klassenstärke an der Ecole Amitié auf 50 SchülerInnen reduziert. Fast alle Kinder gehen mit Freude und großem Eifer zur Schule, leider sind die Lehrmittel meist rar und jedes Heft, jeder Bleistift, und erst recht jedes Schulbuch ist den Schülern kostbar. Von Computern können sie nur träumen, die gibt es nur in den teuren Privatschulen oder in besonders privilegierten staatlichen Sekundarschulen. Selbst in der Direktion der Ecole Amitié gibt es nur einen privaten Laptop, der ab und zu zur Verfügung steht. Einen Stromanschluss hat die Schule bisher nicht.

Ist es möglich, Kinder in der Schule individuell zu fördern?

Schwierig. Das individuelle Fördern von Kindern z.B. durch Patenschaften ist mit zu viel Aufwand an organisierter Kommunikation verbunden. Briefe hin und her zu vermitteln und zu übersetzen kann die Ecole Amitié nicht leisten, und es würde auch viel Enttäuschung bei den Kindern auslösen, die nicht mit eingeschlossen werden können. Eine Patenschaft für Lehrer wäre dagegen denkbar und besser durchzuführen! Wenn z.B. mehrere Paten gemeinsam das Monats-Gehalt eines bestimmten Lehrers übernehmen könnten, wäre dies eine sehr große stabilisierende Hilfe.


POLITIK


Wie kommt es, dass die meisten Schulen nicht erschwinglich sind? Sind auch die staatlichen Schulen mit Gebühren belegt? Liegt dies an der hohen Verschuldung des Staates?

Die finanziellen Mittel des Staates reichen nicht aus um die Gratis-Grundschule für alle haitianischen Kinder zu garantieren. Nur etwa 10% der Grundschulen sind staatlich. Diese verlangen als Eigenbeitrag für den Grundschulbesuch symbolische 500 Gourdes (weniger als 10 Euro pro Jahr) – die Kosten für Schuluniformen und Schulbücher müssen die Eltern selber tragen. Die Bedingungen an der Ecole Amitié orientieren sich an den staatlichen Grundschulen mit dem selben „symbolischen“ Eigenbeitrag. Jede Schule hat laufende Unkosten, selbst wenn die Struktur steht und keine Miete zu zahlen ist. Das größte Problem sind immer die Lehrergehälter. Wer zahlt sie? Für Millionen von Kindern! Die Privatschulen müssen rentabel arbeiten und selbst die religiösen Schulen können die Kosten nicht allein tragen ohne erheblichen Beitrag der Eltern oder Ersatzpersonen. Manche große Hilfsorganisationen versuchen dieses Problem durch einen Aufbau von „Schüler-Patenschaften“ zu lösen…

Die politische Lage ist in Haiti seit jeher unstet. Momentan leitet Jocelerme Privert übergangsweise die Staatsgeschäfte. Welche Veränderungen haben sich unter seiner Regierung für die Schule ergeben?

sleep_webLeider wurden alle Schulsubventionen vom haitianischen Staat für das Jahr 2015/16 total ausgesetzt. Ob die staatliche Unterstützung in der augenblicklichen verworrenen politischen Lage mit endlosen Wahlkomplikationen fürs Schuljahr 2016/17 wieder aufgenommen werden kann, ist noch äußerst fraglich. Das bedeutet für die Schule weiter anhaltende finanzielle Unsicherheit und Sorgen.
Ebenso unklar ist die Situation mit den Nahrungsmittellieferungen der PAM [Programme Alimentaire Mondiale; Welternährungsprogramm] an die Schulen für 2016/17. Es besteht ein kleiner Schimmer von Hoffnung, gibt jedoch noch keinerlei feste Zusagen für zukünftige Schulspeisungen. Ein warmes Essen für die SchülerInnen ist sehr wichtig in diesem Umfeld, besonders wo die Lebensmittelpreise in Haiti ernorm gestiegen sind. Auf jeden Fall soll die Schulküche so bald wie möglich in Stand gesetzt werden, um jederzeit wieder einsatzbereit zu sein.

Aufgrund von Fälschungsvorwürfen und Gewaltausbrüchen wurden die Wahlen mehrfach verschoben. Im Herbst 2016 sollen sie nun endlich stattfinden. Wie äußern sich die Wahlkomplikationen?

Die Bevölkerung ist das Thema Wahlen weitgehend leid, und sie betrachtet alle Kandidaten mit viel Skepsis – und die Oktober Wahlen sind noch weit weg. In Port au Prince, wo sich die Politiker zu profilieren suchen ist die Stimmung aufgeheizter. In Cap Haitien herrscht nur das normale tägliche Chaos einer lebendigen Stadt.

Obwohl sie sich eine Insel teilen, sind die Dominikanische Republik und Haiti uneins. Zuletzt sorgte eine neue Bürgerschaftspolitik der Dominikaner für Aufruhr. Inwiefern ist der Konflikt im Alltag spürbar?

Der Konflikt ist historisch – mit ab und zu stärkeren Krisen. Aber insgesamt ist doch zu viel wirtschaftliches Interesse auf beiden Seiten um Verbindungen ganz abzubrechen. Der Abschiebungs-Konflikt des letzten Jahres ist nicht gelöst aber „abgeflaut“. Gegenseitige Schikane an der Grenze wird eher als lästige Behinderung angesehen.


AUSBILDUNG UND WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE


Eine wirklich tolle Möglichkeit für die Schulabsolventen ist die Nähschule. Sie können dort eine Ausbildung machen und erste Erfahrungen sammeln. Die Resonanz ist überwältigend und die Plätze in der kleinen Nähschule heiß begehrt. Sind weitere Ausbildungsmöglichkeiten geplant? Welche Berufe sollen ausgebildet werden? Konnten Absolventen der Nähschule bereits einen Job finden?

trommeln_webSehr gerne würden wir allen Absolventen die Möglichkeit einer Ausbildung geben. Doch das Einzige was realistisch machbar scheint – wenn das Stromproblem in näherer Zukunft gelöst werden könnte – wäre vielleicht, ein oder zwei besonders „nützliche“ Abendkurse anzubieten, z.B. Englisch und Spanisch. Im Augenblick können wir nur einigen der älteren abgehenden Schüler die Möglichkeit geben das Schneiderhandwerk zu lernen, oder etwas Malerei und Kunsthandwerk.
Der Malerei- und Kunsthandwerkskurs steht aber noch ganz am Anfang. Auf diesem Gebiet gibt es durchaus Berufschancen, vor allem wenn sich der Tourismus in Haiti wieder beleben und ausweiten würde – worauf alle sehr hoffen. Aber es gibt auch lokalen Bedarf an „artistes business“, d.h. Bemalern von Taptap-Bussen [haitianische Sammel-Taxen], Namensschildern und Wänden mit bunten Bildern und Sprüchen in schöner interessanter Kalligraphie. Der Kunstkurs soll sich einen großen Raum mit der Schneiderwerkstatt teilen. Dafür wurden drei zusätzliche große Tische mit Bänken hinzugefügt. Auch als Musiker kann man sich in Haiti einen bescheidenen Lebensunterhalt verdienen. Gute Musik-Bands und Sänger genießen ein großes Ansehen. Der Zugang zu allen teureren Instrumenten zum Üben ist hierbei die größte Schwierigkeit. Nur Trommeln und Rasseln sind leicht zu bekommen. Blechkapellen sind sehr beliebt und werden viel engagiert um Anlässen „Feierlichkeit“ zu verleihen.judoclub_web

Deshalb sind die Freizeitaktivitäten in Kunst und Musik wahrscheinlich so beliebt. Im Sportbereich hat sich besonders der Judo-Club inzwischen etabliert. Sind weitere Angebote geplant?

Der Judo-Club ‚Cobra’ ist längst zu einem festen Bestandteil der Schule geworden. Der hochqualifizierte Judo Sensei und vielseitige Athlet Silien möchte sein ehrenamtliches Engagement an der Ecole Amitié noch ausweiten und nach Möglichkeit auch weitere Sportarten wie Volleyball und Bodenturnen in das Programm aufnehmen.  Gerne würde die Ecole Amitié auch wieder etwas auf musikalischem Gebiet anbieten können, doch es fehlt da an Instrumenten. Die Blechkapelle, die drei Jahre lang an der Schule existierte, hatte nur mit geliehenen Instrumenten geübt, und dies konnte leider nicht aufrecht erhalten werden nach Abgang der ersten eintrainierten Gruppe.


HOFFNUNGEN, PLÄNE, WÜNSCHE


Welche weiteren Pläne und Wünsche habt ihr für die Ecole Amitié? Was würdet ihr gerne noch anschaffen oder verwirklichen?

Was sich die Ecole Amitié für die kommenden Jahre besonders erhofft ist eine zuverlässige finanzielle Unterstützung, die es ermöglicht die Lehrergehälter zu sichern und vielleicht sogar in einigen Jahren die zusätzlichen Klassen 7, 8 und 9 an dieser Schule anbieten zu können.
Besonders dringend sind zusätzlich einige wichtige Infrastruktur-Arbeiten. Zwei der Dächer, das der Turnhalle/Aula und das der Küche und Nebenräumen, müssen total erneuert werden. Außerdem muss die Latrine erneuert werden und auch an den Außenmauern sind Renovierungsarbeiten fällig. Gerne würden wir den Schulhof etwas besser gestalten und begrünen. Durch eine bescheidene Solarinstallation könnte das Stromproblem für uns gelöst werden, was einige Verbesserungen zur Folge hätte. Natürlich gibt es auch über die Infrastrukturfragen hinaus eine ganze Reihe von Anschaffungen, die sich die Ecole Amitié sehr wünschen würde. Wir brauchen dringend mehr Schulbücher zum Ausleihen, und mehr Arbeitsmaterial für den Werkunterricht. Außerdem freuen wir uns über jede Art von Musikinstrumenten. Irgendwann, wenn das Stromproblem gelöst werden kann würden wir vielleicht gern einige Computer mit Internetanschluss und einen Filmprojektor für DVDs anschaffen. Dies liegt zurzeit aber leider noch in weiter Ferne.

Wie schätzt ihr die Zukunft der Schule ein? Kann ihr Fortbestehen auch weitere 20 Jahre gesichert werden? Gibt es eine Entwicklung bzw. einen Trend?

Die Zukunft der Ecole Amitié war von Anfang an nie „gesichert“. Sie war als eine Art Übergangslösung gegründet worden, mit legalem Status als nonprofit „Ecole Communautaire“, in der Erwartung, dass sie später in das offizielle staatliche Grundschulsystem eingegliedert werden würde. Es war in 1996 nicht vorherzusehen, dass das Budget des haitianischen Erziehungsministeriums bis heute den großen Herausforderungen nicht genügen würde. So wird die Ecole Amitié versuchen wie bisher von Jahr zu Jahr zu überleben, und ihre Pläne für Verbesserungen den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten anzupassen. Bis sie, in vielleicht 10 Jahren, doch noch Teil eines erneuerten und besser finanzierten staatlichen Grundschulsystems werden kann.


LACHEN UND WEINEN MIT DER ECOLE AMITIÉ


Viele Teile der Welt hatten in der ersten Hälfte des Jahres mit Unwettern zu kämpfen. Auch Haiti war wieder schwer betroffen. Wie hat die Ecole Amitié die Unwetter erlebt? Wurden wieder Schäden verursacht?

Die letzten alten Nähmaschinen sind leider der großen Flut zum Opfer gefallen. Ein kleiner Generator, den die Ecole Amitié geschenkt bekommen hatte, war bei der großen Flut vom November 2014 unbrauchbar geworden. Seitdem ist Strom ein ungelöstes Problem an der Ecole Amitié. Das städtische Elektrizitätswerk hat keine ausreichende Kapazität um alle zu versorgen und liefert nur wenig und unregelmäßig Strom an die Armenviertel, deren Bewohner „schlechte Zahler“ sind und zudem die Leitungen gerne illegal „anzapfen“. Die Schulleitung hat nach mehreren Versuchen aufgegeben viel Besserung von der Stadtversorgung zu erwarten. Für eine Solarinstallation, die Ideal-Lösung, waren noch keine Mittel vorhanden. Abendkurse können ohne Licht nicht angeboten werden, und die Schneiderwerkstatt funktioniert auch nur mit fuß- oder handbetriebenen Nähmaschinen.dach_web

Konnte das Jahr 2016 Verbesserungen hervorbringen? Was ist von der Wetterlage zu erwarten?

Die Schüler der Ecole Amitié sind alle ein Jahr weiter gekommen! In ihren Köpfen ist 2016 hoffentlich die wichtigste „Verbesserung“ mit Aufnahme von mehr Wissen zustande gekommen. An den äußeren Verbesserungen der Infrastruktur wird jetzt in den Ferien noch gearbeitet: Hauptpunkte sind Erneuerung von zwei Dächern und Latrine. Dieser Sommer ist besonders heiß, aber ansonsten ist das Wetter zum Glück soweit stabil.

Trotz aller Schwierigkeiten konnte das Schulprojekt bereits sein 20-jähriges Jubiläum feiern! In der Zeit habt ihr sicherlich viele bewegende Lebensgeschichten erlebt. Wenn ihr einmal Revue passieren lasst, was hat euch besonders berührt?

Mir persönlich macht es jedes Mal Freude zu sehen wie sehr alle Kinder sich auf dem Schulgelände „zuhause“ und wohl fühlen. Und ich bin stolz darauf, dass die schulischen Ergebnisse über die ganzen Jahre hinweg so überdurchschnittlich gut waren. Ich habe es immer vermieden einzelne Schüler direkt über ihre Lebensgeschichten zu befragen – fast jede dieser Geschichten in diesem Milieu wäre „bewegend“ und jede individuelle Befragung von mir würde leicht unerfüllbare Erwartungen auslösen. Es sind die Lehrer, die besser über besondere Werdegänge berichten könnten. Es war beim Jubiläumsfest berührend zu sehen, wie stark sich die abgehende 6. Klasse mit der Ecole Amitié verbunden fühlte, und wie ungern sie unsere Schule verließ. Die meisten dieser Schüler haben ihre gesamte Schulzeit hier verbracht. Nur ein Teil von ihnen wird Platz in einer weiterführenden Schule finden.
Deshalb trugen die Abgänger nochmals ihre sehnliche Bitte vor, dass die Ecole Amitié auch noch die Klassen 7, 8 und 9 einführen würde, denn sie alle wären so gerne weiter an dieser Schule geblieben… Leider mussten sie die Antwort hinnehmen, dass dies, vorerst jedenfalls, nicht möglich sein würde zu finanzieren.
Die meisten der älteren Schüler (vor allem die 14-18 Jährigen) werden versuchen müssen irgendwie ein Handwerk zu erlernen.
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Zu sehen, wenn den Kindern Bildung und eine Perspektive verschafft werden, muss ein schönes Gefühl sein. Gab es in den 20 Jahren Kinder, an deren Werdegang ihr euch gerne erinnert, weil er euch glücklich und stolz macht?

Einer der wenigen männlichen Absolventen, der „Star-Lehrling“ René Luxon, der seine ganze Grundschulausbildung an der Ecole Amitié gemacht hat, hat inzwischen seine eigene Schneiderwerkstatt aufgebaut, mit drei Nähmaschinen und zwei zusätzlichen, von ihm eingestellten Gehilfen. Er verdient sich damit das nötige Geld um gleichzeitig an einer Sekundarschule doch noch sein BAC (Abitur) zu machen. Danach will er weiter sehen…
Andere Absolventen nähen privat zuhause vor allem Schuluniformen. Die Textilfabriken in der Nähe der Stadt sind noch nicht richtig in Gang gekommen. Ab und zu gibt es einige „Hochbegabte“ (mit entsprechenden Zeugnissen), welche Stipendien in staatlichen Sekundarschulen bekommen, ihr BAC machen, und manchmal sogar zur Universität gehen können. Aber die Ecole Amitié kann nur die unterste Stufe auf der Leiter nach oben sein und versucht darin ihre Funktion zu erfüllen – so gut es eben geht trotz aller Schwierigkeiten!

Vielen Dank, liebe Laetitia!

Alle Informationen zur Ecole Amitié gibt’s hier, alle Hintergründe zum VIVANI KIDS for KIDS-Projekt hier.

Fotos: © Ecole Amitié / Laetitia & Cornelia Schütt

KIDS for KIDS-Projekt 2014 – 25.130 Euro für Kinder in Haiti

Kids_for_Kids_3D mit 10 cent_01_13_webSeit guten zwei Jahren läuft nun schon das VIVANI Kinderhilfsprojekt „KIDS for KIDS“ in Haiti, für das wir über den Verkauf unserer „KIDS“-Schokolade Spenden sammeln. Im ersten Jahr kamen hierüber 20.000 € zusammen. 2014 konnten wir nun noch einmal aufstocken, sodass ganze 25.130 € an unseren Projektpartner – die Kindernothilfe – übergeben werden konnten. In einem aktuellen Projektbericht zeigt die Kindernothilfe, wem konkret mit den Geldern geholfen wird und was mit den „KIDS for KIDS“-Spenden im vergangenen Jahr alles bewirkt werden konnte. Und das ist eine ganze Menge…

Hier geht’s zu unserer Projekt-Seite: www.vivani-schokolade.de/kidsforkids

KNH in Haiti - Projekt in Wharf JeremieDie wichtigsten Projekt-Fortschritte im Überblick:

  • Mädchen und Jungen lernen lesen, schreiben und rechnen
  • Schulung von Jugendlichen über die Notwendigkeit von Bildung
  • Ausbildungskurse für Jugendliche
  • Schulungen über Kinderrechte für Mädchen und Jungen
  • Schulungen für Kinder zum Thema Gesundheit und Schutz während eines Hurrikans
  • Anmeldung von 44 Jugendlichen in einer Berufsschule
  • Schulungen für „Gasteltern“ zu den Themen Kinderrechte, Familienleben uvm.

Die Ausgangssituation

In Haiti gibt es etwa 300.000 „Restavèk“-Kinder (von „rester avec“, bei jemandem bleiben). Diese Kinder leben in den Haushalten anderer Familien unter ausbeuterischen Bedingungen und arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag. Sie holen Wasser, kochen, waschen und versorgen die leiblichen Kinder der Gasteltern. Der „Lohn“ für ihre Arbeit: Viele werden geschlagen und sexuell missbraucht. Oftmals haben die Kinder kein Bett, müssen sie auf dem Fußboden schlafen und die Reste essen, die die Gastfamilie übrig lässt. In die Schule dürfen sie meist nicht gehen. Arme Eltern, die nicht für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommen können, schicken ihre Kinder, meist Mädchen, zu Verwandten oder Fremden. Sie hoffen, dass sie es dort besser haben werden. Doch die Gastfamilien sind selbst arm, viele leben in Slums, in denen Elend und Gewalt herrschen. Viele dieser entwurzelten Restavèk-Kinder leiden unter der schweren körperlichen Arbeit, der Gewalt, dem Heim- weh. Manche haben gelegentlich Kontakt zu ihren leiblichen Eltern, andere wissen nicht einmal mehr, wo sie herkommen. Und sie wissen vor allem nicht, was später einmal aus ihnen werden soll.

Unterstützung für die Kinder in „Wharf Jéremie“

Das Viertel Wharf Jérémie gehört zu den ärmsten und gefährlichsten Vierteln von Port-au-Prince. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Perspektivlosigkeit führt zu hoher Gewalt. Täglich kommt es zu tödlichen Auseinandersetzungen. In dieser trostlosen Umgebung leben zahlreiche Restavèk bei „Gastfamilien“. Die Lebensumstände sind denkbar schlecht. Ärztliche Versorgung gibt es kaum, nicht überall gibt es sauberes Trinkwasser. Der Kindernothilfe-Partner MOCOSAD hat im vergangenen Jahr die Gasteltern der Kinder zu mehreren Elternabenden eingeladen. Bei diesen Gelegenheiten wurden die Eltern über Kinderrechte aufgeklärt, sie lernten etwas über ausgewogene Ernährung, Versorgung mit sauberem Wasser, Umweltschutz, Vermeidung von Krankheiten und Familienleben. Darüber hinaus bemühten sich die Projektmitarbeiter, die Gasteltern davon zu überzeugen, die Kinder in die Schule zu schicken. Über den normalen Schulunterricht hinaus wurde im vergangenen Jahr eine Sommerschule angeboten für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 21 Jahren. In verschiedenen Gruppen konnten die Kinder spielen, Sport machen, sich künstlerisch betätigen und Blumen und Armbänder basteln. Die Kinder hatten sehr viel Spaß dabei. Insgesamt wurden über die Projektaktivitäten 260 Mädchen und Jungen erreicht.

Schule und Ausbildung für arbeitende Kinder

Im Armenviertel Tokyo ist der Kindernothilfe-Partner „Organisation Nationale pour l’Encadrement des Enfants“ (ONENF) tätig. Er will dafür sorgen, dass die Restavèk-Kinder eine Schul- und Berufsausbildung machen können. Dazu gehört auch, die Gasteltern davon zu überzeugen, die Mädchen und Jungen in die Schule zu schicken. Im vergangenen Jahr erreichten die Projektmitarbeiter, dass 63 Mädchen und Jungen neu in der Schule angemeldet wurden. Manche Kinder erschienen nur unregelmäßig zum Unterricht. Die Mitarbeiter des Projekts besuchten sechs Familien, um herauszufinden,

warum die Kinder nicht regelmäßig am Unterricht teilnahmen. Neben dem normalen Schulunterricht lernten die Jungen und Mädchen die Kinderrechte, die universelle Menschenrechtscharta und die Charta zur Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit kennen. Darüber hinaus wurde den Kindern erklärt, wie sie sich in der Hurrikan-Saison verhalten müssen und wie sie sich im Notfall schützen können. Damit die Kinder vor ansteckenden Krankheiten besser geschützt sind, lernten sie auch, Hygienemaßnahmen anzuwenden.

Die Kinder lernen im Projekt lesen, schreiben und rechnen

In 2013 begannen 44 Jugendliche eine Berufsausbildung als Klempner oder Fliesenleger. Die Projektmitarbeiter motivierten sie, regelmäßig zum Unterricht und zur Arbeit zu erscheinen, damit sie am Ende ihren Abschluss schaffen und dann ein besseres Leben für sich aufbauen können.KNH11539

Unterstützung für Restavèk

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince ist auch der Kindernothilfe-Partner MvM (Mouvman Vin Pils Moun) darum bemüht, den Restavèk-Kindern vielseitige Unterstützung zukommen zu lassen und den Restavèk-Kindern ein Leben in Würde zu ermöglichen. Aber auch andere marginalisierte Gruppen, wie Straßenkinder, werden durch das Projekt erreicht. Viele der Straßenkinder sind ehemalige Restavèk, die aus den schrecklichen Bedingungen ihrer „Gastfamilien“ geflüchtet sind.

Im Zentrum der Projektarbeit steht die Stärkung des Selbstwertgefühls, das bei den meisten der Kin- der so gut wie nicht vorhanden ist. Hierzu gehört auch, dass die Kinder ihre eigene Identität finden. Darüber hinaus strebt das Projekt an, die Kinder darin zu stärken, bei der Bewältigung alltäglicher Situationen unabhängiger zu werden. So sind sie nicht mehr von ihrer „Gastfamilie“ abhängig und können sich besser mit den alltäglichen Dingen im Leben zurechtfinden. Die Betreuerinnen des Projekts bringen den Kindern lesen und schreiben bei und sprechen mit den Mädchen und Jungen über die Kinderrechte.

Im vergangenen Jahr wurden über die Projektaktivitäten von Kindernothilfe und MvM 1.495 Kinder erreicht. In etwa 50 Gruppen wurden die Mädchen und Jungen von 35 pädagogisch und soziopsychologisch geschulten Betreuerinnen und Betreuern gefördert. In den Gruppen des Projekts lernen die Mädchen und Jungen lesen und schreiben, da sie von ihren Gastfamilien nicht in die Schule geschickt werden. Darüber hinaus spielt auch die Auseinanderset- zung mit den Kinderrechten eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr nahmen 900 Kinder an den Grundkursen und 250 Mädchen und Jungen an den fortgeschrittenen Kursen teil. Die Projekte der Kindernothilfe und ihrer Partner in Haiti geben den Restavèk-Kindern die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Im Projekt haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen. So nahmen im vergangenen Jahr etwa 550 Mädchen und Jungen an Tischlerkursen teil. Einige von ihnen konnten ihre Produkte verkaufen und sich von dem Verdienst nützliche Dinge kaufen. Zudem bot das Projekt Nähkurse an, an denen insgesamt 45 Kinder und Jugendliche teilnahmen. Für die jungen Menschen trägt der Erwerb dieser Fähigkeiten dazu bei, sich eine Zukunftsperspektive aufzubauen, in der sie ihr eigenes Geld verdienen und somit ihre Lebenssituation verbessern können.

Viele der Kinder kommen mit sehr wenig Wissen über Krankheiten und Hygiene ins Projekt. Umso wichtiger ist es, sie für die Vorbeugung von Krankheiten zu sensibilisieren. Im Jahr 2013 konnten über 1.300 Mädchen und Jungen durch Trainingseinheiten im Bereich Gesundheit sensibilisiert werden. So lernten die Kinder und Jugendlichen, wie sie sich im Falle von Infektionen schonen können, damit sie schnell wieder gesund werden und wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können. Darüber hin- aus konnten 142 Kinder und Jugendliche in einem Krankenhaus, mit dem das Projekt kooperiert, medizinisch versorgt werden.

Text & Bilder: © Kindernothilfe

KIDS for KIDS: Interview mit Geschäftsführer Andreas Meyer

Unter dem Namen „KIDS for KIDS“ engagiert sich VIVANI seit einiger Zeit für Straßenkinder in Haiti. VIVANI Geschäftsführer Andreas Meyer erzählt, wie es zu diesem Projekt kam. Das Interview führte Marcus Noack von Umwelthauptstadt.de.

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Meyer, bereits im letzten Jahr interviewten wir Sie zu Ihrem Unternehmen VIVANI (Interview). Was hat sich seitdem in Ihrem Unternehmen getan?

ANDREAS MEYER: Eine ganze Menge. Mit Kasachstan, Ägypten und der Ukraine haben wir neue Länder erschlossen, in denen VIVANI bislang nicht erhältlich war. Neben einigen Neuprodukten – unter anderem einer Weißen Kuvertüre in Bioqualität – haben wir zudem viel im sozialen Bereich unternommen. Beispielsweise engagieren wir uns seit dem letzten Jahr in einem Kinderhilfsprojekt in Haiti. Als gewissenhafter Hersteller sehen wir uns in der Pflicht, Präventionsarbeit zum Schutz vor Kinderversklavung zu leisten.

Der Begriff „Bio“ steht, bedingt durch die letzten Lebensmittelskandale, nicht mehr im besten Licht. Wie schaut Ihr Plädoyer für Bioschokolade aus?

Vielleicht waren diese Skandale nötig, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. „Bio“ ist in den letzten Jahren immer populärer geworden – da wundert es nicht, dass sich ein paar schwarze Schafe unter die ansonsten integre Bio-Community mischen. Wo man Geld verdienen kann, versuchen leider immer einige wenige, sich betrügerisch zu bereichern und verraten die eigenen Ideale. Es ist an den Herstellern, das Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen. Der Kunde von heute ist mündiger denn je, das sehe ich absolut positiv. Mein Plädoyer lautet deshalb: Informiert euch über die Produkte, die ihr konsumiert, und stellt kritische Fragen. Dann wird sich schnell die Spreu vom Weizen trennen. Für die Unternehmen gilt: Transparenz auf allen Ebenen ist absolute Voraussetzung.

Wie beurteilen Sie insgesamt den Süßigkeitsmarkt in Deutschland? Findet hier ein Wandel statt hin zu gesünderen oder sogar nachhaltigen Naschereien anstatt des Konsums von reinen „Zuckerbomben“?

Nachhaltige Lebensmittel werden immer gefragter. Das ist seit einigen Jahren zu beobachten. Grund hierfür ist unter anderem das investigative Engagement von Bund und Medien. Verbraucherportale und kritische Reportagen decken Missstände auf und alarmieren den Konsumenten. Hierdurch verlieren viele Bürger das Vertrauen in die Prinzipien des konventionellen Handels. Dies führt sie hin zu Alternativen aus dem Bio- und Fairtrade-Bereich. Hier unterliegen die Produkte stärkeren Auflagen und Kontrollen, das gibt dem Kunden Sicherheit.
Für viele zählt schon längst nicht mehr „Hauptsache billig“. Lebensmittel dürfen 2013 wieder etwas kosten und der Verbraucher profitiert, wenn er für den höheren Preis qualitativ hochwertige und ethisch vertretbare Nahrungsmittel bekommt.
Das gilt natürlich auch für den Süßwarenmarkt. Gesundheitsaspekte spielen bei dieser Umorientierung selbstverständlich auch eine Rolle. So sind gesunde Süßungsmethoden – wie beispielsweise durch Kokosblütenzucker – oder vegane Angebote wichtige Themen, denen sich die Hersteller stellen müssen.

Unter dem Namen „KIDS for KIDS“ engagiert sich VIVANI seit einiger Zeit für Straßenkinder in Haiti. Wie kam es zu diesem Projekt?

Wir wollten schon seit längerer Zeit ein Kinderhilfsprojekt in der Dritten Welt starten – also dort, wo unser Hauptrohstoff Kakao herstammt.
Im letzten Jahr war es dann endlich soweit. Wir haben mit der Kindernothilfe Deutschland den richtigen Partner gefunden, der die Kompetenz, das Engagement und die Kontakte besitzt, ein solches Vorhaben erfolgreich durchzuführen. Zusammen unterstützen wir nun den Bau von Schulen, der helfen soll, sogenannten „Restavek-Kindern“ (Straßenkindern) eine Perspektive zu bieten, um sie vor den Gefahren von Verschleppung und Zwangsarbeit zu schützen. Die Kinder erhalten warme Malzeiten, bekommen Möglichkeiten der Hygiene und haben eine feste Anlaufstelle – die Basis eines strukturierten Lebens. Für viele dieser Kinder wäre es sonst zu spät. Man kann sich nicht vorstellen, wie elend die Zustände in Haiti wirklich sind – und wie skrupellos die Machenschaften mancher Menschen, die aus der eigenen Not heraus anderen, wehrlosen Menschen unendliches Leid antun.
Das „KIDS for KIDS“-Projekt unterstützen wir mit dem Verkauf einer zugehörigen Tafel (VIVANI „KIDS“), von der 0,10 € pro verkaufter Einheit in das Projekt gespendet werden. Wir sind für jede zusätzliche Unterstützung dankbar! Alle wichtigen Informationen findet man auf www.vivani.de/kidsforkids.

Weshalb haben Sie sich dazu entschieden Kinder in Haiti zu unterstützen und nicht etwa benachteiligte Kinder in Deutschland oder anderen Ländern dieser Welt?

Die Armut in Haiti ist enorm – deshalb denken wir ist es richtig, dass man dort hilft, wo Hilfe am meisten benötigt wird. Haiti ist ein Nachbarland der Dominikanischen Republik, aus der wir den Großteil unseres Kakaos beziehen. Allerdings geht es der Dom. Rep. dank Tourismus und Co. relativ gut. Haiti hingegen musste in der Vergangenheit viele schwerwiegende Katastrophen hinnehmen und kommt kaum dazu sich zu rekurrieren. Zerstörung, Armut und Gewalt sind ein Teufelskreis, aus dem dieses Land ohne externe Hilfe schwer herauskommt.

Die Spendengelder für das Kinderhilfsprojekt sammelt VIVANI über den Verkauf der „KIDS“ Schokolade. Optisch sticht die Tafel sehr aus dem künstlerischen Design des VIVANI-Sortiments heraus. Hierzu gibt es doch sicherlich eine Geschichte, oder?

Ja, die gibt es in der Tat. Das Design der „KIDS“ Schokolade hat ein 9-jähriger Junge aus Bayern entworfen. Er hat den großen VIVANI „KIDS for KIDS“ Malwettbewerb gewonnen, den wir im letzten Jahr zur Kampagne gestartet hatten. Er konnte kaum fassen, dass sein Bild nun in über 50 Ländern weltweit zu sehen sein wird. Das hat ihm fast die Sprache verschlagen und er – und vor allem seine Familie – waren mächtig stolz. Zurecht! Es ist ein tolles, aussagekräftiges Bild – so farbenfroh, wie eine unbeschwerte Kindheit eigentlich sein sollte. Wir hoffen sehr, dass wir mit unserem Beitrag auch ein wenig Kindheitsfreude nach Haiti bringen können.

VIVANI begleitet noch ein weiteres Hilfsprojekt in Haiti. Können Sie uns hierzu etwas erzählen?

Gerne. Wir unterstützen in Haiti zudem den Bau eines ganz besonderen Waisendorfes, den die Nicht-Regierungsorganisation Ayitimoun Yo leitet. Dies ist das Projekt einer beneidenswert engagierten Spanierin, die für das Wohl ihrer Waisenkinder sogar ihre Gesundheit aufs Spiel setzt. Haiti ist durchzogen von Korruption und Gewalt. So wurde der Ayitimoun Yo kürzlich ihr ursprüngliches Waisenhaus unter Androhung einer gewaltsamen Räumung entzogen. Die Kinder und Betreuer waren gezwungen über Monate in einem provisorischen Zeltlager zu leben. In einem bewegenden Aufruf sammelten die Verantwortlichen im Folgenden Spenden für einen Bau eines eigenen Waisendorfes. Das Geld ist nun zusammen und das Bauprojekt in den Startlöchern.
VIVANI wird in diesem Dorf ein eigenes Haus haben, in dem 6 bis 8 Kinder leben werden. Wir freuen uns schon sehr auf das, was in diesem Dorf passieren wird. Das Waisendorf befindet sich übrigens in der Grenzregion zur Dominikanischen Republik. Gerade in den Grenzgebieten ist der Schutz von Straßen- und Waisenkindern besonders wichtig, da hier die Gefahr der Entführung am größten ist.

Können Sie einschätzen, wie hoch Ihre finanzielle Unterstützung in diesem Jahr ausfallen wird?

Wir rechnen mit einer Spendensumme von 15.000 bis 25.000 Euro. Geld, mit welchem man in einem der ärmsten Länder der Welt viel bewegen kann.

Wie können Ihre Kunden die Projektarbeit unterstützen?

Jeder Kunde, der die VIVANI „KIDS“-Schokolade kauft, unterstützt das Projekt automatisch, da wir pro verkaufter Tafel 0,10€ in unseren Spendenfond einzahlen. Die Schokolade erhält man in jedem gut sortierten Bioladen und Reformhaus sowie im VIVANI Online-Shop www.bioschokolade.de. Natürlich ist jeder herzlich eingeladen, das „KIDS for KIDS“-Projekt mit einer zusätzlichen Spende voranzutreiben. Interessierte können gerne jederzeit per Email an info@vivani.de Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns über jeden Cent, der unser Vorhaben unterstützt!

Mit freundlicher Genehmigung von

 

VIVANI startet mit fünf neuen Produkten in das Jahr 2013!

Jetzt wird es schokoladig: Wenn sich VIVANI im Februar wie jedes Jahr auf der „BioFach“-Messe in Nürnberg präsentiert, gibt es stets neue Leckereien zu probieren. 2013 sind sogar fünf neue Produkte mit dabei! Die „BioFach“ ist die weltgrößte Fachmesse des Bio-Bereichs und findet in diesem Jahr vom 13. bis zum 16. Februar statt. Wer die Messe besucht, der sollte einfach mal an Stand 120a in Halle 7 vorbeischauen und probieren!

Feine Bitter 92 % Was ist neu? Allen voran eine komplett neue Sorte, die „Feine Bitter 92 %“! Diese dünne, zartschmelzende Tafel von 80g ist vor allem etwas für eingefleischte Zartbitter-Freunde und wurde auf vielfache Kundennachfrage hin kreiert. Aber auch die Vollmilch-Fraktion muss sich vor der Feine Bitter 92% nicht fürchten, denn diese „hochprozentige“ Schokolade ist dennoch angenehm mild im Geschmack. Das liegt vor allem an den hochwertigen Zutaten wie Panama-Kakao und Kokosblütenzucker, einer gesünderen und feineren Alternative zu Zucker. Die noch dünnere Ausformung als sonst bei VIVANI üblich sorgt dafür, dass dem Genießer die Schokolade nicht nur sprichwörtlich im Munde zergeht. Ein spannendes Geschmackserlebnis und unbedingt probierenswert!

Kids_for_Kids_3D mit 10 cent_01_13_webDie zweite Neuigkeit ist ein Relaunch der Sorte VIVANI „Kids“. Hier wurde nicht nur die Rezeptur verfeinert – sie ist ebenfalls die Aktionsschokolade zum neuen VIVANI Charity-Projekt „KIDS for KIDS“. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Kinderhilfsprojekt in Haiti, das VIVANI in Zukunft mit dem Verkauf der Tafeln unterstützen will. Je 10 Cent werden an Projekte der Kindernothilfe gespendet, die von Kinderversklavung bedrohten „Restaveks“ den Einstieg in ein neues Leben eröffnen sollen. AlleRocco Engler Informationen zum Kinderhilfsprojekt finden Sie hier. Das Tafeldesign ist passend zum Namen „KIDS for KIDS“, denn Kinder entwarfen es in einem VIVANI-Malwettbewerb im letzten Jahr. Der neunjährige Rocco Engler (Bild) aus Stephanskirchen konnte dabei die Jury mit seinem Bild einstimmig überzeugen. So zeigt das frische, neue Design Kinder verschiedener Nationen, die unbeschwert Schokolade genießen.

3 KuvertürenLast but not least kommen auch die Backfreunde wieder auf ihre Kosten, denn auch im Bereich der Kuvertüren ist Neues angesagt! Neben Vollmilch und Bitter ist nun auch endlich weiße Kuvertüre erhältlich – ein Novum im Bio-Sektor! Aber der Clou liegt im Format der Kuvertüre: Das neue 200 g Tafelformat ist handlich und erleichtert die Verarbeitung. Also Back- und Pralinenmeister – ran ans Werk!